Freiwillige Feuerwehr in Lauffen am Neckar

Baukörperteil

Als ein den Kompositionselementen der Fläche, des Körpers und des Materials gleichwertiges Element kommt den Öffnungen beim Feuerwehrhaus in Lauffen eine außergewöhnliche Bedeutung zu. In dieser Komposition, in der sich die Linienbeziehungen von innen nach außen fortsetzen, sind die Öffnungen nicht nur pragmatisch gesetzt, sie machen die Gliederung plausibel, und mehr noch, sie bestimmen den Charakter des Volumens, in dem sie es selbst mitformulieren. Equally important as the design elements of surface, mass and material are the openings in the fire station in Lauffen and possess an unusual significance. In this composition, in which the linear relationships radiate from interior to exterior, the openings are not merely pragmatically placed but make the structuring plausible and, moreover, they determine the character of the building volume by being themselves part of its formulation.

Text: Christian Holl

Fotos: Valentin Wormbs
Der Neubau für die Freiwillige Feuerwehr in Lauffen, einem Ort etwa fünfzigKilometer neckarabwärts von Stuttgart, liegt direkt am Bahnhof der Stadt, allerdings auf der Seite, die der Altstadt abgewandt ist, in den Auen der Zaber – die dem Neckar zufließt.
Vergleichbar einem bäuerlichen Gehöft, das als Solitär nicht in der Landschaft aufgeht, sondern sich von ihm abgrenzt und gerade dadurch zu ihrem Teil als eigenes Element wird, ist das Feuerwehrhaus als profaner Nutzbau durchaus in ländlicher Tradition zu verstehen, durch die sein Umfeld am Ortsrand trotz Gewerbegebietsarchitektur (noch) geprägt ist.
Korrespondenzen Das Gebäude, wegen der Hochwassergefahr erhöht, wird zweiseitig von einem Erdwall umgeben, dessen Stützmauern die Grenzen des Innenhofs, den Übungsplatz aus einer großen, asphaltierten Fläche, definieren. Die Einfahrt wird gerahmt vom Übungsturm, einer eleganten, offenen Betonkonstruktion aus Scheiben, die durch Treppen und Podeste verbunden sind, und von einem kleinen, aus dem Erdwall sich erhebenden Lagerraum, ebenfalls aus glattem Sichtbeton. Diesen beiden Markierungen gegenüber liegt das eigentliche Feuerwehrhaus, das als zwei ineinander geschobene Körper entworfen ist. Der eine Kubus ist die Fahrzeughalle, hoch im vorderen Teil, in dem die Fahrzeuge stehen, mit niedrigerer Raumhöhe im hinteren, der Umkleide, Sanitär-, Lager- und Technikräume aufnimmt. Über etwa zwei Drittel der Länge dieses Teils schiebt sich, ihn hinten überragend, ein L-förmiger Bügel aus glatten Sichtbetonteilen. Dort, wo er seitlich der vor Halle auf den Boden reicht, befinden sich der Eingang und das Foyer. Der Bügel nimmt Verwaltungszimmer, Jugend- und Versammlungsräume auf; die beiden Baukörper definieren soweit auch Unterschiede in der Nutzung. Die Wandhöhe der Halle setzt sich auch im hinteren Teil fort und fasst dort, wo der Bügel endet, eine Terrasse ein. Auf der Rückseite des Hauses wird die Grenze des Geländes nicht mehr von einem Wall, sondern von einer Mauer gesetzt, die Anlage wird damit nicht nur räumlich, sondern auch in der Ansicht zusammenfasst.
Die beiden Körper sind streng im Material unterschieden: die Halle aus anthrazitfarbenen, rauen Ziegeln im breit und flächig verfugten Läuferverband, mit eingeschnittenen Öffnungen in Stahlprofilen und mit Glas aus grünlichem Ton, der Bügel aus glattem Sichtbeton mit bündig in die Außenfassade eingesetzten Eichenrahmen, das Glas hier im neutralen Ton.
Äquivalenzen Die Fenster, Einschnitte in das Volumen im einen Fall, das nach außen sich durch Stärke der Wand schiebende Innenraumvolumen im anderen, korrespondieren mit der Materialoberfläche: glatt mit bündig einerseits, rau mit tief auf der anderen Seite.
Auch im Innern ist am Material die Komposition aus zwei Formen im Material reflektiert: Der Bügel erhielt eine Betonoberfläche aus rauer Holzschalung, einen Boden aus Stäbchenparkett, die Halle glatten Sichtbeton und Linolium beziehungsweise die Betonbodenplatte als Fußbodenbelag. Diese Charakteristik ergab sich mit aus der Entscheidung, aus Kostengründen so weit als möglich auf Ausbaumaterial zu verzichten.
Die Holzrahmen sind mit Ausnahme der Öffnungen zur Terrasse als umlaufende Holzrahmen gefertigt, sie begrenzen aber nicht nur Blicke nach außen. Im Foyer kehren die Rahmen als positives Volumen wieder, als Vitrinen, die vor der Wand angebracht sind, bestückt mit alten Feuerwehrgebrauchsstücken: Fenster in die Vergangenheit. Ein Rahmen dient als Garderobe, und auch die raumhohen Türen werden von Eichenholz gerahmt.
In der Länge ist das Gebäude linear mit einem Mittelflur gegliedert, der sich auf beiden Seiten des Gebäudes als Fensterschlitz wiederfindet. Damit sind die Fenster nicht nur Teil des Charakters der Körpervolumen, sondern sie sind auch äußere Zeichen der inneren Organisation, die sich so dechiffrieren lässt. Zuletzt muss noch der markante, über Eck aus der Fassade der Halle tretende Glaskörper genannt werden, der den Raum der Kommandozentrale aufnimmt. Innen wie außen als eigener Körper lesbar, verleiht er als dritter Körper der Komposition die notwendige und ergänzende Pointierung: im eigenen Verhältnis zur Fassade, als Körper, in dem die Wand keine Öffnung mehr braucht, weil sie selbst transparent ist, als weitere Art, das Verhältnis von Volumen zueinander zu definieren. ch
Bauherr: Stadt Lauffen am Neckar, vertreten durch das Stadtbauamt Architekten: Bernd Zimmermann, Heilbronn und Ludwigsburg Mitarbeiter: Ulrich Drössler, Heiko Söhner, Regina Bestle-Zimmermann Tragwerksplanung: Büro für Baustatik Erwin Flechsenhar, Lauffen am Neckar Gebäudetechnik: Ingenieurbüro für Gebäudetechnik Zelano + Dohn, Waiblingen Nettogrundrissfläche: 1828, 37 m2 Umbauter Raum: 7715,35 m3 Wettbewerb: 2000 Fertigstellung: August 2003 Gesamtkosten: etwa 3,3 Mio Euro