Wasseraufbereitungswerk in Villapérez (E)

Oberflächenbehandlung mit Tiefenwirkung

Das mehr als schmale Budget erlaubte den Architekten lediglich minimale Eingriffe in den Bestand. Also beschränkten sie sich auf neue Farben. Die geben den ehemals tristen Bauten ein Gesicht und erleichtern die Orientierung auf dem Werksgelände.

Der Auftrag war von ernüchternder Klarheit: Lediglich eine »Gesichtswäsche« sollten die Architekten dem Wasseraufbereitungswerk in Villapérez bei Oviedo verpassen. Mehr als eine Oberflächenbehandlung gab das enge Budget ohnehin nicht her. Etwas über 530 000 Euro standen den Architekten für das 21 ha große Areal zur Verfügung. Da davon auch die Betonfertigteile für drei neue Gebäude finanziert werden mussten, reduzierte sich das Budget für die Maßnahmen am Bestand auf 9,65 Euro pro Quadratmeter.

Mit einem durchdachten Farbkonzept gelang es dem Madrider Studios Padilla Nicás, die Außenwirkung der Anlage grundlegend zu ändern und so einen »Geburtsfehler« nachträglich zu korrigieren. Denn ästhetische Überlegungen wie Bezüge zur Landschaft hatten bei der Bebauung des Areals Mitte der 90er Jahre keine Rolle gespielt. Die zwölf aus Schalstein errichteten Technikbauten trugen bis zur Umgestaltung alle denselben gelben Putz und das gleiche rote Satteldach.

Padilla und Nicás dagegen entwickelten eine eigene Farbpalette für jedes Gebäude. In ihr dominieren mit Grau-, Schwarz-, Weiß- und Blaugrün-Tönen jene Farben, die der oft wolkenverhangene Himmel in Nordspanien zeigt. Neben der Harmonisierung des Bauwerks mit der Landschaft sollte der neue Farbauftrag aber auch die strengen Fassaden auflockern. So finden sich auf jeder Gebäudeseite mindestens zwei farblich voneinander abgesetzte, bis zum Dach reichende Flächen, die die Baukörper mal optisch verschlanken, mal strecken. Besonders die große Werk- und Lagerhalle profitiert von dieser Gliederung und wirkt nun weniger voluminös. Zugleich setzen die ähnlichen Formen und Farben die einzelnen Bauten zueinander in Bezug.

Während die eigentlichen Fassaden in gedeckten Farben gehalten sind, werden Tür- und Torbereiche durch Streifen oder Bänder in leuchtendem Kadmiumgelb oder intensivem Blaugrün betont. Als einzige Elemente setzen sich diese Flächen über den Sockel hinweg auf dem Boden vor den Gebäuden fort und markieren jeweils wie ein ausgerollter Teppich den Weg zum Eingang.

Orientierungshilfe bieten auch die großen, weithin sichtbaren Piktogramme an den Fassaden, die ergänzend zu den Schriftzügen über oder neben den Haupteingängen über die Nutzung der Gebäude Auskunft geben. Mit knappem Budget ist den Architekten so eine Intervention gelungen, die über eine simple Oberflächenbehandlung hinausgeht.

~Julia Macher