Lernen von Termiten

Technik

Während wir uns heute um die richtige Bauweise, das effizienteste Lüftungssystem, die dauerhaftesten Klebeverbindungen und die strategisch sinnvollste Vermeidung von Schimmel streiten, gibt es »Baumeister«, die diese Diskussionen wohl kaum verstehen würden. Die Rede ist von Termiten, etwa jenen in Australien, die es schaffen, bis zu zehn Meter hohe Turmstrukturen aus Lehm und Speichel beziehungsweise Ton zu bauen, die eine derart hohe Festigkeit besitzen, dass sie Jahrzehnte überdauern. Dabei richten die »Kompasstermiten« ihren Wohnsitz so aus, dass er sich dem äußeren Klima anpasst: Wenn nach einer kalten Nacht die wärmende Sonne aufgeht, wird sogleich eine große Fläche der »Fassade« angenehm bestrahlt. Steht dann mittags die Sonne nahezu senkrecht, bietet das Gebilde eine minimale Oberfläche. Gegen Abend wiederum kann für die anstehende Nacht nochmal viel Wärme getankt werden. Öffnungen an der Basis sowie an der Spitze des Baus werden durch die Bewohner je nach Bedarf reguliert: Bei starker Hitze bleiben sie offen, Hitzestau wird durch thermischen Auftrieb vermieden. Bei Abkühlung werden sie verschlossen, die Luft in den Kammern dient dann als Wärmespeicher. So herrscht im Inneren eine nahezu konstante Temperatur, in der Regel zwischen 25 und 30 Grad bei neunzig Prozent Luftfeuchte, ein regelrechter Brutkasten für die Nester. Wer natürlich komfortabler leben will, helle, offene, ja lichtdurchflutete Räume dunklen Gängen und Schächten vorzieht, dem seien die nachfolgenden Seiten und die kritische Auseinandersetzung mit der im Bauwesen ständig wachsenden Zahl neuer Anforderungen und immer komplexeren Regelwerken empfohlen. cf