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Ausstellungen
Tobias Rehberger (Frankfurt a. M.)

~Franziska Puhan-Schulz

Manchmal hat der Betrachter des Kunstbetriebs den Eindruck, dass es heute fast schon en vogue ist, dass sich Kunst und Design einander annähern bzw. Künstler an deren Schnittstelle operieren. Aber ist es wirklich immer so einfach? Bei »Home and Away and Outside«, Tobias Rehbergers erster großen Überblicksausstellung, scheint dies zwar zunächst so – nicht jedoch auf den zweiten Blick. Dies betont der Ausstellungskurator Matthias Ulrich mit Nachdruck und räumt dem international angesehenen Künstler und Professor für Skulptur der Städelschule 700 m² für eine konzentrierte Retrospektive mit 60 Werken ein. Zusammen mit dem Künstlerkurator entstand eine ebenso aufwendige wie überraschende Ausstellungspräsentation, in die Rehbergers Exponate aus den letzten 20 Jahren eingebunden sind.
Die Ausstellung ist auf drei unterschiedliche Räume verteilt: Ein ganzer Saal flimmert mit einer an Op Art erinnernden Installation; Fußboden und Wände überziehende schwarz-weiß-grau gestreifte Strukturen schieben sich zusammen wie Eisberge (s. Abb.). Das Halt suchende Auge erkennt darin Skulpturen, Sockel und Bänke, die mit ähnlichen Formen bedruckt sind. Spiegel erhöhen die räumliche Tiefenwirkung, die einzig durch die in 4,20 m Höhe endende Wandbekleidung gebrochen wird. Rehberger nutzt hier eine für Schiffe im Ersten Weltkrieg eingesetzte Camouflagetechnik: das sogenannte »Dazzle Painting«.
Im zweiten Teil der Ausstellung werden die Kunstwerke – eine Auswahl scheinbar angewandter und funktionaler Objekte – demgegenüber eher minimalistisch präsentiert, wie z. B. die Porträts von befreundeten Künstlern in Form von Blumenvasen (1995/98) mit deren Lieblingsblumen neben Kultsitzmöbeln in Kinderformat. Ansonsten hebt die in weiß gehaltene Ausstellungsarchitektur die Grenzen zwischen Podest und Sockel, Sitzmöglichkeit und Lauffläche auf und bezieht die Betrachter unmittelbar mit ein.
Der dritte Bereich findet sich im Außenraum der Schirn in der sogenannten Rotunde. Hier hängt eine leuchtende und beleuchtete Skulptur mit dem Titel »Regret«, deren Schatten ein Podest auffängt, welches zugleich Besucher zum Verweilen einladen soll. Dieses Werk gehört thematisch zu den schattenwerfenden amorphen oder eckigen Figuren der neuesten Werkphase des Künstlers.
Raum ist in dieser Ausstellung mehr als designter Ausstellungsraum mit Skulpturen: Er ist Innenraum, Außenraum, öffentlicher Raum, Zwischenraum, zu Hause oder Projektionsraum. Derweil der Betrachter vielleicht noch im Sinne des Kurators darüber nachdenkt, welche Werte und Bedeutungen den jeweiligen Situationen eingeschrieben sein könnten, wirkt das alles ganz schön »schräg«.
Bis 11. Mai. Tobias Rehberger. Home and Away and Outside. Schirn Kunsthalle, Römerberg, 60311 Frankfurt a.M., Di, Fr-So 10-19, Mi+Do bis 22 Uhr, deut./engl. Katalog, Snoek Verlag, Köln, 25 Euro (in der Ausstellung), www.schirn.de
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