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Schein Werfen (Wien)

Ausstellungen
Schein Werfen (Wien)

~Bettina Maria Brosowsky

Die Geschichte der szenischen Kunst und des Theaters ist auch eine subtile Geschichte des Lichts, respektive der künstlichen Beleuchtung. Eine kleine informative Ausstellung im österreichischen Theatermuseum, konzipiert von Wolfgang Greisenegger und Tadeusz Krzeszowiak, geht der 2000-jährigen Kulturgeschichte des Lichts und der Lichttechnik der Bühne nach und zeigt durch Leuchten, Leuchtmittel und Lichteffekte exempla- rische Anwendungsbeispiele. Die Ausstellungsgestaltung von Karin Müller-Reineke und Gerhard Vana setzt mit zwei »materialisierten Lichtstrahlen«, die Innen- und Außenraum durchdringen, das Thema architektonisch um, eine Lichtbühne neben dem inszenierten Schmuckbrunnen im Foyer des Palais Lobkowitz weist den Einstieg (s. Abb.).
Die anschließende Präsentation bedient sich mehrerer Darstellungsformen. Eine Videoproduktion vermittelt die historische Entwicklung des Theaterlichts, beginnend mit den Anfängen im griechischen Theater der Antike, dessen Aufführungen tagsüber im offenen Amphitheater stattfanden, bis zu unserer heutigen Erlebniserwartung lustvoll abendlicher Veranstaltungen, wahrgenommen aus einem abgedunkelten, klimatisch geschlossenen Zuschauerraum. Da diese, immer auch ideellen und ästhetischen Transformationen der Bühnenpräsentation, nur aufgrund beständig leistungsfähiger werdender künstlicher Beleuchtung möglich wurden, sind technikgeschichtliche Exponate in Form von Leuchten und Leuchtmitteln in den raumbegleitenden Einbauten der beiden »Lichtstrahlen« wesentlicher Ausstellungsbestandteil. Auch hier beginnt die thematisierte Bandbreite wieder mit dem minimalen Kunstlichteinsatz der Antike, erzeugt über winzige Öllampen, Fackeln oder offene Feuer auf der Bühne, der einer symbolischen Aufgabe der Verbindung zwischen den Gottheiten und dem irdischen Geschehen diente. Mittelalter, Renaissance und Barock entwickelten spezifische Lichtstimmungen relativer Helligkeiten durch Kerzen und Verbrennungssubstanzen unterschiedlicher Lichtfarben, im Freien wie auch im geschlossenen Raum. Aber erst durch technische Erfindungen wie der Gas- (und später der Elektro-)Beleuchtung erfuhr das Theaterlicht, nun auch als inszenatorisches Ausdrucksmittel, seine grundlegende Fortentwicklung ab dem 19. Jahrhundert. Die heute übliche weitgehende Verdunklung des Zuschauerraums wurde nur durch die effektive Gasbeleuchtung der Bühne möglich, die keiner unterstützenden Ausleuchtung aus dem Zuschauerraum mehr bedurfte.
Da die Fülle historischer Leuchten und Leuchtmittel in der Ausstellung zwangsläufig funktionslos präsentiert werden muss, braucht es einen gut Teil Imaginationskraft des Betrachters, um ihre Lichtwirkungen auf der Bühne erahnen zu können. Da tut es gut, dass zum Abschluss auf einem großen, schräg ansteigenden Screen ganz aktuelle Lichteffekte aus High-end-Lichtmaschinen vorgestellt und in wechselnder Szenenfolge »live« nachvollzogen werden können. Der kompakte Katalog überzeugt zudem mit geballten historischen und technischen Fakten weit über die Ausstellungsinhalte hinaus.
Bis 12. April. Österreichisches Theatermuseum, Lobkowitzplatz 2, täglich, außer Montag 10–18 Uhr, Katalog (Brandstätter) 29,90 Euro. www.khm.at
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