Denkmal für die Grüne Sosse in Frankfurt a. M.

Jedem Kräutchen sein Häuschen

Konzept: Olga Schulz Text: Christine Fritzenwallner Fotos: Stefan Cop

Borretsch, Kerbel, Kresse, Schnittlauch, Sauerampfer, Pimpinelle und Petersilie – den essenziellen Zutaten des Frankfurter Nationalgerichts »Grie Soß« wurde im vergangenen Jahr ein Denkmal gebaut: In obiger Folge schnurgerade aneinandergereiht, bekam jedes Kraut ein eigenes »Gewächshaus«. Ein Kunstobjekt, das neugierig macht, bizzar in seiner Wirkung vor dem Hintergrund der ständig wachsenden Hochhaus-Landschaft der Frankfurter Skyline und dabei gleichzeitig umgeben von Grünflächen und Gewächshäusern. Hier, im südöstlichem Stadtteil Oberrad im Grüngürtel Frankfurts, züchten Gärtner seit Jahrzehnten unter anderem die Kräuter für das Traditionsgericht. Fahrradfahrer und Spaziergänger bleiben stehen, sobald sie die sieben, merkwürdig kleinen Gewächshäuser erblicken. Darin wachsen allerdings keine Kräuter, wie es manche erwarten (oder gar bemängeln). Abstrakt gehalten, steht in Großbuchstaben lediglich der jeweilige Name des Krauts auf dem Boden, mittels Schablone ausgespart auf der mehrfach lackierten Betonplatte.
Auf positive Weise ungewöhnlich war die Vorgehensweise: Um die Identität des Ortes zu betonen, fragte das Umweltamt Frankfurt an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung nach Künstlern und Ideen. Dort hatte sich die Studentin Olga Schulz bereits mit ähnlichen Absichten und Ideen an ihren Professor gewandt. Sie erarbeitete schließlich den Entwurf der sieben Gewächshäuser. Im Frühsommer 2007 wurde er realisiert. Umgesetzt von einer Modellbaufirma, die sowohl auf Profile eines Muster-Gewächshauses zurückgreifen als auch dessen vorhandene Statik verwenden konnte und so zu einer günstigeren Lösung kam. Die Hülle bilden 10 mm dicke Polycarbonatplatten, beidseitig grün lackiert. Drei kleine Lüftungslöcher an der Giebelseite gewährleisten einen geringen Luftaustausch. Auch nach Einbruch der Dunkelheit machen die Häuschen noch auf sich aufmerksam, für eine Stunde glimmen sie nach. Dazu befinden sich unter ihren Satteldächern Leuchstoffröhren in Außenleuchtenprofilen, die das Licht wie gewünscht streuen – zwar nicht die filigranste, aber die sicherere Lösung, sollte sich doch einmal Kondenswasser bilden oder Feuchtigkeit eindringen.
Zum Verweilen laden nur zwei kleine Steinquader direkt an dem Denkmal oder zwei benachbarte, bereits bestehende Bänke ein – dann allerdings mit dem Kunstwerk im Rücken. Aber ein kurzer Zwischenstopp lohnt sich: Die Gewächshäuser strahlen eine faszinierend »stoische Ruhe« und Gelassenheit aus. Auf einem »Stück Land«, das, so Olga Schulz, »unbekümmert der wachsenden Skyline, der Autobahn und der vielen Flugzeuge, die seinen Himmel durchkreuzen, wie seit Jahrhunderten nur dem Rhythmus der Pflanzen folgt«. Hier entstand eine verortende Kunst, die die Besonderheit der Umgebung verdeutlicht. Subtil, poetisch, und für manchen gar verzaubernd. •
  • Bauherr: Regionalpark Rhein-Main SÜDWEST GmbH mit Mitteln aus dem FRAPORT-Umweltfonds Entwurf: Olga Schulz, Offenbach Planung und Ausführung: Magistrat der Stadt Frankfurt a. M., Projektgruppe Grüngürtel (Umwelt-, Grünflächen- und Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt a. M.), www.gruenguertel.de Baukosten: ca. 140 000 Euro Bauzeit: Februar bis Mai 2007
  • Beteiligte Firmen: Umsetzung (in Kooperation mit Olga Schulz): Preisendörfer GmbH, Mörfelden-Walldorf, www.preisendoerfer-modellbau.de Innenbeleuchtung: Nordlicht Lichtwerbung, www.preisendoerfer-modellbau.de
Rezept »Frankfurter Grüne Sosse«
Zutaten (für vier Personen):
  • 1 Päckchen Kräutermischung »Grüne Soße« (bereits in jeweiligen Anteilen abgepackt auf Märkten)
  • 4 Eier, hart gekocht
  • 1 EL Essig
  • 2 EL Öl
¼ l Schmand oder Saure Sahne
150 g Joghurt
Salz, Pfeffer
Zubereitung:
Kräuter (ca. 300 g) verlesen, waschen und abtropfen lassen. Anschließend sehr fein wiegen oder hacken. Mit Essig, Öl, Schmand und Joghurt verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen. Die hart gekochten Eier klein hacken und unterheben. Mindestens eine Stunde kalt stellen, vor dem Servieren nochmals umrühren.
Das Rezept stammt aus dem Faltblatt: Sieben Kräuter müssen’s sein. Die Frankfurter Grüne Soße.
Wird meist mit Kartoffeln und hartgekochten Eiern gegessen, aber auch zu gekochter Ochsenbrust, Tafelspitz oder Fisch.