Der Sockel – richtig geplant und ausgeführt

Trockene Socken

Der Putz am Sockel hält die Fassade eines Gebäudes an den Füßen trocken und schützt sie vor Beschädigungen. Zeigen sich hingegen Abplatzungen, Feuchteschäden und Ausblühungen, ist eine Instandsetzung unausweichlich. Was genau ist bei der Planung und Ausführung von verputzten und nachträglich gedämmten Sockeln zu beachten?

Was versteht man unter einem Sockel? Wo beginnt und wo endet er eigentlich? Wo endet die Spritzwasserzone? Eine noch heute gültige Antwort auf diese brennenden Fragen gab es schon weit vor dem Zeitalter von Internet, Wikipedia und der Normenflut. Vor über 125 Jahren war zum Beispiel im Brockhaus unter dem Stichwort „Sockel“ zu lesen:

„… ist der sowohl zur architektonischen Schönheit wie zur Stabilität und zum Schutze dienende verstärkte Fuß oder äußere Vorsprung am unteren Teile von Mauern, Pfeilern, von Säulen (Basis) und anderen Gegenständen. Er wird bei Gebäudeumfassungen in der Regel aus härteren, widerstandsfähigen Werkstücken, Steinplatten usw. hergestellt, je nach Höhe und Ausdruck des Gebäudes mehr oder weniger kräftig ausgebildet und mit Gliederungen (Sockelgesimsen) versehen, reicht gewöhnlich bis zur Höhe des inneren Erdgeschossfußbodens und dient außer obigen Zwecken zugleich zur Aufnahme der Kellergeschossfenster“

Die daraus ablesbaren, etwas unklar definierten Anforderungen an einen Sockel lauteten im Jahr 1886 also:

  • Gestaltung (architektonische Schönheit),
  • Feuchteschutz (härteres Material),
  • Statik/Lastabtragung (härteres Material),
  • Sockelhöhe (von Kellergeschossfenster bis OK FFB EG).
Was sagen die Regelwerke?

In der gefestigten Annahme, dass normative Anforderungen und Zulassungen in unserer heutigen Zeit sicher präziser sind, mag sich ein Leser nun fragen: „Und wo steht das genau?“ Zur Auswahl stehen gleich drei Normen: DIN 18195 befasst sich mit Wänden, die DIN V 18550 mit dem Außensockelputz und die DIN 55699 beschreibt den Sockelabschluss und die Sockeldämmung. Allerdings wird der Sockel als Bauteil in all den zitierten Regelwerken sowie der Zulassung für Wärmedämm-Verbundsysteme nicht exakt definiert.

Seit 2002 gibt es außerdem die gemeinsame „Richtlinie Fassadensockelputz/Außenanlage – Richtlinie für die fachgerechte Planung und Ausführung des Fassadensockelputzes sowie des Anschlusses der Außenanlage“, die sich intensiv mit dem Thema Sockelanschluss befasst. Die 2. Auflage 3/2004 haben mehrere Stuckateur-, Bau- und Industrieverbände mit unterzeichnet. An der 3. Auflage wird aktuell gearbeitet. Die Richtlinie wird voraussichtlich Anfang 2013 erscheinen und ungefähr 30 Details enthalten, die aufzeigen, wie man den Sockel bei reinen Putzfassaden, verputzter Außenwärmedämmung, Altputzmodernisierung, nachträglicher Wärmedämmung und Instandsetzung von Sockelschäden korrekt und schadensfrei plant und ausführt. Der Bezug erfolgt über die beiden Herausgeber.

Schnittstellen wollen gut geplant sein

Schäden am Sockel im Neu- und Altbau halten sich nicht an klare oder unklare Richtlinien- oder Normvorgaben. In den meisten Fällen entstehen Sockelschäden am Putz durch Feuchtigkeit, mit der Folge, dass es in Teilbereichen zu Ausblühungen kommt oder der Putz Stück für Stück abfällt. Die Ursachen reichen von einer falschen oder unzureichenden Planung und Koordination an der Baustelle bis hin zu einer mangelhaften Bauausführung. Vielfach entspricht der Geländeanschluss in den Plänen nur einer geraden Linie, die mit der gebauten Realität später häufig nur wenig zu tun hat. Auch an das „Darunter und Darüber“ werden oft viel zu wenig Gedanken verschwendet. Viele Bauschadensfälle belegen: Die heikle Schnittstelle Fassadensockelputz/Außenanlage lässt sich mit schnell improvisierten „Baustellenlösungen“ meistens nicht in den Griff bekommen.

Wichtig ist, dass die Art der Ausführung und die zu verwendenden Baustoffe bereits bei der Planung festgelegt werden, um die besonderen Anforderungen im Sockelbereich zu erfüllen. Dazu finden sich beispielsweise auch Hinweise in der VOB/C, wonach die verwendeten Baustoffe gegen die im Sockelbereich auftretende Feuchtebelastung beständig sein müssen, vgl. ATV DIN 18299, Abschnitt 2.1.3.

Feuchteschutz hat oberste Priorität

Schutz vor dem Durchfeuchten des Sockels bietet auch das Abdichten der Putze beziehungsweise der verputzen Wärmedämmung. Die Putzabdichtung darf jedoch nicht mit der Bauwerksabdichtung nach DIN 18195 verwechselt werden! Die Bauwerksabdichtung gemäß DIN 18195 hat unabhängig zu erfolgen

  • vom nachfolgenden Putz,
  • von der nachfolgenden Bekleidung (zum Beispiel Natursteinplatten),
  • von der Beschichtung (Anstrich) des Mauerwerks beziehungsweise Betons oder
  • von sonstigen Baustoffen im Sockelbereich.

Endet der Außenputz unterhalb der Geländeoberkante, muss der Putz im Sockelbereich abgedichtet werden oder die Beständigkeit ist auf eine andere Art und Weise sicherzustellen (zum Beispiel Abdichtung des Putzes unterhalb der Geländeoberkante). Die Abdichtung ist nicht Bestandteil des Putzes oder des Putzsystems und stellt immer eine gesonderte Leistung dar, die separat zu beauftragen ist. Dies wird in Fußnote b der Tabelle 2 der DIN V 18550 deutlich – „Ein Sockelputz sowie ein Kellerwandaußenputz ist immer im erdberührten Bereich abzudichten.“ Dazu müssen natürlich die Sockellinie und der Geländeverlauf vom Planer festgelegt werden. Sinnvollerweise sollte das Planum der Vorgewerke ungefähr 20 bis 30 cm tiefer als die spätere Geländeanschlusslinie beziehungsweise untere Sockellinie liegen.

Gestaltung versus Instandhaltung

Viele Architekten gestalten den Sockel bewusst ohne Putzkante, indem sie Fassaden- Oberputz und Sockelputz ohne Trennlinie ineinander übergehen lassen. Kommt es hier zu einem Sockelschaden, muss schlimmstenfalls die komplette Fassadenseite instandgesetzt werden. Eine einfachere Teilsanierung ist bei der in Abb. 03a gezeigten Variante möglich, da hier nur die abgesetzte Sockelfläche saniert werden muss.

Prinzipiell gilt: Wasser weg von der Fassade führen. Dazu kann man entweder bei gepflasterten Belägen die am Sockel anstehende Pflasterzeile etwas anheben oder bei Asphalt eine erhöhte Walzkante vorsehen. Die leichten Erhebungen am Sockelanschluss verhindern, dass Überschusswasser auf dem Belag oder Asphalt an der Fassade ansteht und den Sockelputz durchfeuchtet (zusätzliche wasserabweisende Maßnahme). Gemäß VOB/C ATV DIN 18318 Verkehrswegebauarbeiten Abschnitt 3.3.4 ist ein Mindestgefälle von 2,5 % einzuhalten. Gemäß Abschnitt 0.3.2 dieser ATV kann eine geringere Neigung vertraglich vereinbart werden, zum Beispiel bei Terrassen.

Besser überlappen anstatt „auf Kante“ abdichten

Bevor man mit den Putzarbeiten im Sockelbereich beginnt, muss die spätere Sockellinie feststehen, um zu wissen, in welchen Bereichen der Putz erdberührt und entsprechend abzudichten ist – ein Problem, das bei einem Neubau viel schwieriger zu lösen ist als bei einem Bestandsbau mit längst festgelegtem Geländeniveau. Vor Beginn der Putzarbeiten ist unbedingt zu klären, wer den Feuchteschutz nach Ende der Putzarbeiten ausführt. Als Abdichtung eignen sich vorzugsweise mineralisch flexible Dichtschlämmen oder vergleichbare Produkte, die bis mindestens 50 mm über die Geländekante aufzubringen sind. Auch in Richtung Erdreich muss die Abdichtungsmasse über den unteren Putzabschluss hinaus fortgeführt werden und zum Beispiel die daran anschließenden, unverputzten Perimeter-Dämmplatten überlappen. Neben der Abdichtung selbst ist im erdberührten Teil auch ein mechanischer Schutz (zum Beispiel Noppenbahn) vorzusehen, um eine Beschädigung der Bauwerks- abdichtung und der Putzabdichtung zu verhindern. An den vertikalen Stößen sollte diese Bahn ebenfalls etwa 20 cm überstehen. Die leicht über die Geländekante reichende Abdichtung hat die Aufgabe, den Putz vor anstehendem Wasser (Pfützen, Schnee) zu schützen und sollte im Farbton des Sockels beschichtbar sein.

Statt Dichtschlämmen eignen sich auch andere Abdichtungsmaterialien wie zum Beispiel kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (KMB) oder Bitumendichtungsbahnen. Wichtig ist: Bei deren Verarbeitung dürfen Putz oder die darunterliegende Dämmstoffe nicht beschädigt werden. Da sich Bitumenabdichtungen in der Regel jedoch nicht oder nur sehr aufwendig überstreichen lassen, sind sie bei Architekten nicht die erste Wahl. Wer möchte schon gerne sein Gebäude am Übergang vom Gelände zum Sockel mit schwarzen Rändern versehen?

Sockellösungen bei gedämmten Fassaden

Soll die Fassade ein verputztes Wärmedämm-Verbundsystem erhalten, ist im Sockelbereich eine separate Sockel- oder Perimeterdämmplatte in gleicher Dicke vorzusehen. In der Regel wird man – zumindest bei beheizten Kellern – bei einer nachträglichen Fassadendämmung auch die erdberührte Kelleraußenwand mit einer bündigen oder zurückgesetzten Perimeterdämmung versehen. Der Über- gang zur Sockeldämmplatte kann auch bei einer bereits vorhandenen Perimeterdämmung nahtlos erfolgen. Bei der Auswahl der Sockeldämmplatte ist zu bedenken, dass die Platte in jedem Fall überputzbar sein muss (also beispielsweise raue XPS-Platten). Zudem muss vor Beginn der Dämmarbeiten sichergestellt sein, dass die Kelleraußenwände gemäß DIN 18195–4 abgedichtet sind.

Nach dem Abdichten kommt Verdichten

Angesichts heute üblicher Dämmstoffdicken jenseits der 120 mm ist zu bedenken, dass es nahezu unmöglich ist, den Untergrund für Beläge im sockelnahen Bereich verlässlich und ausreichend zu verdichten. Daher wird empfohlen, die untere Kante der ins Erdreich einbindenden Sockeldämmplatten (> 120 mm Dicke) etwa 45 Grad abzuschrägen. Dies kann man auf Bereiche beschränken, wo Beläge vorgesehen sind – ansonsten reicht auch bei sehr dicken Dämmstoffplatten ein gerader, unterer Abschluss. Die abgeschrägte oder gerade untere Plattenkante kann unbehandelt bleiben, wenn für das Anbringen der Platten ein nicht saugender Klebemörtel verwendet wurde.

Instandsetzung von Altputzen

Ist keine Dämmung geplant, sondern soll nur der Altputz überarbeitet werden, sollte man das anstehende Gelände bis zum unteren Ende des Altputzes abgraben lassen. Bei der Überarbeitung eines Altputzes ist darauf zu achten, dass der Altputz – soweit intakt – möglichst vollständig überputzt wird, beispielsweise mit Armierungsputz mit Gewebeeinlage und neuem Oberputz. Der erdberührte Bereich des Alt- beziehungsweise Neuputzes ist mit einer mineralischen Putzabdichtung zu versehen. Eine Überlappung der mineralischen Abdichtung über den unteren Putzabschluss auf die unverputzte Wand muss gegeben sein.

Autor: Markus A. Weißert

 


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