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Material und Möglichkeiten:
Mit einem klassischen Klinkermotiv überhöhten Lorenzen Mayer Architekten, Berlin, die Sockelwände ihres Baufelds im Wohnquartier am Mauerpark, Berlin (Foto: Marcus Ebener Fotografie, Berlin)
Heftthema db 7-8/2020

Ornament

Mal ganz ehrlich: Selbst die Ästhetik der klassischen Moderne kam nicht ohne Zierrat (Detailausbildung), Dekor (Farbe, Material) und Gefälligkeit (Proportion) aus. Um der Gefahr funktionalistischer Entleertheit zu entgehen, wurde hingebungsvoll mit Maserungen, Patina, Lichteffekten oder Kontrasten gearbeitet. Denn nichts ist eben: nichts.

Die Lust am Dekor, am Mehr, und an einem ihrer Werkzeuge, dem meist repetitiven, oft abstrakten Ornament, zieht sich durch die gesamte Kulturgeschichte und selbst durch puristische Epochen, in denen die Meinung herrschte, Verzierung sei nur zum Verschleudern von Ressourcen gut.

Seit dem Loos’schen Verdikt 1908 verlangt die Architektenschaft zumeist nach einer Rechtfertigung, wenn Dekoratives sich einzuschleichen versucht, und lässt es nur gelten, wenn es aus den Materialeigenschaften heraus entwickelt ist und neben gestalterischen auch funktionale Aufgaben übernimmt. Noch besser, wenn ein gut gemachtes Ornament über sich selbst hinausweist, Bezüge deutlich macht und ein Materialerlebnis eröffnet. Dann darf es sich bisweilen sogar zum Ausgangspunkt für ganze Gestaltungskonzepte erheben.

Im Grunde sind Dekor und Ornament aber immer Ausdruck und somit untrennbarer Bestandteil menschlichen Daseins. Sie zeugen vom Drang nach spielerischer Aneignung der Möglichkeiten und sicher auch davon, sich mit der Welt verbinden zu wollen.
Und das ist letztlich der Kern allen kulturellen Schaffens.
Allzu menschlich. ~ge

 
 


Schwerpunkt: Ornament


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