Variable Wohnung in Madrid (ES)

Wenn Wände wandern

Die explodierenden Bodenpreise in vielen Großstädten führen zu neuen, effizienten Wohngrundrissen. In Madrid wurde ein Apartment so umgebaut, dass drei Schlafzimmer tagsüber komplett verschwinden, um die übrigen Räume zu vergrößern.

Enge Wohnungen erfordern Erfindungsreichtum, um den vorhandenen Platz möglichst gut auszunutzen. Wozu beispielsweise ein eigenes Schlafzimmer vorhalten, wenn es doch die meiste Zeit des Tages nicht belegt ist? Gleich drei Schlafräume kann man bei einem Apartment in Madrid mit beweglichen Wänden verschwinden lassen. Arquivir Arquitectos und Alejandro Postigo Faci haben für einen Bestandsbau eine Raumaufteilung mit möglichst wenig fixen Elementen entwickelt. Der schmale, lange, durchgesteckte Grundriss erlaubte nur einen Flur mit daran aufgereihten Zimmern. Komplett festgelegt sind lediglich das Bad und ein Schrankraum in der mittigen Dunkelzone. Daran schließen die beiden Hauptschlafzimmer an, bevor der Flur an einem Ende offen in einen kleinen Wohnraum, am anderen Ende in die ebenfalls offene Küche mündet.

Bilder: Luis Fernando Peña Villoria

Mit wenigen Handgriffen lässt sich diese Aufteilung verändern. Nach dem morgendlichen Aufstehen kann man das Bett hochklappen und anschließend die Trennwand zwischen Wohn- und Schlafraum verschieben, sodass ersterer in dem Maße wächst, wie letzterer schrumpft – bis zum völligen Verschwinden des Schlafgemachs. Nach dem gleichen Prinzip lässt sich die Küche auf Kosten des zweiten Schlafzimmers erweitern und von der kleinen Funktions- zur großzügigeren Wohnküche verwandeln. Die mobile Wand ist jeweils als Schrank ausgebildet, ähnlich wie die beweglichen Regale, die in Archiven verwendet werden. Der raumteilende Schrank der Wohnung gleitet an zwei Deckenschienen und berührt den Boden nicht, sodass beim Verschieben keine Spuren zurückbleiben. Doch was passiert mit den Schlafzimmertüren zum Flur, wenn die Räume verschwinden? Auch sie sind beweglich, als gläserne Schiebetüren mit Teleskopauszug lassen sie sich in den wenigen fixen Wänden verstauen.

Weil die Individualräume nur nachts genutzt werden, konnten sie im fensterlosen Teil des Grundrisses Platz finden. Eine mechanische Lüftungsanlage versorgt sie mit kühler Luft. Morgens fällt Tageslicht aus dem Flur durch die Glasschiebetüren. Ein drittes Schlafzimmer lässt sich behelfsmäßig vom Wohnzimmer abtrennen, ebenfalls mit einem Raumteilermöbel. Dann avanciert das Apartment mit seinen 78 m² zur Vier-Zimmer-Wohnung. ~cs


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