Bühne

In seinem Gedicht »An die Freunde« von 1803 bezeichnet Friedrich Schiller die Theaterbühne als »Bretter, die die Welt bedeuten«. Für nicht mehr aber auch nicht weniger steht das Holzpodest, das den darstellenden Künstler vom Zuschauer abhebt: Eine Fläche, auf der sich das künstlerische Ideengebilde, vom inneren Erleben eines Einzelnen bis hin zu gesellschaftspolitisch aktuellen Themen, darstellerisch interpretieren lässt.

Ein simples Podium auf der grünen Wiese kann einer Aufführung von Musik, Tanz oder Schauspiel dabei ebenso genügen wie eine technisch bestens ausgestattete Bühne in anspruchsvoller Architektur. Der Umgang mit Bauten für die darstellenden Künste – von der experimentellen Schauspielschule über das Theater mit Leuchtturmcharakter bis hin zum Prestigeobjekt der Hochkultur – zeugt wiederum von den gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer häufig auch umstrittenen Entstehung.

Das ein Ort der Reflexion über gesellschaftliche Entwicklungen und Konflikte eine zentrale Stellung im baulichen Gefüge einnehmen sollte, kann in Anbetracht der Geschehnisse auf der Weltbühne nur als zwingend gelten – immer jedoch in der Hoffnung, dass ein Besuch von Theater, Konzertsaal und Oper den Blickwinkel des Zuschauers weitet und nicht verengt. ~mh

Titel db 1-2/2019
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