Schaubühne in Berlin

Mendelsohn weitergedacht

Mendelsohn, Sawade, Barkow Leibinger – beim Universum-Kino, das 1981 zum Theater umgenutzt wurde, überlagern sich die Zeitschichten und Handschriften namhafter Architekten. Jüngster Neuzugang ist eine behutsame Umgestaltung des Eingangsbereichs.

Erich Mendelsohn baute 1928 für die Ufa das Universum als Premierenkino, mit einem riesigen Saal für 1800 Zuschauer. Das Besondere: Im Gegensatz zu anderen Kinobauten, die eher wie Theater funktionierten, folgte er ausschließlich den Belangen der Filmvorführung. Von jedem Platz aus hatte man eine gute Sicht auf die zweidimensionale Leinwand. Schnell wurde die Bauform adaptiert, so z.B. von Harry Weedon, der in England ab 1932 einige Kinos für die Odeon-Gruppe realisierte. Seine Inspiration ist unverkennbar.

Nach großen Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde Mendelsohns Gebäude Stück für Stück wiederaufgebaut und als Tanzlokal und Musicaltheater genutzt. Im Laufe der 70er Jahre erfolgte dann die umfassende Transformation zum Theater: Jürgen Sawade schuf die neue Spielstätte für die Schaubühne Berlin. Auch wenn er damals der Formensprache der 30er Jahre folgte, waren die Veränderungen doch radikal. Lediglich die äußere Form und die Fassaden blieben im ursprünglichen Aussehen erhalten. Den großen Kinosaal unterteilte er in zwei kleinere Theatersäle, das riesige, zweigeschossige Entree verwandelte er in einen dritten Saal. Den Eingangsbereich mit all seinen theatertypischen Funktionen – Kasse, Garderobe und Café – verlegte er in ein schmales Band entlang der runden Fassade.

Nun zeichnen Barkow Leibinger für die Umgestaltung und Erweiterung des Empfangsbereichs verantwortlich. Sie gingen mit Sawades Erbe behutsam um. Dennoch hat sich das Erscheinungsbild im Innern erneut gewaltig gewandelt. Riegelte bisher der raumhohe zylindrische Kassenblock das Foyer ab, so ist jetzt wieder ein großzügiger Raumeindruck entstanden. Denn die Verglasung des Kassenblocks wurde entfernt und die geschlossene halbkreisförmige Rückwand abgebaut. Somit blieb ein runder Tresen übrig. Unter seiner Arbeitsfläche findet sich nun Platz für Kühlschrank und Technik. Der markante runde Einbau mit seinen außenliegenden Röhrenheizkörpern wird jetzt als Bar und Verkaufsstelle für Publikationen genutzt. Unter der Decke erhielt er zusätzlich eine »Krone« aus 835 Acrylglas-Röhren, die das Licht lüsterartig brechen und weitläufig streuen. Damit wurde das Foyer vom Durchgangsort zum Aufenthaltsbereich zum Schlendern und Kommunizieren aufgewertet. Die rahmenlosen Glastüren zur Straße wirken besonders transparent und lassen so den belebten Raum innerhalb und außerhalb des Gebäudes verschmelzen. Farbige Akzente setzen Messing-Downlights. Dieses Material findet sich schon an Sawades Säulenbekleidung, es knüpft also Bezüge zur Umbauphase, aber auch zu den 30er Jahren, als dieses Metall besonders en vogue war.

Im Bereich westlich des Haupteingangs entstand das neue Kassenfoyer mit kleinem Büro. Ein langgestrecktes Möbel mit Tresen und Sitzbank folgt der Geometrie der geschwungenen Fassade. Ein ebenso geschwungener Leuchtkasten über der Sitzbank und verschiedene in Rückwand und Tresen eingelassene Monitore vermitteln aktuelle Programminhalte und Informationen zum Kartenverkauf. In den Fensternischen zum Kurfürstendamm bieten Bänke, bestückt mit braunen Lederkissen, Sitzgelegenheit und laden zum Verweilen ein. Homogene weiße Flächen wirken ruhig und hell, schön ist der Kontrast zu den erhalten gebliebenen Solnhofener Platten.

~Petra Ralle

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