Hochwasserpumpwerk Köln-Rodenkirchen

Gebaute Landschaft

Kritik: Uta Winterhager, Fotos: Stefan Schilling

Das südlichste der Kölner Hochwasserpumpwerke liegt an der sensiblen Schnittstelle zwischen Stadt und Land. Zusätzlich zur Einrichtung mobiler Schutzwände am Ufer und zur bestehenden Schmutzwasserpumpe musste noch eine weitere Pumpstation gebaut werden, welche umstrittene Eingriffe in die geschützte Uferlandschaft forderte. Allen Bürgerprotesten zum Trotz mussten dem Tiefbauteil rund 2 000 m² Auenwald weichen. Als Reaktion darauf richtete sich die Mehrfachbeauftragung in diesem Fall an sechs Landschaftsarchitekturbüros mit der Maßgabe, die oberirdischen Teile des Pumpwerks nicht als Gebäude, sondern als »gebaute Landschaft« erscheinen zu lassen.
Die Planungen des Ingenieurbauwerks waren zum Zeitpunkt der Auslobung bereits so weit fortgeschritten, dass die Teilnehmer mit ihren Entwürfen keinen Einfluss mehr auf die Lage, die Abmessungen und die funktionalen Vorgaben nehmen konnten. Zudem musste das bestehende, zweigeschossige Schmutzwasserpumpwerk gestalterisch eingebunden werden.
Der Kölner Landschaftsarchitekt Dirk Melzer entwickelte in Zusammenarbeit mit v-architekten ein Konzept, das den Standort mit baukünstlerischen Mitteln aufwertet und die verlorene Natur mit adäquaten landschaftsarchitektonischen Maßnahmen ersetzt.
Dem Ort geschuldet setzt der Entwurf das Thema »Umfließen« gleich auf mehreren Ebenen um. Die in der Auslobung geforderte befahrbare Rampe auf das Dach des Pumpwerks steigt von der Rheinseite aus flach an und mündet in einer vollständig begrünten und gestalteten Dachfläche, die jedoch nicht zum Aufenthalt gedacht, sondern den Forderungen der Bewohner des benachbarten Hochhauses geschuldet ist. Zum Auenwald hin fällt das Podest in einer sanften Böschung ab, rheinseitig steil mit einer für den Kölner Uferbau typischen Basaltmauer. Untypisch ist aber nicht nur der dynamische Rückschwung der Mauer, der erst zum gestalterischen Element wurde, als eine Aufstellfläche für den bei Revisionsarbeiten benötigten Kran geschaffen werden musste. Auch die Qualität der handwerklichen Ausführung der massiven Mauer ist augenfällig, denn die gesamten Ansichtsflächen aus handverlesenen, brotlaibförmigen Basaltlavabruchsteinen tragen die regelmäßige Handschrift eines einzigen Maurers. Ähnlich aufwendig wurden auch das bestehende Schmutzwasserpumpwerk und die Ansaug- und Abluftöffnungen des Generators auf dem Dach des Pumpwerks mit einer messingfarbenen, durchbrochenen Metallfassade ummantelt, deren Rapport an das Bild von angeschwemmtem Treibholz erinnert. Alle notwendigen Öffnungen verschwinden nahtlos in der Endlosschleife des Musters.
Natürlich geht der Bauherr hier weit über das notwendige Maß an Gestaltung hinaus, gewinnt dadurch aber neben dem funktionierenden Hochwasserschutz ein Stück gebauter Landschaft, das sich nicht für seine Präsenz am Rheinufer entschuldigen muss, sondern die Attraktivität des Ortes noch steigert. Deshalb wurde das Kombipumpwerk Rodenkirchen bei der Auszeichnung Vorbildlicher Bauten in NRW 2010 prämiert. •
  • Standort: Ufer-/Grüngürtelstraße, 50996 Köln-Rodenkirchen Bauherr: Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR Architektur und Projektleitung sichtbare Anlagenteile: Dirk Melzer, Landschaftsarchitekt & Umweltingenieur, Kaub, in Zusammenarbeit mit v-architekten, Köln, Jan Hertel, Markus Kilian, Diana Reichle Mitarbeiter: Claudia Simon, Imelda Braun Fläche: 3 500 m² BRI: Tiefbau: 6 900 m³, Hochbau: 1 200 m³ Baukosten der sichtbaren Anlagenteile: rund 1 Mio. Euro Bauzeit: Oktober 2005 bis April 2010 Auszeichnungen: Vorbildliche Bauten NRW 2010; Lobende Erwähnung Architekturpreis Farbe – Struktur – Oberfläche 2010; Nominierung Mies van der Rohe Award 2011
  • Beteiligte Firmen: Rohbau: Hochtief Construction, Köln, www.hochtief.de Maschinentechnik: Strabag, Osterwald, www.hochtief.de Elektrotechnik: GESA Elektrotechnik, Hilter, www.hochtief.de Freianlagen: Jakob Leonhards Söhne, Wuppertal, www.hochtief.de Metallbauarbeiten: Fröbel Metallbau, Brühl, www.hochtief.de Natursteinmauer: Karl Ditandy, Oberfell, www.hochtief.de Naturstein: MAYKO Natursteinwerke, Mayen, www.hochtief.de