Peking

Beijing Deutsche, baut Reis an! Und schickt eure Architekten nach China. So ein neunmalkluger Rat ist zwar nicht teuer, aber riskant zu befolgen: Denn was erwartet Bauwillige wohl im fernen Osten? »China öffnet sich« – über diese mit Vorsicht zu genießende Ankündigung der offiziellen Volksrepublik freuen sich die exportorientierten, westlichen Unternehmen gar sehr. Global Verdienende fallen wie ein Hyänenrudel vor allem in Ostchina ein: In abartiger Geschwindigkeit wird hier »Anschluss« an einen westlichen Lebensstandard gesucht, der in Teilen die kulturelle Identität nicht nur bedroht, sondern schlichtweg vernichtet. Gerade junge chinesische Architekten erkennen dieses Problem auch in seiner städtebaulichen Dimension durchaus; und in kaum einer Stadt prallen Werte wie Tradition und Erneuerung, Identität und Globalisierung, Zerstörung und Aufbau so hart aufeinander wie in Peking. Der Countdown zur Olympiade 2008 läuft, und der Druck, sich weltweit in beeindruckender Form zu präsentieren, ist hoch. In ein paar Wochen, vom 20. September bis zum 6. Oktober, lädt Peking zur ersten internationalen Architekturbiennale ein (www.ABBeijing.com): Architekten aus aller Welt werden in einer Stadt erwartet, die gerade neu erfunden wird. Kahlschlag ohne akuten Grund – Krieg oder Feuersbrunst – kennen wir aus der Städtebaugeschichte nur von Haussmanns Aktionen in Paris – aber ob Peking das Paris des Ostens werden kann? Beim Zustandekommen dieses Heftes wurden wir dankenswerterweise von »beyond architecture – cultural development Peking« maßgeblich unterstützt. ub