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Pioniersiedlung mit Vorbild-Charakter - 100 Jahre Lindenhof Berlin

Pioniersiedlung mit Vorbild-Charakter
100 Jahre Wohnsiedlung Lindenhof

Es ist ein Pionierprojekt des sozialen Wohnungsbaus: Vor 100 Jahren wurde in Berlin Tempelhof-Schöneberg die Wohnsiedlung »Lindenhof« errichtet und guter, praktischer Wohnraum mit günstigen Mieten geschaffen – bis heute ein hochaktuelles Thema. Zum runden Jubiläum nimmt die GeWoSüd nun Bewohner und Gäste mit auf eine Zeitreise durch die 100-jährige Geschichte der Gartenstadt.

Ende November wurden auf dem Gelände der Wohnsiedlung sechs frei zugängliche Info-Stelen enthüllt, die über die wechselvolle Geschichte des Lindenhofs informieren. Jede der sechs Stelen trägt einen QR-Code, der Interessierte via Smartphone zu historischen Bildern und Informationen führt.

Die erste Info-Stele, die den Start des Rundgangs markiert, steht in der Eythstraße / Ecke Domnauer Straße mit Blick auf den Standort des ehemaligen Ledigenheims, wo sich heute neben einem siebengeschossigen Wohnhaus auch die Geschäftsstelle der GeWoSüd befindet. Von hier aus geht es auf dem Stelen-Pfad weiter in die Suttner- und in die Reglinstraße, in der sich die sogenannten »Chinesenhäuschen« befanden. Ihren Namen erhielten die Reihenhäuser durch die damaligen Bewohner, da die Vorbauten durch ihre Form an chinesische Pagoden erinnerten.

Der Geschichtsparcours führt die Besucher dann weiter vorbei an der Lindenhof-Schule und den Mietergärten der Reglinstraße bis hin zum Weiher. Abschluss der Lindenhof-Zeitreise bilden schließlich die zwei Gebäudeensembles in der Eyth- und Bessemerstraße am nördlich angrenzenden Areal, die im Rahmen eines Erweiterungsprojekts entstanden sind. Hier befindet sich die sechste und letzte Info-Stele des Rundgangs.

»Für uns ist der Lindenhof eine ganz besondere Wohnanlage, denn mit ihrer Übernahme im Jahre 1922 begann auch die Geschichte der GeWoSüd«, erklärt Matthias Löffler, Vorstand der GeWoSüd. »Damit ist der Lindenhof auch der älteste Standort der Wohnungsgenossenschaft. Wir freuen uns, dass wir die Anlage über all die Jahre erhalten und sukzessive erweitern konnten.«

Tradition weiterentwickelt

Gartenstadt mit Licht, Luft und Sonne

Der Lindenhof wurde ab 1918 unter Leitung des späteren Berliner Stadtbaurats Martin Wagner entwickelt, um der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen. »Die Siedlung entstand damals als architektonisch durchdachte Weiterentwicklung der Berliner Mietskasernen, die für ihre luft- und lichtlosen Wohnverhältnisse berüchtigt waren«, erläutert Löffler und ergänzt: »Wagner orientierte sich an der Idee einer Gartenstadt und entwickelte ein stimmiges Quartier, das menschenwürdigen Wohnraum mit Licht, Luft und Sonne schaffte.«

Aufgrund der Engpässe in der Lebensmittelversorgung infolge des Ersten Weltkriegs legte der Lindenhof den Fokus zudem auf das Thema Selbstversorgung. So erhielt jeder Haushalt einen 80 m² großen Garten für Anbau und Nutztierhaltung; gemeinschaftliche Obstbäume und ein Gewächshaus standen den Mietern ebenfalls zur Verfügung. Bis zum Zweiten Weltkrieg wohnten hier mehr als 2.800 Menschen.

Wiederaufbau nach dem Krieg

Die durch Kriegseinwirkungen zerstörten oder schwer beschädigten Teile des Lindenhofs wurden in den 1950er Jahren nach dem Leitbild der aufgelockerten Stadt durch die GeWoSüd wiederaufgebaut. Dabei wurde die ursprüngliche Randbebauung um die Gärten aus den 1920er Jahren durch eine damals moderne Zeilenbauweise ersetzt, die sich trotz Baustilwechsel im Größenverhältnis harmonisch in den Bestand einfügte.

Die historisch geschlossene Bebauung ging verloren und aus den ehemaligen Hausgärten wurden ungeteilte Gemeinschaftsflächen. Einen deutlichen Kontrast schufen die Architekten Franz-Heinrich Sobotka und Gustav Müller mit dem markanten siebengeschossigen Laubengang-Hochhaus, das mit seinen 40 Ein-Raum-Apartments und sechs Gewerbeeinheiten den neuen Eingang zur Siedlung bildete.

Mit derartigen Geschäfts- und mittleren Hochhausbauten prägte das Architektenduo das Bild des Wiederaufbaus in West-Berlin. Der Lindenhof galt dabei als Pilotprojekt und erhielt im Jahre 1955 besondere Anerkennung durch den Besuch des Bundespräsidenten Theodor Heuss, der bereits 1918 als einer der Schöneberger Stadtverordneten den Bau der Siedlung mit beschlossen hatte.

Vielfalt in der Großwohnsiedlung

Oase in der Großstadt

Die Verwaltungszentrale der GeWoSüd konnte 2005 durch einen modernen, lichtdurchfluteten Anbau an das bestehende Wohnhaus in der Eythstraße 45 ergänzt werden. Zuletzt erfolgte die Modernisierung der Zeilenbauten aus den 1950er Jahren und die Wiedererrichtung eines der im Krieg komplett zerstörten Torhäuser. Auch in das Grün wurde investiert: Durch Überarbeitung der Nutzergärten ist eine wahre Oase in der Großstadt entstanden. Insgesamt 55 Mio. Euro hat die Wohnungsgenossenschaft in den letzten Jahren für Bestandspflege und den Ausbau der denkmalgeschützten Anlage aufgebracht.

»Wagners Idee einer Gartenstadt ist auch heute noch ein Erfolg. So gibt es immer noch parkähnliche Freiflächen mit altem Baumbestand und eigenem Weiher, der damals eine beliebte Badestelle für Kinder war. Die torartigen Zugänge in der Reglin- und Röblingstraße verleihen der Siedlung einen außergewöhnlichen Charme, da sie durch diese besondere Architektur und Lage in sich abgeschlossen wirkt«, erklärt Löffler.

Die Pioniersiedlung mit Vorbild-Charakter zeichnet sich auch heute noch durch guten Wohnraum zu günstigen Konditionen, zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen und die Nutzung von Mietergärten aus. Bis heute ist der Lindenhof die größte Wohnanlage der GeWoSüd. Etwa 1.000 Mitglieder wohnen mit ihren Familien in den rund 620 Wohnungen.

Wer die Geschichte der Wohnssiedlung ausführlicher entdecken möchte, ist ab sofort beim Geschichtsrundgang dazu eingeladen.

www.lindenhof-berlin.de »

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