Wohnungsumbau in Berlin

Ruppig und roh

Was tun mit einer einseitig belichteten Wohnung, deren Zuschnitt heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht? ATELIER FANELSA hat einer Gründerzeitetage im Stadtteil Neukölln zu mehr Stauraum, mehr Licht im Bad und mehr Platz fürs Wohnen verholfen.

Es war ein schnelles Projekt: Für einen Wohnungsumbau im Berliner Stadtteil Neukölln brauchten die Architekten des ATELIER FANELSA nur 6 Monate – von der Beauftragung über Planung, Ausschreibung und Bauleitung bis zur Fertigstellung. In dieser Zeit bekam die ehemalige Zweizimmer-Einheit einen völlig neuen Grundriss. Die Wand zwischen den beiden Haupträumen wurde abgebrochen, sodass ein großzügiger zentraler Wohnbereich entstand. Um ihn legt sich jetzt eine schmale Raumschicht, die von einem eingestellten Holzelement abgetrennt wird: Nicht ganz bis zur Decke reichend, ist es halb Wand, halb Möbel. Zum Wohnraum zeigt es eine ruhige, geschlossene Ansicht aus Birke-Tischlerplatten, die teils als Schranktüren, teils als feststehende Beplankung dienen. Die Rückseite des Holzelements dagegen blieb offen, nimmt stellenweise Regale auf und bietet dem Bewohner die Möglichkeit, die Struktur schrittweise in Eigenregie weiter auszubauen und anzupassen. In der Raumschicht hinter dieser »Trennwand« verstecken sich ein Arbeitsplatz, jede Menge Abstellflächen und eine erhöhte Schlafkoje, von der sich die Straße beobachten lässt.

Weil das Bad wegen seines kleinen Fensters recht dunkel war, wollten die es Architekten über eine Öffnung zur Küche besser belichten. Als sie die Trockenwand durchbrachen, erwies diese sich jedoch als so marode, dass sie gleich komplett ausgetauscht wurde. Auch hier steht jetzt besagte Holzstruktur, allerdings raumhoch mit transluzenten Doppelstegplatten beplankt. Diese Konstruktion sorgt nicht nur für mehr Helligkeit im Bad, sondern verschafft darüber hinaus der schmalen Küche einen Raumgewinn, da der Platz zwischen den Holzständern für Unterschränke und Regale genutzt werden kann. Und an der Deckenkante lässt eine eingelassene Lichtleiste die Stegplatten bei Dunkelheit erstrahlen.

Außer im Bad, das neu verputzt und gefliest wurde, zeigen die Raumoberflächen der transformierten Gründerzeitwohnung viel Patina. Tapeten und Laminat der Vorbesitzer wurden entfernt und die Wände und Decken dann wie vorgefunden belassen. Der gescheckte, beigegraue Putz mit allen Ausbesserungen der vergangenen Jahrzehnte blieb ebenso sichtbar wie der ochsenblutrote Anstrich der Holzdielen im Erker des Wohnzimmers und die Abbruchkante der entfernten Wand zwischen den beiden früheren Haupträumen. Dieses ruppige rohbauähnliche Erscheinungsbild, das den Wohnungsumbau wesentlich prägt, findet seine Fortsetzung in einer offen geführten Elektroinstallation: In glänzenden Alurohren verlegt, winden sich die Kabel durch die Räume. ~cs


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