Brückner & Brückner erweitern St. Augustin in Coburg

Tor zur Gemeinde

In zwei Jahren Bauzeit wurde die Pfarrkirche saniert, um einen Anbau für eine Werktagskapelle ergänzt und das Umfeld umgestaltet. Den Architekten gelang mit ihrer sensiblen Formensprache eine einleuchtende Verbindung zwischen Alt und Neu.

Der neogotische Kirchenbau von 1860 war in den 1960er Jahren zum ersten Mal umfassend saniert und erweitert worden. Dabei hatte man – neben der Beseitigung von Kriegsschäden – den Kirchenraum entsprechend der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils neu gestaltet. Zusätzlich notwendige Räume waren außen um die Apsis herum angeordnet worden.

Ziel der neuerlichen Sanierung nun war es, die Eingriffe in die historische Substanz so gering wie möglich zu halten, trotz erheblicher baulicher, funktionaler und technischer Mängel. Wegen der prägnanten städtebaulichen Lage des Bauwerks als Eingang zur Coburger Innenstadt und mit Sichtverbindung zum Schloss Ehrenburg sollte sich das neu entstehende Kirchenensemble mit markanten, anspruchsvoll gestalteten Baukörpern präsentieren. Dafür wurden die Anbauten aus den 60er Jahren rund um die Apsis entfernt, ebenso die an der Böschungskante gelegene Garageneinheit, die den seitlichen Kirchenvorplatz zur Park- und Rangierfläche degradierte. Mit dem Abbruch kommt nun die Klarheit des ursprünglichen Kirchengebäudes wieder zur Geltung.

Der neue Erweiterungsbau dockt nur noch auf ganz geringer Fläche an den Altbau an: über einen Durchbruch im Querhaus. Durch die leichte Hanglage schiebt sich der Anbau ins Gelände und fügt sich harmonisch zwischen Pfarrhaus und Kirche ein. Er nimmt neben dringend notwendigen Funktionsräumen eine zeitgemäße Sakristei, Platz für die Kinderkirche und den Werktagsgottesdienst auf. Das große zweiflügelige Eingangstor kann zum Platz hin geöffnet werden, verbindet den Außenraum mit der Kapelle und lädt dazu ein, Gottesdienste auch im Freien zu feiern. So öffnet sich die Kirche zur Stadt, der neu entstandene Platz dient nun als Aufenthaltsort für Gottesdienstbesucher und Gemeindemitglieder.

Die Lourdes-Grotte, ein kleiner Andachtsraum, der bisher im Eingangsbereich der Pfarrkirche untergebracht war, wurde in den Anbau verlegt. Damit dient der Raum als kombiniertes Beichtzimmer auch fürs stille Gebet und zur inneren Einkehr. Die Räume der Kapelle sind geprägt durch das Wechselspiel des Lichts, das durch ein großes weit oben liegendes Fenster auf die Flügeltüren fällt. Die Materialien des Neubaus leiten sich von der Pfarrkirche ab: Seine Fassade besteht aus einer mehrschaligen Konstruktion mit einer Vorsatzschale aus beigem Sandstein.

Der zweite Teil des Umbaus betraf die Pfarrkirche selbst. Ein Vorbau vor dem Seitenportal zum neu gestalteten Platz markiert den Eingang und ermöglicht einen barrierefreien Zutritt. Im Innern der Kirche wurden der stückhafte Bodenbelag ausgetauscht sowie die erhöhte Altarinsel um zwei Stufen tiefergelegt und ins Hauptschiff hinein vergrößert. Dadurch ließ sich auf unauffällige Weise auch die Zahl der Sitzplätze verringern, sodass die Kirche auch bei schwach besuchten Gottesdiensten voller wirkt als zuvor. Die neue Anordnung der Bänke nimmt stärker auf die Seitenportale Bezug – auch mit ihrer dunkelbraunen Oberfläche passen sie sich den alten Türen an. Die bestehenden Deckenschalen entsprechen farblich nun wieder dem bauzeitlichen Zustand und sind so ins Gesamtkonzept eingebunden. Die große Freitreppe zum Hauptportal auf der Giebelseite wurde ertüchtigt – Betonsteinpodeste wurden entfernt und durch einen Treppenbelag aus Granit ersetzt.

~Petra Bohnenberger