Schulsporthalle mit Kulturforum in Hamburg

Dunkler Stein auf dem Schulhof

Dunkler, fast schwarzer Klinker ist ein ungewöhnliches Fassadenmaterial für einen Schulbau. Doch für die Dreifachsporthalle mit zusätzlichem Veranstaltungssaal der Stadtteilschule in Hamburg-Bergedorf war er genau die richtige Wahl: Der Neubau drängt sich nicht auf und bildet doch ein kraftvolles Zentrum in einem heterogenen Umfeld.

  • Architekten: BKS Architekten Tragwerksplanung: AHW Ingenieure
  • Kritik: Claas Gefroi Fotos: Ralf Buscher
Wer, wie der Autor, im zentrumsnahen Bereich Hamburgs wohnt, für den ist es gar nicht so leicht, hierher zu finden. Auf der gut ausgebauten Bundesstraße bis ins Herz des südöstlichen Bezirks Bergedorf verpasst man schnell die kleine Seitenstraße, die durch beschauliche Einfamilienhausgebiete zur Stadtteilschule Bergedorf führt. Diese war früher eine Gesamtschule, bevor in Hamburg im Zuge einer Reform Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu Stadtteilschulen umgewandelt wurden. Hamburger Gesamtschulen der 70er Jahre zeigen sich in der Regel als große Bildungsmaschinen im Stile des Brutalismus‘. Nicht so in diesem Fall, denn die 1979 gegründete Gesamtschule nutzte bereits vorhandene Pavillons einer Vorgängereinrichtung. Diese in die Jahre gekommenen Waschbetonbauten der späten 60er und frühen 70er Jahre prägen noch heute das weitläufige Schulgelände und sollen nach und nach saniert werden. Bereits 2009 kam es im Zuge der Modernisierung der alten Sporthalle bei Dacharbeiten zu einem Brand, durch den das gesamte Dach einstürzte. So blieben nur Abriss und Neubau. Die Schule nutzte die Chance und erweiterte zur Stärkung ihres musischen Schwerpunkts die Bauaufgabe Sporthalle um einen Saal für kulturelle Veranstaltungen. ›
Startschuss
Für die mit dem Neubau beauftragten BKS Architekten aus Hamburg war dies keine einfache Aufgabe. Eine städtebauliche oder architektonische Orientierung gab es nur bedingt, da die umgebenen Schulbauten in den nächsten Jahren umgebaut oder ersetzt werden sollen. So steht die Sporthalle, ergänzt um das Kulturforum für einen Neustart der Schule. Die Architekten waren sich ihrer Verantwortung dabei bewusst und wollten den heterogenen und sich weiter wandelnden Ort beruhigen und nicht zu stark vorprägen. Naturgemäß führt eine Dreifeldsporthalle mit Nebenräumen und angegliedertem Kulturbereich zu einem beachtlichen Gebäudevolumen, das die Planer nicht zu dominant erscheinen lassen wollten. So erfuhren die Fassaden eine feine Gliederung: Langgezogene geschlossene Flächen wechseln sich mit bündig eingesetzten Fenstern ab. Zudem verliert der große Quader der Halle durch weitere wohlüberlegte Details seine Mächtigkeit: Das Vordach auf der Eingangsseite weitet sich in einem sachten Winkel, den ein eingeschossiger Anbau für Nebenräume aufnimmt und weiterführt. Auf der Rückseite wurde die notwendige Fluchttreppe nicht einfach als Metallkonstruktion angehängt, sondern ebenfalls als backsteinbekleideter massiver Körper ausgebildet. Zusätzliche Spannung erzeugt die Dachform: Das Satteldach der eigentlichen Halle ergänzt noch ein weiteres Pultdach für den Umkleidetrakt. Das Auf und Ab dieser Dachlandschaft setzt den Bau in Bewegung und veranschaulicht dabei gleichzeitig seine innere Gliederung. Mit dem ansteigenden und dann jäh abbrechenden Pultdach wird gar eine imaginäre Verbindung zur Umgebung hergestellt. ›
Überzeugungsarbeit
Der entscheidende Faktor für ein zurückhaltendes und langlebiges Erscheinungsbild ist jedoch die Materialität und Farbigkeit der Fassadenflächen. Um eine möglichst (farb-)neutrale Außenhaut zu erhalten, planten die Architekten eine Vormauerschale aus schwarzen Ziegeln. Ihnen gefiel die Vorstellung einer geheimnisvollen, artifiziellen Fassade – gerade im Kontrast zur durchgrünten Umgebung. Die als Bauherrenvertreter für alle Schulbauten des Stadtstaats verantwortliche »Schulbau Hamburg GmbH« forderte jedoch roten Backstein für die Hülle. Nach einem längeren Diskussionsprozess konnten sich schließlich die Architekten mit ihrem Wunsch durchsetzen, auch, weil sie, unterstützt von der Schulleitung, dem Bauherrn die Furcht nehmen konnten, hier entstünde ein pechschwarzer, lebloser, düsterer Bau. Der Schlüssel hierfür war die sorgfältige Wahl des richtigen Steins. Die Architekten entschieden sich für schwarz durchgefärbten Klinker, gefertigt in traditioneller Kohle-Salzbrand-Technik. Dazu werden die Klinker bei extrem hohen Temperaturen gebrannt, sodass sie auf dem Ofenwagen leicht deformieren und miteinander verkleben. Nach dem Brand haften so an den Oberflächen noch Reste der Klinker aus den darüber liegenden Lagen. Dies und das durch Kohle und Salz hervorgerufene reiche Farbspiel führen zu einer sehr heterogenen Oberfläche. Im Ergebnis wirken die Fassaden dunkel, aber eben niemals vollkommen schwarz. Je nach Tageslichtsituation erscheinen die Ansichten mal anthrazit, mal rötlich oder auberginefarben. Die in ihren Abmessungen etwas unregelmäßigen Steine erzeugen zudem ein lebhaft plastisches Bild, noch gesteigert durch ihre Anordnung im Wilden Verband und einzelne leichte Schrägstellungen – eine Reminiszenz an die Hamburger Backsteintradition mit ihren handwerklich hergestellten reliefartigen Wandflächen. Die dunklen Klinker in ihrer Struktur und Farbigkeit zusammen mit der Art ihrer Vermauerung unterstützen bestmöglich die skulpturale Kraft des Gebäudes.
Farbiges Leuchten
Die durch das Äußere geweckten hohen Erwartungen werden auch im Innern nicht enttäuscht. Der Eingangsbereich mit seinem offenen Treppenraum bleibt noch dezent schwarz-weiß und setzt so die Reduktion der Fassade fort. Doch nur einmal rechts um die Ecke gebogen ist die Zurückhaltung vorbei: Wände, Boden und Decke, kurz, der gesamte Flur zu den Umkleiden des Sportbereichs erstrahlt in leuchtendem Grün. Die Farbe verleiht dem Raum einen artifiziellen Charakter – abgemildert nur durch das lange Fensterband, das Blicke in die ebenfalls grüne Umgebung erlaubt. Die Umkleiden selbst wiederum überraschen durch ihre himmelblaue Erscheinung, kontrastiert durch die eigens angefertigten, im Grün des Flurs lackierten Sitzbänke. Als dritte Farbe gesellt sich schließlich noch das weitaus dezentere und wärmere Rot des Linoleumbodens der Sporthalle hinzu. Die Hallenwände wurden mit Eiche bekleidet, die – weil in der Halle auch Indoor-Hockey mit sehr harten Bällen gespielt wird – eine Beschichtung mit HPL erhielt. Der an sich eher kühle Farbton der Holzpaneele wird durch die Reflektion des roten Bodens deutlich wärmer, was zur Behaglichkeit im Innern beiträgt. Die Dachhaut aus Trapezblechen wird getragen von Holzleimbindern, die gut zur Eiche an den Wänden passen. Schade nur, dass sie durch die abgehängten Lüftungs- und Beleuchtungskörper kaum in Erscheinung treten. Erfreulich auch, dass der Bauetat noch eine schmale Galerie mit Sitz- und Stehplätzen für Zuschauer zuließ. ›
› Rot, allerdings nur punktuell, findet sich auch im »Zeighaus«, wie die Schule ihren vorgelagerten Veranstaltungssaal nennt. Hier kann Theater gespielt, musiziert und getanzt werden – der Raum lässt vieles zu. Sein Sportboden aus Eiche, die weißen Wände, der schwarze Bühnenbereich und die schalldämpfenden Vorhänge aus rotem Samt klingen zusammen und erzeugen einen harmonischen Gesamteindruck. Durch große Seitenfenster fällt viel Tageslicht in den Saal, ergänzt durch ein herausgeschobenes Erkerfenster in der rückwärtigen Wand, das den Blick in die Baumwipfel lenkt. Eine Garderobe, ein Kiosk, eine sauber in die gefaltete Gipskartondecke integrierte Saalbeleuchtung – man ist gut gerüstet für Veranstaltungen mit viel Publikum. Umso bedauerlicher, dass derzeit noch eine richtige Bühne fehlt – solange die Schule dafür noch spart müssen stattdessen mobile Podeste herhalten. Doch das ist schon das einzige Manko in diesem Sport- und Kulturbau, der – obwohl den Kostenrahmen von 6,1 Mio. Euro einhaltend, durch eine hohe gestalterische Qualität bis ins kleinste Detail besticht. Sie wäre nicht möglich gewesen ohne das Engagement von Schulleitung, Lehrern, Eltern und Schüler, die sich sehr für dieses Gebäude eingesetzt haben.
Wie gut das Haus angenommen wird, zeigt sich auch daran, dass es bislang nicht die kleinsten Zeichen von Vernachlässigung oder Vandalismus gibt – nirgendwo ein Graffito. Und wie man hört, ist angesichts des so gar nicht düsteren Gebäudes auch die Schulbau Hamburg stolz auf die Entscheidung zum schwarzen Klinker und empfiehlt ihn für die weitere Verwendung auch anderswo. Die Backsteinstadt Hamburg – von Rot bis Schwarz – sie bleibt lebendig. •
  • Standort: Ladenbeker Weg 13, 21033 Hamburg Bauherr: Schulbau Hamburg, Hamburg Architekten: BKS Architekten Hamburg, Lübbecke, Krauß Stanczus Schurbohm+Partner mit Henning Scheid Mitarbeiter: Henning Scheid (Projektleitung), Susanne Gorka, Mirko Schröder, Birgit Schuby, Bernd Rickers, Martin Hilker Tragwerksplanung: AHW Ingenieure, Hamburg Haustechnik: IPV GmbH, Reppenstedt Freiraumplanung: Planungsgruppe Hass, Rellingen Vorbeugender Brandschutz: hhp Berlin, Hamburg Raumakustik: Thilo Jensen, Hamburg Lichtplanung: BKS Architekten, Hamburg BGF: ca. 3 010 m² BRI: 22 000 m³ Bauzeit: August 2010 bis September 2012 Gesamtbaukosten: 6,1 Mio. Euro
  • Beteiligte Firmen: Klinkerfassade: Pescara FKSG, GIMA, Marklkofen,www.gima-ziegel.de Betonwerkstein: Agglotech, Marzana, www.gima-ziegel.de PR-Fassade Aluminium: Schüco, Bielefeld, www.gima-ziegel.de Profilbauglas: Pilkington, Gelsenkirchen, www.gima-ziegel.de Schließanlage: SimonsVoss, Unterföhring, www.gima-ziegel.de Dachabdichtung: WOLFIN, Wächtersbach, www.gima-ziegel.de Bodenbeschichtung: Remmers Baustofftechnik, Löningen, www.gima-ziegel.de GK-Lochdecke: Knauf Gips, Iphofen, www.gima-ziegel.de Keramische Fliesen: Villeroy & Boch, Mettlach, www.gima-ziegel.de Türbeschichtung: Westag & Getalit, Rheda-Wiedenbrück, www.gima-ziegel.de Beschläge: fsb, Brakel, www.gima-ziegel.de Linoleumbelag: Armstrong, Bietigheim-Bissingen, www.gima-ziegel.de Vorhangsystem, Verdunklung: Brichta, Dillingen, www.gima-ziegel.de Sportgeräte: ERHARD SPORT, Burgbernheim, www.gima-ziegel.de
  • 1 Haupteingang 2 Kulturforum 3 Sporthalle 4 Zuschauer 5 Technik 6 Galerie
  • 1 Fallrohr in Stahlstütze
  • 2 Stahlstütze mit bündiger Kopfplatte, verzinkt, 100 mm
  • 3 Betonsteinplatten in Splittbett, 50 x 20 mm
  • 4 Vordach:
Abdichtung, anthrazitfarben
Basaltkies, schwarz, 50 mm
Sichtbetonplatte, 140 mm
  • 5 Winkelkonsolanker für Verblendmauerwerk, V4A-Edelstahl
  • 6 Laibungsbleche, Aluminium pulverbeschichtet, befestigt mit Winkelprofilen und Kantblech- zargen, 3 mm
  • 7 Auflagerwinkel für zwei Schichten Verblendmauerwerk, Stahl verzinkt, lackiert RAL 7021
  • 8 Insektenschutzgitter
  • 9 Fensterbank, Aluminium pulverbeschichtet, befestigt mit Winkelprofilen und Kantblech- zarge, 3 mm
  • 10 Wandaufbau:
Verblendmauerwerk Dünnformat, schwarz-anthrazit, mit Verfugung, anthrazit, 115 mm
Luftschicht, 60 mm
Dämmung, 140 mm
Stahlbetonwand, 240 mm
Putz, 15 mm
  • 11 Laibung, Aluminium pulverbeschichtet, verdeckt befestigt, putzbündig, 4 mm
  • 12 Eingangstür, zweiflügelig aus thermisch getrennten Stahlprofilen, ESG Verglasung
  • 13 Fassadenrinne aus verzinktem Stahl
  • 14 Lüftungskanal Zuluft, direkt angeschlossen an Wand, Stahlblech verzinkt, gedämmt
  • 15 Fußbodenaufbau:
Anstrich, staubbindend
Zementestrich, 75 mm
Trennlage
Trittschalldämmung, 25 mm
Dämmung, 40 mm
Stahlbetondecke, 200 mm
  • 16 Deckenanschluss mit tragendem Wärmedämmelement
  • 17 Abdichtung und Perimeterdämmung
  • 18 Bodenaufbau:
Sauberlaufmatte, 35 mm
Zementestrich, 55 mm
Trennlage
EPS-Dämmung, 120 mm
Bitumenabklebung mit Glasvlieseinlage
Stahlbetonbodenplatte, 200 mm
Sauberkeitsschicht, 50 mm

Hamburg, Ladenbeker Weg (S. 40)

BKS Architekten
Andreas Krauß
1955 in Hannover geboren. 1974-78 Architekturstudium an der GH Paderborn. 1978-94 Mitarbeit bei Brinkmeier Architekten, Lübbecke . Ab 1994 Partnerschaft B|K|S Architekten Brinkmeier | Krauss | Stanczus. Seit Juli 2013 B|K|S Architekten Krauss Stanczus Schurbohm + Partner, Lübbecke/Hamburg .
Dirk Stanczus
1961 in Enger geboren. 1984-89 Architekturstudium an der FH Lippe. 1989-92 Mitarbeit bei Brinkmeier Architekten, Lübbecke . 1992-94 Mitarbeit bei Crayen Architekten, Bielefeld . Seit 1994 Partnerschaft BKS Architekten Brinkmeier | Krauss | Stanczus, Lübbecke. Seit Juli 2013 B|K|S Architekten Krauss Stanczus Schurbohm + Partner, Lübbecke/Hamburg .
Mario Schurbohm
1969 in Bünde geboren. 1990-96 Architekturstudium an der Universität Hannover. 1997-2001 Mitarbeit bei Reinders & Partner, 2001-05 bei B|K|S Architekten Brinkmeier | Krauss | Stanczus, Lübbecke, seit 2005 in der Geschäftsleitung. Seit Juli 2013 B|K|S Architekten Krauss Stanczus Schurbohm + Partner.
Henning Scheid
1965 in Bielefeld geboren. 1987-95 Architekturstudium an der FH Hamburg. 1995-2009 Mitarbeit in Hamburger Architekturbüros, u. a. bei Prof. Friedrich Architekten. Seit 2010 Mitarbeit bei BKS Architekten, seit Juli 2013 als Geschäftsbereichsleiter Hamburg.
Claas Gefroi
1968 in Berlin geboren. Architekturstudium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hamburgischen Architektenkammer. Redakteur des Jahrbuchs »Architektur in Hamburg«. Freier Autor und Kritiker, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Büchern, Ausstellungen zu Architektur, Urbanismus und Fotografie.