Umnutzung einer Remise in Dornbirn (A)

Wohnen statt Parken

Früher Wirtschaftsgebäude eines Hotels, heute Atelier und Wohnhaus – mit dem Umbau einer denkmalgeschützten Remise führt Architektin Julia Kick vor, wie sich der Charakter eines einfachen Nebengebäudes trotz Umnutzung und Aufwertung bewahren lässt.

Es wurde höchste Zeit. Lange hätte die Remise in der Nähe des Bahnhofs von Dornbirn den jahrelangen Leerstand nicht mehr überlebt – die Holzkonstruktion hatte schon ernsten Schaden genommen. Mehrere Versuche der Umnutzung waren gescheitert. Erst Architektin Julia Kick fand ein Konzept, mit dem das Denkmal dauerhaft erhalten werden konnte: Sie richtete darin ihr Atelier und Wohnhaus ein. Der Bau stammt aus dem Jahr 1889 und gehörte zu einem Hotel. Im EG befanden sich Pferdestall und Kutschenhalle, darüber wurde Heu gelagert. Der Stall, zur Wetterseite im Westen gelegen, war massiv gemauert, die Unterstellhalle für die Fahrzeuge als Holzfachwerk mit Backsteinfüllung ausgeführt, der Rest als brettverschalte Holzkonstruktion errichtet.

Wenn solche einfachen Strukturen unter Schutz stehen, ergibt sich bei der Umnutzung zu Wohnzwecken meist eine Reihe von Schwierigkeiten. Zum einen: Wie bekommt man Licht in den Innenraum? Fenster in eine Scheune zu brechen, zerstört ihren Charakter als Wirtschaftsgebäude. In diesem Fall brachte das Bauwerk jedoch günstige Voraussetzungen mit, denn in der Holzschalung saßen bereits fensterähnliche Öffnungen mit Holzlamellen für die Belüftung. Ihr Austausch gegen Glasfenster beeinträchtigt das Erscheinungsbild des Ökonomiegebäudes kaum. Auch die großen Tore im EG ließen sich leicht durch Verglasungen ersetzen. Als einzige neue Öffnungen baute Julia Kick für die Belichtung des DGs ein paar dezente Dachflächenfenster ein, die von der Straße allerdings kaum zu sehen sind.

Für das zweite Problem bei nachträglich implantierten Wohnnutzungen, den Wunsch nach einem Freisitz, fand man ebenfalls eine dezente Lösung. Innerhalb des vorhandenen Volumens wurde an der Südostecke eine Veranda geschaffen, indem man einfach jedes zweite Schalungsbrett entfernte. So entstand ein geschützter Außenraum, der angesichts seiner Lage direkt an der Straße vielleicht sogar mehr Aufenthaltsqualität bietet als ein komplett offener Balkon.

Drittens galt es noch, das einst unbeheizte Bauwerk so zu dämmen, dass das tradierte Erscheinungsbild nicht leidet. Daher wurde der Boden abgegraben und erhielt eine 25 cm dicke Schicht XPS, bevor eine neue Betonplatte gegossen wurde. Beim Dach füllte man den Sparrenzwischenraum mit Zellulosefasern und montierte darüber eine »nur« 10 cm dicke Holzweichfaserplatte, sodass das Bauteil nicht allzu sehr in die Höhe wuchs. Die EG-Fassade bekam eine mineralische Innendämmung von 8 cm. Im OG sollte außen die alte Verschalung erhalten werden. Hinter ihr finden sich nun eine Luftschicht, eine Weichfaserplatte, eine Einblasdämmung aus Zellulose, ein Brandschutzpaneel und schließlich eine preiswerte Seekieferplatte als sichtbare Raumoberfläche.

Den Bodenbelag bilden hier die alten Holzdielen, die nummeriert, ausgebaut, aufgearbeitet und wieder eingebaut wurden. Sie halten die Erinnerung an die Vergangenheit der Remise als einfaches Nebengebäude ebenso wach wie die unverputzten Fachwerkwände im EG. Ein Split-Level-Grundriss nutzt das Volumen optimal aus und reagiert auf die unterschiedlichen Höhen der vorhandenen Toröffnungen.

Mit der Strategie, das Gebäude von innen neu auszukleiden, ist es gelungen, die Fassaden beinahe unverändert zu belassen – nicht nur in ihrer Bausubstanz, sondern mitsamt der Patina der vergrauten Holzschalung. Lediglich einige schadhafte Bretter wurden ausgewechselt. Behutsamer kann man bei der Umnutzung eines Denkmals kaum vorgehen.

~Christian Schönwetter

 

Weitere Umnutzungen zu Wohnzwecken

Umbau einer Festungsanlage in Knokke (B)

Verwandlung eines Amtsgericht in Feldberg

Umnutzung einer Scheune in Sommacampagna (I)

Transformation einer Motorradgarage in München

Umwandlung einer Textilfabrik in Potsdam

Essay: Raumreserven leichter heben

Heftteil db-Metamorphose 3|2017: Zum Wohnen umgenutzt