London olympisch

Statt auf Superlative und Glamour zu setzen, punktete London bei seiner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 mit den Themen Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung. Profitieren sollen davon die bislang stark vernachlässigten Quartiere rund um den Olympiapark im Osten der Stadt; dort entstehen auf einem ehemaligen Industriegelände in direkter Nachbarschaft zu den imposanten Sportstätten neue Wohnstandorte und ausgedehnte Grünflächen. Die Pläne sind hochambitioniert (s. S. 34) und dienen als gute Beispiele auch für andere europäische Standorte. Allerdings ist der wirtschaftliche Druck auf ganz London so hoch, dass sich Gentrifizierung und gestalterische Abstriche kaum werden abwenden lassen. V. a. in Bezug auf die Sportstätten ist Kritik zu hören: Die hohe Planungs- und Prozess-Effizienz sei zulasten der Gestaltqualität gegangen. Dabei muss man aber bedenken, dass London ganz explizit ohne architektonische Paukenschläge auskommen wollte und viele Elemente der eigens geschaffenen Infrastruktur von Anfang an als temporäre Bauten konzipiert worden sind, um sie nach den Spielen wieder entfernen zu können. Eine der Landmarken des Parks, das Schwimmstadion von Zaha Hadid (S. 18), wird ihren ganzen Charme erst nach dem Teilrückbau entfalten und wie verschiedene andere, durchaus gefällige Bauten erst allmählich in den Stadtorganismus einwachsen. Wenn auch viele der ehrgeizigen Planungsziele noch nicht erreicht wurden und einige gar ganz zur Disposition stehen, dürfen wir uns dennoch über fröhliche Sommerspiele in telegenen Wettkampfstätten freuen. Denn ein Anfang ist gemacht; in Bezug auf Nachhaltigkeit wird nun kein Austragungsort mehr hinter das Niveau von London zurückfallen wollen. ~ge