Erlebnis Kaufraum

Die Architektur des Einzelhandels ist eines der flüchtigsten Phänomene der gebauten Umwelt. Nutzungen und Namen wechseln häufig. Trends und ganze Philosophien darüber, wie Verkaufsflächen zu gestalten seien, folgen einander in immer kürzeren Abständen. Produkte werden erfunden und wieder vom Markt genommen. Die Mode wechselt im Halbjahrestakt, wenn nicht öfter. Bezeichnend für diese Schnelllebigkeit ist das Phänomen der Pop-up Stores, die – wie jenes von Dr. Martens in Spitalfields Market (s. Bild links) – nur für kurze Zeit bestehen und auf spezielle Aktionen aufmerksam machen oder ohnehin nur Saisonartikel anbieten. Mit dieser Beschleunigung können Kunden und selbst die Händler kaum mehr Schritt halten. Werte wie Dauerhaftigkeit und Langlebigkeit gewinnen deshalb wieder an Bedeutung. Das heilig gehaltene Schlagwort »Erlebniswelt« erfährt eine Umdefinition weg vom spaßvollen Themenpark hin zum kommunikativen Wohlfühlort, der Begriff »Authentizität« macht die Runde. Um im gebauten Raum ein Gegengewicht zur Reizüberflutung zu schaffen, lassen sich am besten die Qualitäten atmosphärischer Orte im Gebäudebestand herausarbeiten und nutzen. Aber auch beim Neubau hängen Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit nicht von der Art des Dekors ab, sondern vielmehr davon, wie mit Oberflächenqualitäten, den Waren selbst und nicht zuletzt mit räumlichen Erlebnissen umgegangen wird. Eine Reihe von unterschiedlichen Ansätzen stellen wir auf den folgenden Seiten zur Diskussion. ~ge