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Zur Alltagstauglichkeit unserer Städte

Wechselwirkungen zwischen Städtebau und täglichem Handeln. Von Andreas Feldtkeller, 130 S., 16,80 Euro, Verlag Hans Schiler, Berlin/ Tübingen 2012

~Christian Holl

Andreas Feldtkeller war als Leiter des Stadterneuerungsamts Tübingen die Person, die die bundesweit und international vorbildlichen Beispiele der Stadtplanung erst möglich machte. Die Tübinger Südstadt steht exemplarisch für kleinteilig strukturierte und nutzungsgemischte Stadtquartiere. Hier wurde auf Konversionsflächen die »Stadt der kurzen Wege« verwirklicht, in der Feldtkeller das Leitbild für die Stadt der Zukunft sieht. Sie hat viele wesentliche Vorteile: ökologische, weil Verkehr reduziert wird, sie kann soziale Kontakte fördern, sie bietet für bestimmte Gewerbeformen kleiner und mittlerer Größe geeignete Standortfaktoren. Oft werden die in Tübingen gemachten Erfahrungen allerdings als nicht übertragbarer Sonderfall bewertet. Das zu widerlegen, ist das Anliegen dieses Buchs. Auf Erfahrung und breite Kenntnis der entsprechenden Literatur gestützt, argumentiert Feldtkeller überzeugend gegen die Ansicht, kleinteilige Nutzungsmischung lasse sich nicht planen oder sei ökonomischer Marktgesetze wegen nicht durchzusetzen. Er fordert, Nutzungsmischung nicht nur in Innenstädten anzustreben, sondern auch die stadtregionalen Strukturen neu zu organisieren. Das ist richtig, aber nicht neu. Wer in diesem Buch konkrete Vorschläge für die aktuelle städtebauliche und stadtplanerische Praxis sucht, wird enttäuscht. Vorwürfe ohne konkreten Adressaten wie der der unzureichender Forschungsarbeit sind der Sache wenig dienlich, die Behauptung, über die Schwächen funktionalistischen Städtebaus werde der Mantel des Schweigens gehüllt, ist schlichtweg falsch. Die Forderung, die Gemeinde müsse darauf verzichten, zivilgesellschaftliches Engagement durch staatliche Wohltaten ersetzen zu wollen, mutet etwas befremdend an: Liegt hier das Problem der aktuellen Diskussion? Auch die so oft schon wiederholte, pauschale Diffamierung von Großwohnsiedlungen ist letztlich zu einfach, zu bequem: Sie rechtfertigt doch nur, sich nicht konkret mit ihnen auseinanderzusetzen und blockiert damit Verbesserungen in ihnen. Dass die Fortschritte in bestehenden Strukturen oft nur mühsam gemacht werden können und dann keine spektakulären Ergebnisse zeitigen, die breit öffentlich publiziert würden, dafür aber umo mehr zu würdigen wären, bleibt unberücksichtigt. Etwas mehr Respekt vor der Arbeit seiner jüngeren Kollegen hätte dieses grundsätzlich richtige Plädoyer glaubwürdiger gemacht.
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