Smaragd im Park

Konzerthalle »Musis Sacrum« in Arnheim (NL)

Klassische Konzerte, House-Parties, Fashion Shows und Volleyball-Turniere: Im neuen Parksaal des Konzerthauses Musis Sacrum in Arnheim ist alles möglich. Die Vielfalt der Veranstaltungen spielt sich hinter einer sattgrün melierten Keramikfassade ab, die den Bau zur Erweiterung des Parks werden lässt.

Architekten: van Dongen-Koschuch architects and planners
Tragwerksplanung: VandeLaar

Kritik: Anneke Bokern
Fotos: Bart van Hoek

Musis Sacrum (Den Musen geweiht) ist ein alteingesessenes Konzerthaus in Arnheim und Heimat des Arnhem Philharmonic Orchestra. Das Stammhaus wurde 1847 in einem Park am Rande der Innenstadt errichtet und im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und erweitert. Mit seinem etwas plumpen Eklektizismus galt schon der Ursprungsbau nicht gerade als Schönheit, und die diversen Um- und Anbauten, darunter ein unter Sparzwängen entstandener Saal aus den 1970er Jahren auf der Parkseite, bewirkten auch keine Verbesserung. Die Wegeführung war unlogisch, die Akustik schlecht, das Dach leckte, und der gesamte Bau steckte voller Asbest.

Es musste also etwas geschehen. Als 2014 endlich öffentliche Mittel verfügbar wurden, luden die Stadt und die Leitung des Konzerthauses fünf Architekturbüros ein, einen Entwurf für eine Erneuerung des Anbaus und die Renovierung des Altbaus zu erarbeiten. Aus dem Wettbewerb ging das Amsterdamer Büro Van Dongen & Koschuch, das bereits zwölf weitere Konzertsäle in den Niederlanden im Portfolio hat, als Gewinner hervor: Als einzige Teilnehmer hatten sie vorgeschlagen, den Neubau durch ein Foyer vom Altbau zu trennen und einen Teil des Raumprogramms unterirdisch unterzubringen.

Minimale Sanierung des Bestands, maximale Strahlkraft des Neubaus
Keramikfassade als Hingucker
So flexibel wie irgend möglich
Lageplan: van Dongen-Koschuch architects and planners
Grundriss EG: van Dongen-Koschuch architects and planners
Grundriss OG: van Dongen-Koschuch architects and planners
Grundriss UG: van Dongen-Koschuch architects and planners
Längsschnitt: van Dongen-Koschuch architects and planners
Querschnitt: van Dongen-Koschuch architects and planners

  • Standort: Velperbinnensingel 15, NL-6811 BP Arnheim

Bauherr: Stadt Arnheim (Gebäude), Musis & Stadstheater Arnheim (Ausbau)
Architekten: van Dongen-Koschuch architects and planners, Amsterdam
Mitarbeiter: Frits van Dongen, Patrick Koschuch (verantwortliche Partner); Ralph van Mameren (Projektleitung); Elisabetta Bono, Rui Duarte, Hesh Fekry, Maikel Super, Casper de Heer, Klaas Sluijs, Olga Moreno
Tragwerksplanung (Ausführung): VandeLaar, Eindhoven
Beratung Theaterbetrieb und -technik: Theateradvies, Amsterdam
Beratung Akustik: Peutz, Zoetermeer
Haustechnik: Nelissen Ingenieursbureau, Eindhoven
BGF: Bestand: 3 870 m², Anbau: 3 700 m², neu (im Zwischenbereich): 5 950 m²
Gesamtinvestition: 22,7 Mio. Euro, Baukosten (ohne Technik): 15,7 Mio. Euro
Bauzeit: Oktober 2015 bis Oktober 2017, Eröffnung: Januar 2018

  • Beteiligte Firmen:

Bauausführung: Mertens Bouwbedrijf, Weert, www.mertens-weert.nl
Keramikfassade: Koninklijke Tichelaar, Makkum, www.tichelaar.nl
Haustechnik: Homij, Groningen, www.homij.nl
Glasfassade: Metaglas, Tiel, www.metaglas.nl
Bronze-Komponenten: Roba Metals, IJsselstein, www.robametals.com
Aufzüge: Kone, Hannover, www.kone.de
Brandschutztüren: Merford Special Doors, Gorinchem, www.merford.com


Anneke Bokern

Auch wenn sie hier ein Stück vom Gebäude entfernt steht, konnte unsere Kritikerin während ihres Besuchs kaum die Finger von den samtigen, grünen Keramikelementen lassen.
Anneke Bokern: Studium der Kunstgeschichte in Berlin. Tätigkeit als Internet-Redakteurin bei einer Tageszeitung und einer Nachrichtenagentur. Lebt seit 2001 als freie Journalistin in Amsterdam und schreibt über Architektur, Kunst und Design in den Niederlanden.


van Dongen-Koschuch Architects and planners

Patrick Koschuch

Architekturstudium an der TU Delft, 1998 Diplom. 1998-2012 Freie Mitarbeit bei de Architekten Cie., ab 2006 bzw. 2009 auch zwei eigene Büros. Seit 2012 gemeinsames Büro mit Frits van Dongen.

Frits van Dongen

Architekturstudium an der TU Delft, 1980 Diplom. Berufstätigkeit in verschiedenen Kooperationen. Ab 1985 eigenes Büro, 1988 Mitbegründung von de Architekten Cie. 2011-14 niederländischer Rijksbouwmeester. Seit 2012 gemeinsames Büro mit Patrick Koschuch.