Niveaugleiche Türschwellen – Praxiserfahrungen und Lösungsansätze

Schwellenlos

Den Feuchteschutz an Schwellen von Terrassen- und Balkontüren sowie von Hauseingängen gewährleistet am einfachsten eine gegenüber dem Außenbelag höher liegende Aufkantung. Diese erschwert jedoch, gerade für gehbehinderte Menschen, die Benutzung der Eingänge. Daher sind bei öffentlichen Gebäuden und solchen für ältere oder behinderte Menschen barrierefreie Zugänge gefordert. Aber auch im privaten Bereich werden beim derzeit üblichen Komfortanspruch Schwellen oder Stufen von 15 oder auch nur 5 cm Höhe immer weniger akzeptiert. Regelwerke enthalten zwar seit Längerem Anforderungen für niveaugleiche Türschwellen, differenzieren diese aber nicht nach der tatsächlichen Feuchtebeanspruchung. Auch wird nicht klar, ob alle der dort benannten Maßnahmen gleichzeitig auszuführen sind oder lediglich einzelne kombiniert werden können. Eine Forschungsarbeit zu dem Thema gibt nun Aufschluss.

Text und Bilder: Klaus Wilmes, Matthias Zöller

Regelwerke
Nach den Normen für barrierefreies Bauen, DIN 18040 Teile 1 und 2 (die endgültige Fassung des Teils 2 erscheint voraussichtlich in diesem Jahr) bzw. den vorausgehenden Regelwerken DIN 18024 und DIN 18025 (sie haben noch bauaufsichtliche Relevanz) sind untere Türanschläge und Schwellen zu vermeiden bzw. auf eine Höhe von 2 cm zu beschränken. Niveaugleiche Türschwellen wiederum regelt die Norm für Bauwerksabdichtungen bereits seit 2000 in DIN 18195-5, in genauerer Formulierung seit 2004 in DIN 18195-9. Trotzdem bieten noch immer die meisten Türrahmenprofile keine zuverlässigen Anschlussmöglichkeiten für Abdichtungen nach den Regeln der DIN 18195, der Übergangsbereich zwischen Türrahmen und Laibung bleibt sogar ganz außen vor. Da Systemlösungen trotz des großen Bedarfs nicht oder nur selten angeboten werden, müssen Planer und Ausführende der verschiedenen Gewerke immer wieder »das Rad neu erfinden«, um die anscheinend widersprüchlichen Zielsetzungen des Feuchteschutzes und der Nutzbarkeit bei barrierefreien Türschwellen in Einklang zu bringen. DIN 18195-5 und -9 fordern für niveaugleiche Türschwellen besondere Maßnahmen für den Feuchtigkeitsschutz, z. B. Vordächer, Rinnen mit Gitterrosten (ggf. beheizt), Abdichtung des Innenraums, Unterfahren der Schwelle mit der Abdichtung u. a.. Vergleichbares ist in der Flachdachrichtlinie ZVDH 2008 enthalten. Diese Regelwerke differenzieren weder nach der tatsächlichen Wasserbeanspruchung noch klären sie, ob alle Forderungen gleichzeitig, einzeln oder in bestimmten Kombinationen vorzusehen sind. Sie heben aber hervor, dass barrierefreie Übergänge eine intensive Koordination zwischen Planern und Ausführenden bedürfen und lassen daher einen gewissen Spielraum, den erforderlichen Feuchteschutz zu planen und auszuführen.
Wasserbeanspruchung
Eine Forschungsarbeit des Aachener Instituts für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik AIBAU [1] kommt zu dem Ergebnis, dass der abdichtungstechnische Aufwand an niveaugleichen Schwellen wesentlich von der zu erwartenden Wasserbeanspruchung abhängt. Diese wird durch die Schlagregenbeanspruchung nach DIN 4108-3, die Orientierung der Schwelle zur Himmelsrichtung sowie die bauliche Situation (in Anlehnung an DIN EN 927-1, Klassifizierung nach geschützter, teilweise geschützter oder nicht geschützter Lage) bestimmt und in drei Wasserbeanspruchungsklassen eingeteilt (Abb. 2). Damit reichen einfache Maßnahmen an gering beanspruchten Schwellen aus, während der notwendige Feuchteschutz an hoch beanspruchten deutlich aufwendiger ist, um Schäden zu vermeiden.
Massnahmen
Der Bericht zur Forschungsarbeit enthält einen Maßnahmenkatalog, der die Mindestanforderungen an die Abdichtungsmaßnahmen in Abhängigkeit von der Wasserbeanspruchungsklasse auflistet. Im Folgenden sind wesentliche Aspekte der Arbeit zusammengefasst.
Grundlegende Massnahmen
Falls keine Überdachung oder Vergleichbares wirksam vor Spritzwasser schützt, sollten vor niveaugleichen Türschwellen Gitterrostrinnen (Abb. 1) angeordnet werden. Gefälle im Belag und in der Abdichtungsebene im Bereich vor Schwellen sind von diesen wegzuführen, um Stauwasser zu vermeiden. Schlitzrinnen unmittelbar an Schwellen können in Verbindung mit weiteren Maßnahmen die Schlagregenbeanspruchung auf die Fugen zwischen Türflügeln und Schwellen mindern sowie sich ggf. stauendes Schmelzwasser verhindern. Die Beanspruchung durch Spritzwasser verringern Schlitzrinnen hingegen nicht.
Anschluss der Abdichtung an LAibungen und an Schwellen
Grundsätzlich stellt sich die Frage, worin sich die Beanspruchung an Türschwellen von der an Fensterbänken einschließlich der seitlichen Anschlüsse unterscheidet. Dort sind einfache Bänke mit geringen Überständen und Aufkantungshöhen mit nicht selten nur sehr einfachen Anschlüssen an Putzoberflächen in der Regel schadensfrei ausgeführt. An Schwellen werden stattdessen aufwendige Anschlüsse mit gegen Spritzwasser schützende Aufkantungen sowie Klemmleisten einschließlich der Abdichtung der Fuge zwischen Blendrahmen und Laibung gefordert. Im Rahmen der Untersuchung für die Forschungsarbeit wurde festgestellt, dass gerade in Situationen geringer Beanspruchung regelgerechte Aufkantungen und Anschlüsse selten sind, aber dennoch meist keine Schäden auftreten.
Bei nur geringer Wasserbeanspruchung der WBK 1 braucht daher die Abdichtung lediglich bis auf die Höhe der Oberkante des angrenzenden Belags aufgekantet und dort verwahrt zu werden, so dass kein Wasser dahinter gelangen kann. Die Abdichtung kann mit einfachen Maßnahmen an den Blendrahmen der Tür angeschlossen werden, vergleichbar mit der Ausführung bei Fensteranschlüssen.
Ab einer mittleren Wasserbeanspruchung nach WBK 2 sollen Abdichtungen an das Türschwellenprofil mindestens mit flüssig zu verarbeitenden Kunststoffen (FLK) angeschlossen werden, die auf dem seitlichen Blendrahmen hochgeführt werden und auf die Laibung übergehen.
Bei hoher Wasserbeanspruchung der WBK 3 sollten die in DIN 18195 enthaltenen Lösungen als äußerer Anschluss oder durch Unterfahren der Schwelle vorgesehen werden. Bei diesen Lösungen wird vor Einbau der Tür die Abdichtung bis in den Innenbereich verlegt und danach von innen an die Tür angeschlossen, so dass der Anschluss vor Witterungseinflüssen geschützt liegt. Möglicherweise hinter das Schwellenprofil dringendes Wasser wird nach außen geleitet, ohne in den Innenbereich zu gelangen. Hierfür eignen sich bahnenförmige Abdichtungsstoffe, die sich engen Radien anpassen können. Aber auch Flüssigabdichtungen, die, eine entsprechende Anwendungssorgfalt vorausgesetzt, inzwischen als bewährt gelten. Die Abdichtung ist an Laibungen bis auf die übliche Spritzschutzhöhe von 15 cm zu führen.
Die Anforderungen an die Planung sowie an eine handwerklich gute Ausführung sind insbesondere bei hoher Wasserbeanspruchung groß. Das Risiko von Fehlstellen ließe sich deutlich senken, wenn die Schwellenprofile sowie die aufgehenden Blendrahmen bis auf die jeweils erforderliche Höhe mit Bahnenstreifen werkseitig vorgefertigt wären. Da das barrierefreie Bauen zunehmend an Bedeutung gewinnt, sollten Hersteller von Türen und Türschwellenprofilen sich der Aufgabe der industriellen Vorfertigung der Abdichtungsanschlüsse annehmen.
Wärmeschutz und Luftdichtheit
Die Bedeutung des Wärmeschutzes an niveaugleichen Schwellen ist vergleichsweise gering, da aufgrund der in Relation zur wärmeübertragenden Gebäudehülle die Schwellenansichtsflächen nur sehr klein sind. Die Wärmeströme durch Schwellen wirken sich bei Einhaltung des Mindestwärmeschutzes nach DIN 4108-2 nicht nennenswert auf den Energiebedarf aus. Die Bedeutung des Feuchteschutzes an niveaugleichen Türschwellen dagegen ist wesentlich. Sollen die längenbezogenen Wärmebrückenverluste in energetischen Nachweisen nach EnEV 2009 pauschaliert angesetzt werden, können Innendämmungen den Wärmeschutz erhöhen. Bei solchen Schwellen ist hinsichtlich der Luftdichtheit und des Tauwasserschutzes Folgendes anzumerken:
  • Die untere Anschlussfuge soll luftdicht ausge- bildet werden, die Lage der Luftdichtheitsschicht ist dabei aber unwesentlich. Prinzipiell sind hierfür auch die Abdichtungsmaßnahmen auf der Außenseite der Tür geeignet. Eine weitere Luftdichtheitsschicht ist nicht erforderlich.
  • Die Abfolge der Diffusionswiderstände der inneren und der äußeren Abdichtung spielt eine untergeordnete Rolle. Der innere Anschluss muss nicht dampfdichter ausgeführt sein als die Abdichtung auf der Außenseite. ›
Massnahmengruppen- und kombinationen
Der Feuchtigkeitsschutz und damit die Zuverlässigkeit niveaugleicher Türschwellen kann erheblich erhöht werden, wenn Maßnahmen der folgenden Gruppen beachtet werden:
Maßnahmengruppe A: Minderung der
Beanspruchung
  • Schwellenhöhe zwischen 1 und 2 cm über Oberkante des angrenzenden Belags ausführen
  • Reduzierung der Wasserbeanspruchung durch ausreichend große Vordächer, zusätzliche »Wetterschenkel« oder vergleichbare Maßnahmen
Maßnahmengruppe B: Minderung der Folgen von Wasserdurchtritten
  • Abdichtung des Innenraums, ggf. mit eigener Entwässerung
  • Unterfahren der Türschwelle bei Beachtung eventueller Wärmeschutzanforderungen
Maßnahmengruppe C: Erhöhung der Zuverlässigkeit des Abdichtungsanschlusses, Konzeption von handwerklich einfach ausführbaren Details, Anschluss der Abdichtung mit:
  • Los-/Festflanschkonstruktionen (hohe Ausführungssorgfalt bei seitlichen Anschlüssen an Blendrahmen)
  • Anschlussmöglichkeiten durch Hilfsbleche (Verbundbleche bei Kunststoffbahnen / nicht rostende Stahlbleche, auf die Bitumenbahnen angeschlossen werden können) oder Anschluss mittels Flüssigkunststoffen der Gruppe FLK.
Sind aber alle diese Maßnahmen gleichzeitig erforderlich? Genügen einzelne? Wenn ja, welche in Kombination?
Grundsätzlich sind gegen Spritzwasser hinterlaufsichere Anschlüsse der Abdichtung an niveaugleichen Schwellen erforderlich. Darüber hinaus ist bei geringer Wasserbeanspruchung (WBK 1) mind. eine Anforderung der genannten Maßnahmengruppen zu erfüllen. Bei hohen Beanspruchungen (WBK 2 und 3) oder bei überdurchschnittlicher Qualitätsklasse sind mind. zwei Maßnahmen unterschiedlicher Maßnahmengruppen auszuführen.
Selbstverständlich können nach wie vor alle in den Regelwerken enthaltenen Maßnahmen umgesetzt werden. Der Aufwand kann jedoch an die Beanspruchungssituation angepasst werden. Da aus Gründen der Bauorganisation nicht immer abweichende Lösungen gewünscht werden, sind bei gleichartiger Gestaltung die Schwellen nach der jeweils höchsten Beanspruchung zu dimensionieren. Bei nachträglichen Maßnahmen aber ist eine Differenzierung sinnvoll, um unnötige Aufwendungen zu vermeiden.
beispiele
Die Forschungsarbeit des AIBAU enthält Skizzen, denen die Lage der Abdichtung und deren prinzipielle Anordnung entnommen werden können. Etwa den innenliegenden Anschluss der Abdichtung (Abb. 3), die die (aus feuchteunempfindlichen Stoffen bestehende) Türschwelle unterfährt. Die Abdichtung wird dabei vor Einbau der Tür verlegt und bis nach innen geführt (vgl. Punkt 1, Abb. 3), danach von innen an die Schwelle angeschlossen (Punkte 2 und 3) und bis auf Spritzwasseranschlusshöhe am Blendrahmen hochgeführt. Ein solcher Anschluss dichtet die Fuge zwischen dem Türelement und der Laibung ab und bietet für niveaugleiche Türschwellen einen ausreichenden Feuchteschutz bis zur WBK 3.
Die Abb. 4 bis 6 stellen weitere Ausführungsbei-spiele dar, die als situationsbezogene Lösungen die prinzipiellen Vorschläge erläutern. Etwa Anschlussmöglichkeiten durch Hilfsbleche (Abb. 4), mit doppelter Schlitzrinne (Abb. 5) oder eine Abdichtung des inneren Bodenaufbaus und Entwässerung unter der Schwelle nach außen (Abb. 6). Letzteres ist z. B. bei Garagen oder Ladeneingängen möglich und kann mit Sauberlaufzonen kombiniert werden.
Fazit
Bei gering beanspruchten Schwellen sind keine nennenswert anderen als die bei Fensterbänken üblichen Maßnahmen erforderlich, während stark beanspruchte vor Schlagregen, Spritz- und Schmelzwasser zuverlässig zu schützen sind. Alternativ kann die Abdichtung bei höherem Aufwand zuverlässiger angeschlossen oder der an der Tür folgende Innenraum abgedichtet werden, was bei von außen nach innen durchgehenden Belägen sinnvoll sein kann. Selbstverständlich können alle an einem Projekt einzubauenden Türen mit gleichem Schutz der Schwellen versehen werden. Durch einen an die tatsächliche Beanspruchung angepassten Feuchteschutz aber kann der Aufwand an heute sich immer mehr durchsetzende niveaugleiche Schwellen verringert werden. •
  • Weitere Informationen: [1] Oswald, Rainer, Klaus Wilmes und Ruth Abel, Schadensfreie niveaugleiche Türschwellen. Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik AIBAU, Aachen, 2010 (Der Bericht zur Forschungsarbeit ist kostenfrei unter www.aibau.de erhältlich.) Die Forschungsarbeit wurde von Sachverständigen, Architekten und Herstellern unterstützt, indem sie an Umfragen teilnahmen und zum Teil umfangreiche Unterlagen zur Verfügung stellten. Ebenso hatten Heimträger und Wohnungsbaugesellschaften die Besichtigung verschiedener Objekte ermöglicht. Für diese selbstlose Mithilfe gilt besonderer Dank.
  • Quellenhinweise: DIN 4108-2:2003-04 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz DIN 4108-3:2001-07 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz; Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung DIN 4108-7:2001-08 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden, Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele DIN 4108 Bbl 2:2006-03 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Wärmebrücken – Planungs- und Ausführungsbeispiele DIN 18040-1:2010-10 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen -Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude E DIN 18040-2:2009-02 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 2: Wohnungen (Endfassung voraussichtlich in 2011) DIN 18195-2:2009-04 Bauwerksabdichtungen – Teil 2: Stoffe DIN 18195-5:2000-08 Bauwerksabdichtungen – Teil 5: Abdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen und in Nassräumen; Bemessung und Ausführung DIN 18195-9:2010-05 Bauwerksabdichtungen – Teil 9: Durchdringungen, Übergänge, An- und Abschlüsse DIN EN 927-1:1996-10 Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für Holz im Außenbereich – Teil 1: Einteilung und Auswahl ZVDH 2008, Fachregel für Abdichtungen – Flachdachrichtlinie. Regel für Abdichtungen nicht genutzter Dächer; Regel für Abdichtungen genutzter Dächer und Flächen, Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, Oktober 2008