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Yves Belorgey: Zeichnungen (Ulm)

~Karl J. Habermann

Yves Belorgey ist fasziniert von Fassaden anonymer Alltagsarchitektur der 50er, 60er und 70er Jahre mit ihren Gebrauchs- und Lebensspuren. Er hält sie akribisch in Ölbildern fest. Farbwahl, Pinselspuren und Ausschnitt erzeugen Eindrücke, die mithilfe der Fotografie nicht zu erzielen sind. Seine Häuser haben immer etwas zu erzählen: Geschichten über ihre Entstehung, ihre Benutzung und ihre Bewohner. Fotografien dienen ihm als Arbeitsmittel, die entscheidende Arbeit geschieht im Atelier. Personen sind auf den Bildern nicht zu sehen. Der Maler bewahrt die Intimität der Bewohner und versucht die Lebensumstände mit seinen darstellerischen Mitteln von außen einzufangen. Im Laufe der Zeit spielen auch die Architekten der Gebäude eine Rolle. Bekannte Namen tauchen auf: Jean Renaudie, A+P Smithson, Candilis Josic Woods, Paul Chémétov, Ralph Erskin und andere. Sie werden anhand ausgewählter typischer Fassaden regelrecht porträtiert. Auf zahlreichen Reisen gelingt es Yves Belorgey auf Cuba, in Mexico, in Rumänien, in Litauen, in der Türkei und anderswo landestypische Wohnsituationen aufzuspüren und einzufangen. Neben Ölbildern entstehen nun auch großformatige Zeichnungen mit Gemäldequalität: mit ausgeprägtem Licht- und Schattenspiel, Oberflächenstrukturen, Verformungen, Spiegelungen, Transparenzen und Ornamentfragmenten. Durch glückliche Umstände und dank der Beharrlichkeit der Beteiligten entstand der Zyklus der Ulmer Zeichnungen, der nun im Stadthaus zu sehen ist. Die Bekanntschaft Yves Belorgeys mit Reiner Schlecker vom örtlichen BBK führte ihn zum HfG-Gelände und zu den Wohnhochhäusern am Wiblinger Tannenplatz. Erste Zeichnungen entstanden und das Projekt nahm Formen an. Mit den Ulmer Zeichnungen liegt nun ein Stadtporträt der besonderen Art vor: moderne Architektur mit Gebrauchs- und Altersspuren, in ihrer Art typisch für ihre Epoche. Im Stadthaus von Richard Meier kommen die großformatigen Zeichnungen ausnehmend gut zur Geltung. Auf Canson Papier mit Graphit und Kohle aufgebracht schmiegen sich die Motive wie selbstverständlich an die weiten Rundungen der Außenwände. Während Belorgey im 1. OG den Besucher mit weltweit gesammelten Motiven in seine Bildsprache einführt, so gibt es dann im 2. OG mit dem bekannten Blick durch Fassade und Glasdach auf den Turm des Ulmer Münsters einen ausschließlich mit Motiven aus Ulm bestückten Saal. Hier wagt der Künstler auch erste Blicke in die Innenräume der Hochschule für Gestaltung. Das Porträt des vor Ort nicht immer geliebten Baudenkmals ist somit komplett. Yves Belorgey hat mit seinen Bildern eine Schule des Sehens erarbeitet und setzt diese erfolgreich bei seiner Lehrtätigkeit an der Ècole Nationale Supérieure d´Architecture de Paris-Malaquais ein. Seine Arbeiten findet man in namhaften Sammlungen. Das fein gestaltete Künstlerbuch, das zur Ausstellung erschien (58 Seiten, 15 Euro), erlaubt es, die Eindrücke zu vertiefen.
Bis 25. November. Yves Belorgey: Zeichnungen. Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, 89073 Ulm, Mo-Sa 9-18, Do bis 20, So 11-18 Uhr. www.stadthaus.ulm.de
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