Logistikzentrum mit gestalterischem Anspruch: Die flaschengrüne, LED-hinterleuchtete Fassade entfaltet vor allem abends ihre Wirkung und gibt einen eindeutigen Hinweis auf das gelagerte Gut
»Just in time«: Die Glasbausteinfassade besteht aus Elementen von je drei Feldern à 8 x 8 Glassteinen; sie wurden direkt nach Anlieferung eingebaut
Der Straßenraum wird durch den schlichten Fassaden-Raster aus Glas und Beton klar gefasst
Eher unspektakulär: Das Halleninnere ist kaum strukturiert, die Lagerung erfolgt als Blocklagerung mit Gabelstaplern
Neue Veränderungen denkbar: Die eingeschossige Halle mit ihrer geschwungenen Fassade ließe sich problemlos um ein Geschoss aufstocken
Lageplan, M 1:5000
Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

Flaschengrün

Die berühmte Bremer Brauerei eröffnete vor Kurzem in der Neustadt ein Logistikzentrum. Markanter Blickfang des intelligent in den städtebaulichen Kontext zwischen Innenstadt und Gewerbeareal an der Weser eingefügten Neubaus ist seine Außenfassade aus flaschengrünen, hinterleuchteten Glasbausteinen.

  • Architekten: Harald Schröder; Schulze Pampus Architekten Tragwerksplanung: STB Döhren-Sabotke-Triebold & Partner
  • Kritik: Robert Uhde Fotos: studio b; Schulze Pampus Architekten
Die 1873 in Bremen gegründete Brauerei gehört national wie international zu den bekanntesten Deutschlands. 2002 wurde das Unternehmen vom weltweit größten Bierkonzern InBev (damals Interbrew) mit Hauptsitz im belgischen Leuven aufgekauft. Seitdem beherbergt der Standort Bremen auch die Zentrale von InBev Deutschland. Die Jahresproduktion der Brauerei beläuft sich gegenwärtig auf etwa sieben Millionen Hektoliter, mit stark wachsender Tendenz. 2005 hatte das Unternehmen daher beschlossen, den Standort durch den Bau eines neuen Logistikzentrums zu erweitern. Mit der Umsetzung des Projekts wurde, aufbauend auf den vorangegangenen Vorplanungen zum Bau einer neuen Abfüllanlage am Standort, der Bremer Architekt Harald Schröder beauftragt.
Das zur Bebauung vorgesehene Grundstück war seit dem Mittelalter unbebaut und wurde bis zum Kauf durch die Brauerei vor zehn Jahren für öffentliche Veranstaltungen genutzt.
Für die Planung der städtebaulich bedeutsamen Außenfassade in Richtung Südwesten und Südosten führte das Unternehmen 2005 entsprechend der damaligen Kaufvereinbarungen mit der Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb durch, den schließlich das Bremer Büro Schulze Pampus Architekten gewann. Seitdem arbeiteten beide Architekturbüros gemeinsam an dem Projekt.
Optimierte Logistik
Mit dem am südöstlichen Rand des Firmenareals fertiggestellten Neubau zentralisierte, modernisierte und erweiterte die Brauerei ihre vorhandenen Logistik-Kapazitäten und erhielt zusätzliche Lager- und Verkehrsflächen von rund 13 000 Quadratmetern. »Insgesamt können hier 25 000 Vollgutpaletten entsprechend einem Volumen von über zwölf Millionen Litern Bier gelagert werden«, so Architekt Harald Schröder. Die Halle wird dabei ausschließlich als Vollgutlager genutzt, die Leergutlagerung erfolgt nach wie vor im Außenbereich. Regale oder zusätzliche Lagersysteme wurden nicht integriert, die Lagerung der Ware erfolgt als reine ›
› Blocklagerung mit Gabelstaplern. Die durchschnittliche Verweildauer in der Halle beträgt dabei rund eine Woche. Zur Einlagerung der Ware und zur Beladung der Lkw dienen zwei Sektionaltore sowie moderne Park- und Ladesysteme im nordwestlichen Hallenbereich neben der angrenzenden Freifläche. Insgesamt können so täglich bis zu 250 Lkw und neunzig Container beladen werden. Bei Bedarf könnte das Gebäude in einem zweiten Bauabschnitt durch ein zusätzliches Produktionsgeschoss auf eine Gesamthöhe von 18 Metern aufgestockt werden. Die zehn Meter hohe Logistikhalle wurde relativ herkömmlich mit einer Tragkonstruktion aus Stahlbetonfertigteilstützen und einer Stahl-Fachwerkbinder-Konstruktion des Daches mit Trapezblech- und Warmdacheindeckung errichtet. Die Hallensohle wurde als ein für Schwerlast-Gabelstaplerverkehr geeigneter Asphaltaufbau mit entsprechendem Unterbau realisiert. Sowohl die Hallenstützen als auch die Pfahlgründung des Gebäudes sind bereits für eine zukünftige Aufstockung ausgelegt. Für eine energie- sparende Klimatisierung der Halle wurde eine Wärmerückgewinnungsanlage installiert.
Differenzierte Fassadengestaltung
Die Fassadengestaltung der neuen Logistikhalle orientiert sich in erster Linie an der umliegenden Bebauung. Für die abseitig gelegenen Fassaden nach Nordosten sowie im Bereich des Gebäuderücksprungs nach Südwesten wurden einfache, nicht brennbare Stahl-Sandwich-Elemente mit Mineralfaserdämmung oberhalb eines umlaufenden Betonsockels eingesetzt. Im Bereich des Gebäuderücksprungs nach Südwesten wurde für einen zusätzlich verbesserten Lärmschutz eine gedämmte Blech-Kassettenwand mit einer durch Lisenen zusätzlich gegliederten Aluwelle ausgebildet.
Eine deutlich abweichende Gestaltung zeigen die beiden zum öffentlichen Straßenraum hin orientierten Ansichten zur Langemarkstraße und zur Westerstraße. Um hier die Scharnierfunktion des Gebäudes am Übergang zwischen der jenseits der Weser gelegenen Innenstadt und der südlich angrenzenden Neustadt zu betonen, entwickelte das Büro Schulze Pampus eine zweischalige Fassadengestaltung mit einer Außenhülle aus insgesamt 16 000 flaschengrünen Glasbausteinen. Die Konstruktion ist technisch wie ästhetisch ideal dazu geeignet, die Fassade wie gefordert später in einem zweiten Bauabschnitt nach oben erweitern zu können. Gleichzeitig bietet sie einen sinnfälligen Bezug zur Brauerei und dem industriellen Charakter des Neubaus. Die symmetrische, bewusst aus den Qualitäten des verwendeten Materials entwickelte Untergliederung der Fassade in gleich große quadratische Felder erweist sich dabei als kraftvoll genug, um sich gegen die angrenzenden Gewerbe- und Wohnbauten zu behaupten und eine angenehme ›
› Beruhigung der ansonsten eher unüberschaubaren Kreuzungssituation zu schaffen. Zusätzlich betont wird die exponierte innerstädtische Lage des Gebäudes an der viel befahrenen Kreuzung durch die Gebäudeecke nach Südosten, die in direktem Reflex auf die städtebauliche Situation und zur Vergrößerung des vor dem Gebäude verlaufenden Gehweges abgerundet ausgebildet wurde.
Für einen optimierten Schallschutz und sommerlichen Wärmeschutz wurde die Glasbausteinfassade durchgehend als zweischalige Konstruktion mit einem achtzig Zentimeter tiefen belüfteten Zwischenraum realisiert. Die innere Fassadenebene wurde dabei als einfache Kassettenwand mit Trapezblechbekleidung ausgeführt, die in regelmäßigen Abständen durch eine bauseitige Profilit-Verglasung unterbrochen wird, um so eine schemenhafte Durchsicht in Teilen der Fassade zu erhalten. Im Außenbereich wurde ein leicht zurückversetzter Sockel aus Betonfertigteilen bis zur Höhe von 1,20 Metern eingesetzt, der dem Gebäude optisch einen sicheren Halt und gleichzeitig eine schwebende Wirkung gibt. Oberhalb der Traufhöhe von 7,20 Metern wurden ebenfalls leicht zurückversetzt 1,2 x 2 Meter große Aluminium-Glattblechkassetten montiert. Für eine optimale Logistik konnten die Glasbausteine auf der Baustelle als vorgefertigte Tafeln mit einer Breite von sechs Metern und einer Höhe von zwei Metern angeliefert und eingesetzt werden. »Durch die Just in time-Anlieferung konnte nicht nur die Bau- und Montagezeit für die Konstruktion der Fassade deutlich verkürzt, sondern auch auf eine sonst notwendige Lagerhaltung auf der Baustelle verzichtet werden«, so Martin Pampus. Jede der vorgefertigten Tafeln besteht aus drei horizontal nebeneinander liegenden Feldern mit jeweils acht mal acht Glasbausteinen, die nach außen von einem 15 Zentimeter breiten Stahlbetonrahmen eingefasst werden. Im Bereich der Kreuzung kamen abweichend abgerundete Glasbausteine und Glattpaneele über einer gerun- deten Unterkonstruktion zum Einsatz.
CI-gerechte Ästhetik
Bei der Wahl der Farbe und Form der Glasbausteine wurde eine grüne Farbgebung mit rückseitiger Satinierung für eine diffuse Durchsicht gewählt. »Die kreisförmige Prägung im Glasstein und die Grünfärbung des Glases lassen an den Flaschenboden einer Bierflasche denken und stellen so sehr subtil die Verbindung zu den hinter der Fassade gelagerten Bierflaschen her«, meint Martin Pampus. Für eine gleichmäßige nächtliche Illumination der Fassade integrierten die Planer zusätzlich eine stufenlos dimmbare, grünliche LED-Beleuchtung im Fassadenzwischenraum. Bei Dunkelheit wird das Gebäude so zum eindrucksvollen Lichtkörper, der schemenhaft die »Arbeit« im Innern der Halle erahnen lässt. •
  • Bauherr: Brauerei Beck & Co, InBev Deutschland Planung und Bauleitung, Halle: Harald Schröder, Bremen Entwurf und Planung, Fassade: Schulze Pampus Architekten, Bremen Tragwerksplanung: STB Döhren-Sabotke-Triebold & Partner, Bremen Haustechnik: John Becker Ingenieure, Worpswede Bruttogrundfläche 1. BA: 13 051 m² Lagerfläche: 12 388 m² (Büro und Technik: 268 m²) BRI: 134 556 m³ Fassadenflächen: Glasstein: 1022 m²; Metall: 3084 m² Lagerkapazität: rund 25 000 Palettenplätze (entspricht etwa zwölf Mio. Liter) Warenausgang: bis zu 250 Lkw und 90 Container Wettbewerb: November 2005 Bauzeit: Juni bis Dezember 2006
  • Beteiligte Firmen: Roh- und Ausbauarbeiten: Kamü Bau GmbH, Bremen, www.kamue.de Glassteinfertigteile: D. Ammann – Glas- und Metallbau, Krailing b. München, www.kamue.de Metallbauarbeiten: Hammersen Elementbau GmbH, Osnabrück Fassadenbeleuchtung: philips lighting, Büro Hamburg, www.kamue.de