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Patenter Erfinder wird 95

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Patenter Erfinder wird 95

Prof. Artur Fischer
~Dieter Tschorn

Am 31. Dezember 1919 wurde Artur Fischer als Sohn des Dorfschneiders in Tumlingen bei Freudenstadt geboren – seine Heimat seit 95 Jahren. Aber er hat noch eine zweite Heimat – das Deutsche bzw. inzwischen auch das Europäische Patentamt in München. Mit mehr als 1 100 in Deutschland angemeldeten Patenten und Gebrauchsmustern zählt er zu den erfolgreichsten Erfindern weltweit. Sein Porträt hängt in der Erfindergalerie des Patentamts neben dem Computerpionier Konrad Zuse, dem Motorspezialisten Felix Wankel und vielen mehr. Artur Fischer, inzwischen mit Titeln wie Professor, Senator und Doktor hoch geehrt, ist ein pragmatischer Mann. Seine schöpferischen Einfälle entwachsen persönlichen Erfahrungen. Weil für ein Foto seiner Tochter die Wohnung zu dunkel und der Einsatz eines offenen Blitzlichts wegen Brandgefahr zu gefährlich war, entwickelte er eine Synchronverbindung zwischen Kamera und Blitzlicht. Daraus erwuchsen diverse moderne Blitzgeräte und das Basispatent für den Blitzwürfel. Damit legte er den Grundstein für sein Unternehmen.
Ein weiteres Beispiel: Weil die Befestigungen der Fensterläden an seinem Haus mit einem vorhandenen Dübel nicht hielten, entwickelte er den sogenannten S-Dübel, der letztlich die Befestigungstechnik veränderte. Daraus ist ein riesiges Dübel-Sortiment für die unterschiedlichsten Baustoffe und Einsatzgebiete geworden.
Die Probleme des täglichen Lebens sind Fischers Motor, um nach der richtigen und eigenständigen Lösung zu suchen. So entstand auch der Konstruktionsbaukasten fischertechnik. Artur Fischer suchte in den 60er Jahren nach einem Weihnachtsgeschenk für seine Dübel-Kundschaft. Der üblichen Kiste Wein, dem Kugelschreiber oder der Flasche Kirschwasser fehlte das Besondere, das Fischer-Eigene. Die ersten Baukästen fanden Weihnachten 1965 derart großen Anklang, dass man bereits 1966 auf die Spielwarenmesse ging und mit gefüllten Auftragsbüchern zurückkam.
Aber nicht nur die persönlichen Hemmnisse machte er sich zu eigen. Als ein französischer Chirurg auf ihn zukam und die Problematik bei Oberschenkelhalsbrüchen durch die langen Liegezeiten, verbunden mit erheblicher Thrombosegefahr, schilderte, entwickelte er Knochendübel, die ein schnelles Aufstehen und Bewegen ermöglichten.
Für Artur Fischer stand immer nur die Aufgabe im Mittelpunkt: »Ich kann nicht ein Produkt erfinden, das 10 Mio. einbringt. Ist eine Aufgabe gut gelöst, kommt der Umsatz von allein.« Von allein kamen dann neben den Ehrentiteln auch viele andere Auszeichnungen wie die Diesel-Medaille, der Werner-von-Siemens-Ring und mehrere Orden. Für sein Lebenswerk erhielt er den Deutschen Gründerpreis und den European Inventor Award.
Die Unternehmensgruppe wird heute von Fischers Sohn Klaus geführt. Mit 4 150 Mitarbeitern, weltweit 43 Landesgesellschaften und 633 Mio. Euro Umsatz werden auch Innenraumlösungen für die Automobilindustrie und Consulting-Dienstleistungen angeboten.
Bis vor Kurzem hat Artur Fischer einem besonderen Hobby intensiv gefrönt: Er hat seine Kreativität in feinfühlige Gemälde, Aphorismen und Gedichte einfließen lassen. Darüber hinaus unterstützt er zahlreiche soziale Einrichtungen und engagiert sich in der Stiftung »Artur-Fischer-Erfinderpreis«. Dazu arbeitet er in seinem Heimatort noch fast täglich in seinem Büro, um weiterhin seine zweite Heimat im Münchner Patentamt mit neuen Ideen zu versorgen.
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