China

Das Land der Mitte hat in den letzten zehn Jahren eine rasante Qualitätssteigerung im Bausektor erlebt. Diese ist zwar noch nicht in allen Landesteilen angekommen, und selbst so manches Prestigeprojekt kann die angestrebten Standards nicht halten, doch muss man das Klischee schlampig ausgeführter Plagiate revidieren. Viele Architekturbüros können im internationalen Vergleich gestalterisch wie konzeptionell durchaus mithalten. Beharrlich drängen sie die ausführenden Firmen zu besseren Leistungen; notfalls leiten sie die Handwerker vor Ort selbst an (so z. B. das Büro Neri&Hu, s. S. 60, das auf dem Hotel »Waterhouse« in Shanghai eine schicke Dachterrasse mit Blick auf so manche Bausünde anlegte, Bild links). Einige Büros gehen den umgekehrten Weg und bauen ihre Entwurfskonzepte auf den jeweiligen örtlichen, meist stark beschränkten Gegebenheiten auf und finden mit viel Freude am Handwerklichen zu ganz eigenen, der jeweils lokalen Seele gemäßen Lösungsansätzen und Ausdrucksformen. Nach Jahren, in denen Bauprojekte in China v. a. das Bild einer aufstrebenden Wirtschaftsmacht transportieren sollten, drängen nun neue Themen in den Vordergrund, zu denen Architektur einen wesentlichen Beitrag leisten kann: Es geht dabei um die Neudefinition öffentlichen Raums, um eine neue Wertschätzung kulturellen und auch industriellen Erbes – letztlich um die Frage nach der kulturellen Identität und geeigneten Ausdrucksformen dafür. ~ge