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Die Dokumentation des Bauen-im-Bestand-Preises 2020

Wettbewerbsdokumentation Bauen-im-Bestand-Preis
Wer hat 2020 gewonnen? Und warum?

Bild: Martin Höchst

Durch über 250 Einreichungen wühlten sich die Juroren des db-Architekturpreises »Respekt und Perspektive«. Was die 9 Siegerprojekte von ihren rund 250 Mitbewerbern unterscheidet, erfahren Sie in der frisch erschienenen Wettbewerbsdokumentation.

Dem Wettbewerb Bauen im Bestand widmet sich der Heftteil db-Metamorphose in Ausgabe 12/2020 der db. Die Preisverleihung fand am 28. Januar 2021 online statt. Sie ist (in geraffter Form) auf Youtube abrufbar. »

Preise

JACOBY STUDIOS IN PADERBORN
{David Chipperfield Architects

Beim Umbau einer Klinik zu einem Firmensitz wurden zunächst in einem geradezu bildhauerischen Abriss Reste eines alten Klosters sorgfältig herausgeschält. Dass man sie in den Mittelpunkt der neuen, mehrflügeligen Büroanlage gestellt hat, bezeugt den Respekt vor der Geschichte. Die Kirche wurde dabei beherzt umgedeutet, gleichsam invertiert wie eine umgestülpte Socke: Ohne Dach dient sie jetzt als offener Empfangshof für den Komplex. Sinnfällig überragt sie alle anderen Gebäudeteile und markiert den Eingang. Die modernen Büroflügel sind in ihrer Gestaltung schlüssig aus dem Bestand abgeleitet. In der Logik des Klostergrundrisses legen sie sich um den Kreuzgang – aus Beton errichtet, entwickeln sie die monolithische Qualität des schweren alten Mauerwerks zeitgemäß weiter. mehr »

KITA KAROLINE GOLDHOFER IN MEMMINGEN
{heilergeiger architekten und Stadtplaner

Diese Umnutzung weist neue Wege für die energetische Ertüchtigung des Bestands, denn sie erfüllt schon jetzt die Klimaziele für 2050. Eine weitläufige Villa samt Garage wurde von Dächern und Verbindungsbauten befreit und die verbleibenden Körper wurden anschließend mit einer transluzenten Hülle aus Polycarbonat zusammengefasst. Der Raum dazwischen lässt sich vielfältig bespielen. Als Teil eines Kybernetik-Konzepts gewinnt die neue Haut Solarenergie und macht eine Dämmung des Bestands überflüssig. Daher bleiben viele der alten Oberflächen erhalten – zusammen mit den neuen Bauteilen fügen sie sich zu einer unprätentiösen Materialcol lage. Es entsteht eine sehr eigene Atmosphäre, die ohne die üblichen Attribute kindgerechten Bauens auskommt. mehr »

HAUS IM STALL IN FÜRSTENAU(CH)
{atelier-f ag

Die Arbeit zeigt, wie man ortsbildprägende, leerstehende Nutzbauten des ländlichen Raums retten und ihnen zu einer neuen Perspektive verhelfen kann. Die Lösung liegt in einer konsequenten Schichtung: In die alten Bruchsteinmauern eines Stalls wurde bei gleicher Kubatur ein Wohnhaus gesetzt, mit eigenen Wänden und eigener Gestaltung. In den oberen Geschossen geben große Glasöffnungen den Blick in den Garten frei, im UG inszenieren sie das historische Bruchsteinmauerwerk wie in einer Vitrine. Der neue Grundriss macht die schiefwinklige Geometrie des Bestands zum Thema, etwa mit einer schräggestellten, sich verjüngenden Treppe oder trapezförmigen Räumen. Ein polygonaler Kamin setzt dieses Thema sogar in der dritten Dimension fort. mehr »

Anerkennungen

WALDORFSCHULE IN BERLIN
{MONO Architekten

Plattenbau und Waldorfpädagogik – was eigentlich nicht zueinander passt, wurde hier in Einklang gebracht. Im Masterplan für den langfristigen Umbau dient der riegelförmige Bestand als Rückgrat für organisch geformte Anbauten zu beiden Seiten. Die bereits realisierten Abschnitte überzeugen: Die aus energetischen Gründen vor den Plattenbau gestellten neuen Fassaden werden genutzt, um an der Straßenseite das strenge Bestandsraster variantenreich zu überspielen und der Schule ein freundlicheres Gesicht zu geben. Zum Schulhof dagegen lassen sie den seriellen Charakter des Ursprungsbaus durchscheinen. Auch die skulpturale Gebäudefigur der fünfeckigen Erweiterungen leistet einen originellen Beitrag zum Umgang mit den zahlreichen DDR-Typenschulen. demnächst mehr »

HALLENBAD IN STUTTGART
{pbr Planungsbüro Rohling; HSP Hoppe Sommer

Jedes zweite öffentliche Schwimmbad in Deutschland muss kurz- bis mittelfristig modernisiert werden – für die denkmalgeschützten Exemplare setzt dieses Projekt Maßstäbe: Die Architekten haben es geschafft, die komplexen haustechnischen und energetischen Anforderungen an ein heutiges Bad zu erfüllen, ohne dass der Schwimmhalle eine Veränderung anzusehen ist. Dach und Fassadenprofile sind so schlank wie zuvor, alte Fliesen wurden erhalten oder detailgetreu repliziert, die Glaskunst aufwendig restauriert. Trotz der Neuordnung der Umkleiden und Duschen für einen verstärkten Vereins- und Schulbetrieb wurden aus Respekt vor dem Bestand beispielhaft zwei der alten Wannenbäder belassen. mehr »

SPREESTUDIOS IN BERLIN
{Thomas Baecker, Bettina Kraus

Durch Umbau und Aufstockung avancierten ehemalige Werkstätten und Garagen der DDR-Zollverwaltung zu Ateliers und Studios. Der dunkelgrau gestrichene, ruppige Bestand kontrastiert mit den präzisen, metallisch-glänzenden Ergänzungen. Sie erweisen sowohl der technisch geprägten Geschichte der beiden Ursprungsbauten als auch der industriell geprägten Nachbarschaft ihre Reverenz. Die wie aufgeklappt wirkenden Dachflächen sind dabei schlüssig aus dem früheren Pultdach abgeleitet. Ein gut durchdachter Beitrag zu der Frage, wie sich das Nachverdichtungspotenzial all jener Garagenhöfe nutzen lässt, die von den 50er bis zu den 70er Jahren landauf, landab in großer Zahl entstanden sind. mehr »

TAGESPFLEGE STADLERHOF IN BURGHAUSEN
{studio lot Architekten & Innenarchitekten

Mit großem Einfühlungsvermögen wurde das Wohnhaus eines ehemaligen Vierseithofs für eine Tagespflege umgebaut. Der Umgang mit dem Denkmal ist vorbildlich: Historische Details wie die Wandmalereien wurden sorgfältig restauriert, Altersspuren wie Risse und Kratzer in Boden und Türen erhalten, neue Bauteile wie eine eingestellte Toilettenbox ablesbar gemacht. Ungewöhnlich für eine Pflegeeinrichtung ist der Mut zu einer Vielzahl an rohen und offen belassenen Oberflächen – keine Spur von der meist etwas sterilen Atmosphäre, auf die man sonst häufig in solchen Bauten trifft. Vielmehr erzeugt hier die Patina der Historie eine vertraute Wohnlichkeit. mehr »

WOHNEN IN DER KIRCHE
{(pfitzner moorkens) architekten

Für die häufige Bauaufgabe, eine leer stehende Kirche nachzunutzen, wurde hier eine sensible Lösung gefunden. Mit Apartments für Studierende dient das Gebäude wieder einer Gemeinschaft. Die Zimmer sind als Boxen reversibel in den denkmalgeschützten Sakralraum gestellt, berühren dessen Wände nur an ganz wenigen Stellen und überlassen als schlichte weiße Einbauten der vorgefundenen Bausubstanz gestalterisch den Vortritt. Gleichzeitig halten sie genug Fläche frei, sodass sich der ursprüngliche hallenartige Raumeindruck auch heute noch nachvollziehen lässt. Geschickt wird der Bestand auf diese Weise genutzt, um den Gemeinschaftsbereichen eine Großzügigkeit zu verleihen, die in einem Neubau nie zu finanzieren gewesen wäre. mehr »

EHEMALIGES PFÖRTNERHAUS IN BALGACH (CH)
{Baumschlager Hutter Partners

Die Wohnvorstellungen privater Bauherren mit den Belangen der Denkmalpflege in Einklang zu bringen, ist meist alles andere als einfach. Bei der Adaption dieses ehemaligen Pförtnerhauses ist es geradezu vorbildlich gelungen. Sämtliche alten Oberflächen wurden in all ihrer Ruppigkeit bewahrt, Eingriffe minimiert und reversibel ausgeführt – etwa bei der Leitungsführung auf Putz. Die wenigen neuen Einbauten wie Waschbecken, Duschwanne und Heizung sind nicht von der Stange, sondern individuell entworfen und passen mit ihrer Einfachheit und ihren nackten, unbeschichteten Materialien gut in das vorgefundene Ambiente. mehr »


Genaueres über die Auslobung zum Wettbewerb Bauen im Bestand erfahren Sie hier ».


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