Respekt und Perspektive

Es gilt, unser bauliches Erbe aus vielerlei Gründen zu bewahren und ihm Respekt zu zollen: baugeschichtliche Bedeutung, emotionale Bindung, landschaftlicher Bezug oder schlichtweg die Weiternutzung der bereits vorhandenen grauen Energie und Infrastruktur. Planer stehen vor der Aufgabe, diese Potenziale mit den veränderten Anforderungen an Energieeinsparung, Brandschutz, Komfort und technische Ausstattung zu vereinbaren. In vielen Fällen ist der gebauten Hülle gar der Zweck ihrer Existenz gänzlich abhandengekommen und es müssen neue Nutzungs- konzepte entwickelt werden, um den Erhalt zu sichern. Dabei sind Eingriffe in die Substanz stets unvermeidlich. Die vorgestellten Projekte veranschaulichen exemplarisch, dass nicht das Ausmaß des Eingriffs über die Authentizität des Ergebnisses entscheidet, sondern ein sehr individuelles Abwägen zwischen dem Respekt vor dem Existierenden und einer tragfähigen Perspektive. So wurde z. B. beim Umbau zweier Läden eines gründerzeitlichen Hauses in Wien zur Galerie auch Wert darauf gelegt, vorangegangene Eingriffe am Gebäude lesbar zu belassen: Ein verbliebener Rest Mosaikfliesen aus den 60er Jahren zwischen neuer und historisierender Fassade legt Zeugnis davon ab (s. Abb. links:

BAWAG contemporary in Wien von propeller z). ~mh