Konferenztechnik und Medienintegration

Konferenz- systeme

Die Verwendung von Video-, Computer- und Kommunika- tionstechnologien verbindet Personen, die sich an verschiedenen Orten befinden, zu einer virtuellen Konferenz. Gespräche können als Videobild in Echtzeit über das Internet per Streaming übertragen und über PC-Bildschirme oder Fernsehmonitore dargestellt werden. Wir zeigen aktuell verfügbare Technik für Konferenzen, Besprechungen und Vorführungen sowie ihre Einsatzmöglichkeiten.

Text: Rolf Mauer

Viele Architekten und Ingenieure entgehen dem harten Konkurrenzdruck in Deutschland und arbeiten international. Der Planungsprozess ist jedoch mit einem hohen Abstimmungs- und Gesprächsbedarf verbunden, der auch bei großer räumlicher Entfernung zwischen Bauherr, Bauleitung und Architekt aufrechterhalten werden muss. Da viele Gesprächsinhalte durch eine Geste greifbarer als durch viele Worte werden, Überzeugungen oder Unsicherheiten über den Gesichtsausdruck besser ablesbar sind, kann das Telefonat oder die E-Mail den visuellen Kontakt nicht vollständig ersetzen.
Typen von Konferenzsystemen
Bei Desktop-Lösungen sind alle grundlegenden technischen Komponenten bereits in einem einfachen PC enthalten und werden durch eine spezielle Software gesteuert. Neben einer zusätzlichen Kamera wird ein Mikrofon beziehungsweise ein Headset benötigt. Alternativ ist auch der Einsatz vorhandener Telefontechnik möglich. Desktop-Systeme haben den Vorteil, dass, gemessen an einem Standard-Arbeitsplatz, nur sehr geringe zusätzliche Kosten entstehen. Die Konferenz, Schulung oder Vorführung kann mit einfachen organisatorischen Vorbereitungen jederzeit durchgeführt werden.
Settop-Boxen sind Kompaktgeräte, die einfach zu bedienen und für deren Verwendung in der Regel keine Computerkenntnisse notwendig sind. Meist werden diese Geräte aufgrund des geringen Gewichtes und der einfachen Installation im mobilen Einsatz verwendet.
Raumsysteme bestehen aus einer modularen, leistungsstarken Anlage, die auch große Konferenzen und Räumlichkeiten abdecken und zahlreiche zusätzliche Einrichtungen wie zum Beispiel eine Dokumentenkamera aufweisen. Die Anforderungen an Raumsysteme sind sehr viel komplexer als bei den vorgenannten Systemen der Desktop-Anbindung oder den Settop-Boxen. Große Unternehmen setzen meist speziell für Videokonferenzen konzipierte schallarme Räumlichkeiten ein, die entsprechende reflexionsarme Wände und Decken aufweisen und über fest installierte Beschallungsanlagen verfügen. Auch an die Beleuchtungstechnik werden besondere Anforderungen gestellt.
Desktop-System
Für Web-Konferenzen ohne besonderes technisches Equipment eignen sich Desktop-Systeme wie die seit 2007 erhältliche Software Adobe Acrobat Connect. Die Konferenzen finden in virtuellen, sogenannten Meeting-Räumen statt, die vom Anbieter gegen eine Gebühr zur Verfügung gestellt werden. Für den Zugang zu diesen Meeting-Räumen benötigt man lediglich einen Webbrowser und den Adobe Flash Player, der auf mehr als 97 Prozent aller internetfähigen Rechner installiert ist. Diese technisch unkomplizierte Lösung ermöglicht Konferenzen und Online-Präsentationen mit bis zu 15 Personen. Events mit bis zu 2 500 Teilnehmern sind mit der Professional-Ausführung der Software durchführbar.
Settop-Boxen
Mit diesen Geräten ist nicht nur die Durchführung von Besprechungen und Schulungen möglich. Mit einem tragbaren, hoch auflösenden Videosystem, bestehend aus einem kabellosen Handheld-Gerät mit integrierter Kamera und einem leistungsstarken Display kann ein Bauleiter dem Architekten Problemstellen als Videoübertragung von der Baustelle zeigen und beide können im Gespräch eine Lösung entwickeln. Das FieldView System von Tandberg ist mit einer bidirektionalen Audio- (Voice over IP) und einer monodirektionalen Videoschnittstelle ausgestattet. Sowohl Bilder als auch Tonübertragungen können an jeden PC, der an ein WLAN-Netzwerk angeschlossen ist, kabellos übersendet werden. Das System ist auch aus der Ferne zu bedienen, bestimmte Bildausschnitte können fokussiert und vergrößert werden. Ferner sind Standbilder möglich, die anschließend in Echtzeit direkt im System per Touch-Screen oder auf einem PC mit Kommentaren versehen werden können. Alle Bilder werden bei Bedarf auf der internen Festplatte zur späteren Sichtung gespeichert.
Raumsysteme
Bei der Daimler AG in Stuttgart verwendet man im Van Evolution Center (VEC) einen speziell eingerichteten Raum für Konferenzen, der mit seinen 18 Sitzplätzen sowie 40 Tribünenplätzen nicht nur für große Besprechungen vorgehalten wird, sondern der auch der Vorführung computergestützter Modellpräsentationen dient. Diese digitalen Versuchsmodelle (Digital Mock-UP/DMU) ersetzen physische Modelle und simulieren mechanische Zusammenhänge. Neben der 3D-Animation und Videopräsentationen lassen sich neue Fahrzeugmodelle auch mit Hilfe einer in den Raum eingelassenen Drehscheibe live vorstellen. Funktionales Kernstück des Raumes ist ein Konferenzmöbel von Rosenthal Einrichtung, dass für jeden Nutzer Anschlussmöglichkeiten für Strom, Video, Audio und LAN beziehungsweise WLAN vorhält. Über ein zentrales Steuerungsmodul werden die einzelnen Monitorsignale auf eine 12 Meter breite Leinwand projiziert. Um die Flexibilität des Raumes zu erhalten, kann das Möbel mit einer Montagezeit von 45 Minuten auf einen Rollwagen verpackt und entfernt werden.
Eine ganze Serie von konferenztechnischen Neuheiten zeigt der Büromöbelhersteller Wilkhahn über seine Tochterfirma Foresee. Mit den Produkten aus der Roomware-Serie von Foresee sind international vernetzte Konferenzen und Showrooms möglich. Bei einem der Produkte, einem Besprechungstisch mit horizontal eingebautem Bildschirm, übernimmt die Tischfläche die Funktion einer Videowand. Das 50 Zoll große berührungsempfindliche Display liegt wie ein Papierplan flach auf dem Tisch und kann von bis zu acht Personen betrachtet werden. Mit Stift oder Finger können die Teilnehmer direkt in der Darstellung agieren. Die Displayfläche kann zeitgleich von räumlich verteilten Personen ebenfalls betrachtet und verändert werden. Ergänzend dazu ist auch eine bidirektionale, gegenseitige akustische Kommunikation möglich. Für kleinere Besprechungen von zwei bis vier Personen wird ein Arbeitstisch mit ebenfalls in die Tischfläche eingearbeitetem Bildschirm angeboten. Durch Antippen des Touchscreens lässt sich der Bildschirminhalt um 180° drehen. Je nach Umgebungslicht steuern Lichtsensoren Helligkeit und Kontrastumfang. Die Navigation erfolgt wie beim vorgenannten großen Modell per Finger, drucksensitiven Stift oder Funktastatur. •
Quellen: Adobe Systems GmbH, www.adobe.de Tandberg, www.adobe.de Rosenthal Einrichtung, www.adobe.de Wilkhahn Wilkening + Hahne GmbH + Co, www.adobe.de