Bücher zum Thema Energieeffizienz

Lektüre zum Warmwerden

Aktivhaus. Das Grundlagenwerk. Vom Passivhaus zum Energieplushaus. Manfred Hegger, Caroline Fafflok, Johannes Hegger, Isabell Passig. 288 S., gebunden, 120 Euro. Georg D. W. Callwey, München 2013

(1) Die EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden aus dem Jahr 2010 sieht vor, dass ab 2020 alle Neubauten »Niedrigstenergiegebäude« sein müssen. Auch wenn hinsichtlich der konkreten Anforderungen noch nicht alles ausreichend definiert ist, wird deutlich, dass die EU alle Architekten, Ingenieure und auch Stadtplaner vor neue Herausforderungen stellt. Damit der Schritt vom Passivhaus zum Niedrigstenergiegebäude oder gar zum Energieplushaus gelingt, bedarf es u. a. auch der geeigneten Fachliteratur. Dazu zählt zweifelsohne das kürzlich erschienene Buch »Aktivhaus«, mit dem die vier Autoren allen Lesern fundierte und hilfreiche Informationen darüber liefern, was ein Aktivhaus ist und was von der Planung bis zur Realisierung beachtet werden muss. Sie spannen den Bogen von den Grundlagen des Wohnens und verschiedener Energiestandards über Planungsstrategien für Aktivhäuser bis hin zu diversen Instrumentarien hinsichtlich der Gebäudehülle und der -technik.

Die klare Sprache der Texte, gut lesbare, informative und der Grafik des Buchs angepasste Zeichnungen und Schaubilder sowie gestochen scharf gedruckte Bilder rechtfertigen den relativ hohen Preis dieser Publikation. Eine Übersicht dessen, was heute bereits möglich ist, liefern die am Ende des Buchs angeordneten Projekte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Sinnvollerweise reicht die Bandbreite auch hier von Einfamilien- über Mehrfamilienhäusern bis hin zu Nichtwohngebäuden. Die Investition in dieses Buch lohnt sich also, denn dieses Thema wird alle Planer noch lange begleiten. ~Simone Hübener
(2) Während man im Buch »Aktivhaus« eine klare Definition dieser Bezeichnung sucht, wird im Buch »EnergiePLUS« bereits eingangs schneller und konkreter genannt, auf welche Werte (Qp und Qe jeweils kleiner 0 kWh/m2a etc.) sich z. B. das BMVBS beim Begriff »Effizienzhaus-Plus« bezieht und wie die Autoren die Weiterentwicklung zum Energieplushaus definieren.
»EnergiePLUS« informiert über gesetzliche Verordnungen und zeigt u. a. an Projektbeispielen die Entwicklung von Solar-Passiv- und Solar-Aktiv-Häusern über den Passivhaus-Standard zu Energieplus-Gebäuden. Nach einer kurzen Übersicht über Zertifizierungssysteme und einem Einblick in die Schweizer 200-Watt-Gesellschaft wird es technischer: Die Kapitel zu Gas- und Wärme-, Nah- und Fernwärme- sowie Stromnetze und Stromspeicherung, Smart Grid und Elektromobilität erläutern, mit welchen Themen sich ein Planer zukünftig auch auskennen sollte. Gefolgt von der konkreten Planung eines Energieplushauses und dessen Möglichkeiten der Energieerzeugung (PV, Wärmepumpe, BHKW, Biomasse …) und -speicherung schließen sich wenige, dafür ausführlich dokumentierte Energieplus-Projektbeispiele – u. a. im städtischen Kontext – an. Auch wenn deren exemplarischer Charakter, rein architektonisch betrachtet oder hinsichtlich Suffizienzkriterien, z. T. Optimierungsbedarf aufzeigt: Die Lektüre dieses Buchs sei allen Planern empfohlen, die hinsichtlich ihres Wissens über Gebäude als Energielieferanten und zukünftige Themen der Energieversorgung noch Nachholbedarf haben und dabei eine gelungene Mischung zwischen Text, anschaulichen Grafiken und Bildmaterial schätzen. ~cf
(3) Vom Aktiv- und Energieplushaus zurück zum Passivhaus: In »Passivhäuser entwerfen« erläutern Roberto Gonzalo und Rainer Vallentin alles Wissenswerte zu diesem Standard. Von der Passivhausprojektierung über Entwurfs- und (auch städtebaulichen) Planungsprinzipien sowie Gestaltungsspielräumen bis hin zu Projektbeispielen sowohl aus dem Bereich Wohn- und Nichtwohngebäude als auch Sanierung kann sich der Leser ausführlich zum Thema informieren. Den Detail-Verlagshaus-üblichen, recht kleinen Bildern steht eine größere Menge Text sowie die üblichen Konstruktionszeichnungen bei den Projektbeispielen gegenüber. ~cf
(4) Wer sich in »energieeffiziente Systemtechnologien der Kraft- und Wärmetechnik« vertiefen möchte, wird im Buch »Rationelle Energieanwendungen in der Gebäudetechnik« fündig: Unter den Stichworten Anlagenkonzepte, Anwendungen und Praxistipps beschreibt der Autor neue Nutzungsmöglichkeiten der rationellen Energieanwendung und nennt für jede Technologie, ob PV, Solarthermie, Wind- und Wasserkraft oder Wärmepumpen, die entsprechenden Regelwerke und Richtlinien. Wenige Bilder, einige Grafiken und viel Text werden eher den gebäudetechnikaffinen Planer ansprechen, das Buch dient Architekten so eher als übersichtliches Nachschlagewerk (wenngleich ein Stichwortverzeichnis am Ende hilfreich gewesen wäre). Wie lange das gutgemeinte Kapitel zu Förderprogrammen noch aktuell sein wird, sei dahingestellt. ~cf
(5) Um den Kleinen in unserer Gesellschaft das komplexe Thema der Energie nahezubringen und sie für unsere gebaute Umwelt und ökologische Fragen zu sensibilisieren, erschien in der neuen Sparte Detail kids »Anna, Felix, das Haus und die Energie«. Das Buch ist übersichtlich gegliedert in »Die Energie«, »das Co2«, »Was können wir tun« und »Das Haus«. In den ersten drei Kapiteln werden einfach und anschaulich Grundlagen vermittelt (dabei besonders gut dargestellt: die Ursachen des Klimawandels und der Aspekt der Nachhaltigkeit). Das letzte Kapitel hingegen, das sich vorrangig mit dem Planen und Bauen eines energieeffizienten Hauses befasst, behandelt en passant sogar die Themen Graue Energie, flexible Wohngrundrisse und Recycling.
Auf allen Buchseiten erklären jeweils wenige Textzeilen plausibel die Thematik, ergänzt mit größeren Schwarz-Weiß-Strichzeichnungen im Comicformat. Diese werden sicher manchen jungen Leser – gedacht ist es für Kinder im Grundschulalter – zum Ausmalen einladen. Ein empfehlenswertes, gut aufgemachtes Geschenk. ~cf
(6) Interessant und schön, dass es sogar Reiseführer zum Thema Energie gibt: Wer im Urlaub oder auf Reisen Projekte mit erneuerbaren Energien besichtigen möchte, sollte den Baedecker Reiseführer »Deutschland – Erneuerbare Energien entdecken« im Gepäck haben. Nach Bundesländern gegliedert, reicht die Spannbreite (die vielfältige Projektauswahl scheint allerdings eher nach dem Prinzip »Masse statt Klasse« zustande gekommen zu sein) vom Solarcafé über ein Bioenergiedorf bis hin zum Solarkatamaran. Auf diese Weise wird jedoch selbstverständlich eine größere Zielgruppe als die der Architekten oder Energieberater angesprochen. Ein kurzer Anhang erläutert verschiedene energieeffiziente Technologien wie PV, Solarthermie, Wind/ und Bioenergie sowie Wasserkraft und Erdwärme, ein »Hintergrund«-Kapitel, sechs Tourenvorschläge und ein Atlasteil ergänzen die Sammlung. Eine Neuauflage erscheint voraussichtlich im Februar oder März nächsten Jahres. ~cf
(7) Ein Blick in die Schweiz lohnt immer: Gerade im Bereich der Energieeffizienz sind uns unsere Nachbarn meist einen Schritt voraus, man denke nur an das Aufgreifen des Themas Suffizienz oder die 2000-Watt-Gesellschaft und erste, nach deren Prinzipien umgesetzte Projektbeispiele. Das » Schweizer Energiefachbuch« dokumentiert die Fülle all jener, architektonisch oft gleichermaßen auf hohem Niveau ausgeführten Projekte, in unterschiedlichen Energiestandards (Minergie-P-eco, Plus-Energie …) und sowohl aus dem Bereich Neubau, Stadtbau als auch Altbau stammend. Die Texte werden von externen Autoren, z. T. freischaffenden Architekturjournalisten, verfasst, ausführliche Legenden am Ende der Projektvorstellungen informieren den Leser zusätzlich über Energiekennwerte, die Energieerzeugung beim jeweiligen Projekt und vieles mehr. Die Kapitel »Betreiben« und »Markt« sind im Vergleich zu den vorherigen recht umfangreich und stehen für Praxisnähe, ebenso wie die Facility-Management-Internetlinks, Studiengang-, Netzwerk- und Fachliteraturverweise oder die Auflistung zu beratenden Haustechnik- und Energie-Ingenieuren am Ende.
Einziger, aber leider sehr offensichtlicher Wermutstropfen sind die Anzeigen, die sich sogar mitten durch die Artikel ziehen und die hohe Qualität des Buchs layoutmäßig und im Sinne der Leserführung mindern. Dass dieses Konzept im neuen Energiefachbuch 2014 (Erscheinungstermin Ende November) geändert wurde, scheint unwahrscheinlich – im der Redaktion vorliegenden »Schweizer Energiefachbuch 2013« (wohlbemerkt seit 1983/84 die 30. Ausgabe!) hat man sich davon noch nicht verabschieden können. ~cf
(8) Dieses Buch macht große Lust und Laune: »future green« zeigt an über 100 Beispielen aus den Bereichen Produktdesign, Architektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung die Vielfalt an Projekten und Ideen für eine »bessere Zukunft«, mit großformatigen, qualitativ hochwertigen Bildern. Die Bandbreite der vorgestellten Produkte reicht vom Recyclingstuhl über das Bambusfahrrad bis hin zu »Lightweight Wine Bottles«, vom batteriebetriebenen, in zwei Stunden an einer herkömmlichen Steckdose aufladbaren Motorrad über die »Solar Handbag« bis zu Straßenlaternen, die auf die Helligkeit des Mondlichts reagieren, vom Bio-Kunststoff-Kugelschreiber über die Tasche aus alten LKW-Planen bis zu »Green Toys«: Spielzeug-Bausteine, die ausschließlich aus lokal verfügbaren, recycelten Kunststoff-Milchflaschen gefertigt werden. Ob jedoch tatsächlich alle Architekturprojekte (darunter z. B. welche mit Fassadenbegrünung, CO2-reduzierte sowie energieeffiziente oder solarenergie-betriebene Gebäude) nachhaltig sind, lässt sich auf den ersten Blick nicht nachprüfen oder bleibt schlichtweg Definitionssache. Klar aber ist: Umweltbewusst zu konsumieren und zugleich stilvoll zu leben oder zu wohnen, muss keinen Widerspruch darstellen; Nachhaltigkeit und Ästhetik schließen sich in keinem Teil der Welt aus. Das beweist das Buch, indem die Fülle aus Produkten und Projekten (die auf unterschiedlichen Techniken oder Materialien – darunter etwa Naturkautschuk und viel Bambus – basieren) aus verschiedenen Ländern aller Kontinente stammt. Dabei demonstriert die Auswahl, dass es den einen Königsweg nicht gibt. Das (lediglich recht gewichtige!) Buch richtet sich nicht nur an ein Fachpublikum von Architekten, Planern und Designern, sondern durch die Vielfalt der Ideen an die breite Masse. Wer hier also keine Anregung findet … ~cf