Startseite » Empfehlungen » Bücher » Quonset Hut

Bücher
Quonset Hut

Metal Living for a Modern Age. Von Julie Decker und Chris Chiei. 176 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen. Englisch, Format 19 x 21,5 cm. Kartoniert, 21,29 Euro. Princeton Architectural Press, New York, 2006

Christoph Gunßer

Der Krieg mag nicht der Vater aller Dinge sein, doch hat er den Leichtbau im 20. Jahrhundert wesentlich vorangebracht. Wann immer viel Bauwerk von wenigen Arbeitskräften in kurzer Zeit errichtet werden sollte, schlug die Stunde der Konstrukteure. Otto Brandenberger war einer (Buckminster Fuller wenig später ein anderer): 1894 geboren, an der ETH Zürich zum Architekten ausgebildet, 1913 in die USA ausgewandert, wurde Brandenberger Ende der dreißiger Jahre Kopf eines Entwicklungsteams der Stahlbaufirma Fuller, das einen dringlichen Großauftrag der Kriegsindustrie zu bearbeiten hatte.
Die Nissenhütte, 1913 vom britischen Ingenieur Norman Nissen entwickelt und im Ersten Weltkrieg allein 10 000-mal als Lazarettbaracke eingesetzt, sollte für die US-Truppen weiterentwickelt werden. Der charakteristische Rundbogenquerschnitt zur Abwehr von Granatsplittern war ebenso beizubehalten wie die elementierte und leicht montierbare Bauweise aus gebogenen T-Trägern und Wellblech – zehn angelernte Kräfte sollten die im Standardmaß 16 x 36, später 20 x 48 Fuß messende (also rund 55 bzw. 90 Quadratmeter große) und als Stahlbausatz rund 1,5 Tonnen wiegende Baracke in kürzester Zeit, von innen nach außen vorgehend, errichten können. Das Ergebnis, nach dem Militärstützpunkt in Rhode Island Quonset Hut genannt, wurde 1941–45 über 153 000-mal in diversen Ausbauvarianten in alle Erdteile verschickt. Mehrfach modifiziert, war es am Ende die wohl effizienteste und vielseitigste Baustruktur der Zeit.
Letzteres stellten die Quonsets erst unter Beweis, als der Krieg vorbei war: Sie wurden zu Kaufhallen, Kirchen, Wohnhäusern und rollenden Wahlkampfbüros umfunktioniert. Wie dieses Buch in seinem zweiten Teil (am Beispiel Alaskas) belegt, sind sie noch heute vielerorts zu finden.
Die Konstruktion der Quonsets wird so von den Anfängen bis zur Adaptation detailliert und farbig erzählt. Man muss mit den banalen (und teils auch recht unpraktischen) Bogenbauten nicht gleich eine Renaissance der transportablen Architektur heraufbeschwören, wie es die Herausgeber tun – ein Stück amerikanischer Alltagskultur sind die Quonsets allemal.
Tags
Anzeige
Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
1 Parksysteme von KLAUS Multiparking im YachtHotel Helvetia in Lindau

Bis ins Detail

Anzeige