Farbfilm

Kino »Delphi LUX« in Berlin

Wand, Decke und Bestuhlung — alles Ton in Ton: Jeder Kinosaal im neuen Delphi Lux in der Berliner City West ist anders, aber alle sind komplett in eine Farbe getaucht. Zusätzlich prägendes Element: LED-Bänder zeichnen grafische Lichtlinien auf Decken und Wände.

Architekten: GesslerArchitekt, Batek Architekten, Ester Bruzkus Architekten
Tragwerksplanung: AS-Ingenieure

Text: Ulrike Kunkel
Fotos: Marcus Wend

Während der Ausbauzeit war die Verwunderung groß: Wo sollte im EG des bereits fertiggestellten Gebäudes entlang der Bahntrasse zwischen Kant- und Hardenbergstraße bitte ein Kino mit mehreren Sälen Platz finden? Doch nun reihen sich hier tatsächlich sieben individuell gestaltete Kinoboxen und -säle mit fast 600 Plätzen aneinander, nebst einem kleinen Foyer und Erschließungsbereich. Ein Gewinn für die Gegend und erfreulicherweise eine weitere Aufwertung der viel zu lange vernachlässigten City West.

Die unterschiedlich großen Kinos unterscheiden sich sowohl in ihrer Farbigkeit im Innern als auch in der Materialität ihrer Hülle. So ist eine Box mit Holzschindeln in verschiedenen Rosatönen bekleidet, eine andere z. B. mit Fichtensperrholz und eine weitere mit Sandwichpaneelen. Die Farbe des Äußeren wird in den Sälen jeweils aufgegriffen. Bereits von der Straße aus werden Einblicke auf die verschiedenen Materialien und Farben gewährt. Der in allen Bereichen des Dephi Lux einheitliche Teakholz-Parkett-Boden sorgt für wohltuende Ruhe. Ein weiteres verbindendes Element zwischen den Kinosälen und dem Foyer sind die LED-Lichtlinien. Sie ziehen sich durch alle Bereiche und setzen markante, gestalterische Akzente an der Decke und an den Wänden.

Ein Kino also, bei dem sich ein Besuch auch ganz unabhängig vom gezeigten Film lohnt.


Ulrike Kunkel (~uk)
Studierte Germanistik, Architektur, Städtebau, Stadt- und Regionalplanung, Kunstgeschichte an der TU Berlin und am IUAV, Venedig. 1998 Diplom. 1999-2004 Kuratorin am Vitra Design Museum; 2002-04 Assistentin an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, freie Autorin für Architektur- und Designthemen. Seit 2005 Redakteurin der db, seit 2009 Chefredakteurin.


Grundriss EG: GesslerArchitekt, Berlin
Schnitt: GesslerArchitekt, Berlin

  • Standort: Kantstraße 10, 10623 Berlin
  • Bauherr: Yorck-Kino, Berlin
    Bauherr: Yorck-Kino, Berlin
    Architekten: GesslerArchitekt, Berlin (Entwurf, Genehmigung, Ausführung, Oberbauleitung); böhm ruic architekten, Berlin (Vergabe, Bauüberwachung)
    dekorativer Ausbau: Batek Architekten, Berlin, Patrick Batek, Martina Durrant, mit Ester Bruzkus Architekten, Berlin (ehemals BruzkusBatek Architektenpartnerschaft)
    Tragwerksplanung: AS-Ingenieure, Berlin
    TGA: GPlant Architekten + Ingenieure, Berlin
    Akustik: ACM Akustik- und Studioplanungs Ges., Wörthsee/Steinebach
    Brandschutzplanung: Maske Gehrmann Architekten, Berlin
    BGF: 1 650 m²
    BRI: 7 500 m³
    Baukosten: 3,75 Mio. Euro (netto)
    Bauzeit: September 2016 bis Dezember 2017


GesslerArchitekt

Stefan Gessler
Architekturstudium an der Universität Stuttgart und an den Unités pédagogiques d’architecture no. 6, 7 und 8 in Paris. 1988 Diplom. Mitarbeit in verschiedenen Berliner Büros, seit 2000 freischaffender Architekt.

Batek Architekten

Patrick Batek
Studium von Architektur und Design an der ABK Stuttgart. Seit 1999 eigenes Büro in Stuttgart. Mitarbeit bei Richard Meier & Partners, seit 2003 Büro in Berlin.

Martina Durrant
Studium an der Fachhochschule Aachen. Seit 2003 selbstständige Tätigkeit als Interior Designer in Berlin. Eigene Projekte und regelmäßige Zusammenarbeit mit Patrick Batek und Ester Bruzkus.

Ester Bruzkus Architekten

Ester Bruzkus
1995-2002 Studium an der TU Berlin und der ENSA Paris-Belleville. Seit 2002 Ester Bruzkus Architekten, 2007-17 Bruzkus Batek Architekten mit Patrick Batek. 2015/16 Sommer Interior Design Program in Berlin für das Wentworth Institute of Technology, Boston.