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Versuchsbau in Berlin und Erkenntnisse
Wie bauen ohne Schwarzarbeit?

Schwarzarbeit auf dem Bau
Gehört Schwarzarbeit zum Bau wie der Floh zum Hund? Bild: JRC_Stop-Motion / stock.adobe.com

Schwarzarbeit gehört zum Bau wie der Floh zum Hund. Sie lässt sich einfach nicht vermeiden. Es ist schlicht unmöglich, sämtliche Baustellen zu kontrollieren, und die personelle Unterbesetzung beim Zoll, der zuständigen Behörde, macht es nicht leichter. Leider lohnt es sich auch, Schwarzarbeit als Geschäftsmodell zu betreiben: Die Unternehmen sparen sich Sozialabgaben, wenn sie ihre Mitarbeiter z.B. als Teilzeitkräfte anmelden und diese sich ihren kargen Lohn vom Jobcenter aufstocken lassen. Was hilft? Nur der stete Appell an die Fairness der Bauunternehmen, ihre Mitarbeiter korrekt anzumelden und v.a. keine Subunternehmerketten zuzulassen – gepaart mit der Aufforderung an die Auftraggeber, seien sie öffentlich oder privat, faire Preise zu bezahlen. Was wiederum direkt den Blick auf Verwaltungen und Politik als die Verantwortlichen für die Rahmenbedingungen des Bauens lenkt.

Wie ein Bauvorhaben ohne Schwarzarbeit durchgeführt werden könnte, probierte die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg (FG Bau) am »lebenden Objekt«, einem Wohnhaus in Wilmersdorf, aus. Baubeginn war 2017, Fertigstellung im vergangenen Sommer. Der Grund für die lange Bauzeit war u.a. eine Unterbrechung von einem Jahr, weil die FG – wie »ganz normale« Bauherren – auf verschiedene behördliche Genehmigungen warten musste, und das vor Corona.

Ausführende Betriebe waren Mitglieder der Fachgemeinschaft – wichtiger aber noch war es, dass sie im sogenannten Weißbuch der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes (Soka Bau) aufgeführt sind. Dieses Positivverzeichnis umfasst Betriebe, die in den vorangegangenen 12 Monaten mind. zu 50 % Facharbeiter beschäftigt haben und deren Mitarbeiter zu mind. 75 % in Vollzeit arbeiten. D.h.: Es werden angemessene Löhne gezahlt und die Mitarbeiter sind voll sozialversichert. Und man kann von einer guten Qualität der abgelieferten Arbeiten ausgehen. Nicht zuletzt war wesentlich, dass die Betriebe kontrollieren, dass ihre untervergebenen Aufträge nicht an einen weiteren Subunternehmer weitergereicht werden.

Kontrolle und Transparenz waren denn auch die wesentlichen Stichworte bei dem Feldversuch in Wilmersdorf. Für jeden Arbeiter musste nachgewiesen werden können, wann er wo wie lange gearbeitet hat. Das bedeutete: ein lückenloser Zaun rund um die Baustelle und ein bewachter Zugang durch einen Container und ein Drehkreuz. Hier wurden von jedem Mitarbeiter die Ausweise kopiert, ggf. Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung kontrolliert und eine Chipkarte ausgehändigt. Erst damit konnten die Arbeiter das Drehkreuz passieren. Und beim Verlassen des Geländes wurde genauso auf korrekte Abmeldung geachtet. Die Namen der Mitarbeiter wurden sowohl vom Zoll als auch von der Soka Bau gegengeprüft.

Was für ein Aufwand! »Für kleinere Bauvorhaben, etwa Einfamilienhäuser, ist das standardmäßig nicht praktikabel«, gibt Christoph Bock, einer der Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Schwarzarbeit in der FG Bau, zu. »Erst recht nicht bei einem Ladenausbau, wo die Arbeiter ständig rein- und rausrennen.« Zu bedenken sind auch die Kosten. Die Zugangskontrolle in Wilmersdorf schlug mit stolzen 150.000 Euro (2 % der Baukosten) zu Buche. Eine Lösung, die Kontrolle kostengünstiger und weniger umständlich durchzuführen, sieht Bock – geklärter Datenschutz vorausgesetzt – z.B. in einer App, die sich die Arbeiter aufs Handy laden müssten.

Natürlich ist Schwarzarbeit zurzeit nicht das vordringlichste Problem, doch gebaut wird auch jetzt – und betrogen.
~dr


Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg (FG Bau): Schwarzarbeit »


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