Schallschutz-Sanierung von Holzbalkendecken

Auf leisen Sohlen

Der Charme alter Dielen und Holzbalkendecken verführt leicht dazu, bei einer Modernisierung den Schallschutz zu vernachlässigen. Bei Altbau-Decken fehlt es jedoch meist an ausreichend flächenbezogener Masse, um den Mindestanforderungen an den Körper- und Trittschallschutz gemäß DIN 4109 zu genügen. Mit schwimmenden Estrichen und abgehängten oder frei tragenden Unterdecken in Trockenbauweise lassen sich nachbarschaftliche Lärmbelästigungen um rund 10 bis 15 dB reduzieren.

In einem Altbau weiß man in der Regel mehr über die Lebensgewohnheiten des Übermieters als über die des Nachbarn in der Wohnung nebenan oder darunter. Schuld daran ist ein unzureichender Schallschutz zwischen den einzelnen Wohnungen, der sich besonders nachteilig und störend bei alten und unsanierten Holzbalkendecken bemerkbar macht. Im Gegensatz zu massiven Wänden und Decken fehlt es ihnen an ausreichend Flächenmasse, um die Schallwellen und Störgeräusche aus benachbarten Wohnungen hinreichend zu dämpfen. Zudem wirken die zahlreichen, nicht entkoppelten Kontaktstellen zwischen Bodenbelag und Tragbalken als ausgezeichnete Schallbrücke, um die Tritte und Gehgeräusche der Bewohner in die darunter liegenden Räume zu übertragen – was nicht nur lärmempfindlichen Personen den Schlaf raubt, sondern grundsätzlich den Komfort einer Wohnung erheblich einschränkt. Hinzu kommt bei den üblichen Holzdeckenkonstruktionen, dass der mehrschalige Aufbau aus

  • Bodenbelag,
  • Tragbalken,
  • Deckeneinschub mit Lehm-, Sand- oder Schlackenfüllung auf Stakung, Einschubbrettern, Gips- dielen oder Holzwolleleichtbauplatten und
  • einerabschließendenunterenBeplankungauseinerHolzschalungoderausPutzaufeinemTräger aus Schilfrohrmatten

wie der Resonanzkörper einer Akustikgitarre wirkt. Die großen Hohlräume in der Decke verstärken besonders Schallwellen im tiefen Frequenzbereich (< 500 Hz). Jeder Schritt, jedes Verrücken von Stühlen und jeder Gegenstand, der auf den Boden fällt, versetzt die leichten Schalen in Schwingung, die mangels Entkoppelung den Trittschall in die Wohnung darunter ungefiltert übertragen. Fugen, Spalten und Risse in der Holzbalkendecke leisten das Übrige, um auch Sprach- und Musikgeräusche, sprich den Luftschall, durch die Decke zu leiten.

Überholter Mindestschallschutz

Wie lausig und problematisch der Schallschutz alter Holzbalkendecken sein kann, lässt sich allein daran ermessen, dass deren Trittschallschutzwerte in Höhe von 65 bis 75 dB sowie deren erzielbares Luftschalldämm-Maß von 45 bis 50 dB vielfach nicht einmal an die Mindestanforderungen der Schallschutznorm DIN 4109 (Ausgabe November 1989) [1] heranreichen. Grundsätzlich gilt: Je kleiner der dB-Wert für den Trittschallschutz, um so besser – beim Luftschallschutz verhält sich dies genau umgekehrt. Die Norm verlangt für normale Anforderungen an den Trittschall einen Wert von = 53 dB (erhöhter Anspruch nach Beiblatt 2: = 46 dB), was bedeutet, dass der Trittschallschutz von alten Holzbalkendecken zwischen getrennten Wohneinheiten im Zuge einer Modernisierung um mindestens 12 bis 22 dB verbessert werden muss. Für den Luftschall fordert die DIN 4109 für normale Ansprüche einen Schallschutz von =54 db (erhöhter Anspruch nach Beiblatt 2: =55 dB). Diesbezüglich fehlen üblichen Altdecken also rund 5 bis 10 dB, um der Norm zu genügen.

Hinzu kommt, dass die Mindestanforderungen der DIN 4109 längst nicht mehr den heute üblichen Bedürfnissen nach Ruhe und Ungestörtheit entsprechen. Viele Gerichtsurteile belegen, dass es höchst riskant ist, sich bei einer Modernisierung an minimalen Vorgaben zum Schallschutz zu orientieren. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik e. V. (DEGA) verweist zum Beispiel darauf, dass sich mit üblichen Baustoffen und Konstruktionen ohne zusätzlichen Aufwand ein besserer Schallschutz erzielen lässt, als die DIN in ihren Mindestanforderungen definiert. Nicht ohne Grund macht die DIN 4109 in Beiblatt 2 „Vorschläge für einen erhöhten Schallschutz“, wonach zum Beispiel für Wohnungstrenndecken ein bewerteter Norm-Trittschallpegel L’n, w von =46 dB gefordert wird. Dieser Wert findet sich auch in der Schallschutzstufe II der VDI-Richtlinie 4100 [2], die inzwischen seit mehr als zehn Jahren in der Praxis als allgemein anerkannte Regel der Technik gilt.

Dem entgegen steht, dass sowohl das Beiblatt 2 der DIN 4109 als auch die VDI-Richtlinie 4100 privatrechtlich zu vereinbaren sind – die darin genannten Werte sind also nicht prinzipiell geschuldet. Das mag der eine Richter so, der andere aber ganz anders beurteilen. Es ist müßig darüber zu debattieren, denn das Einhalten der Mindestanforderungen der DIN 4109 bedeutet keinesfalls ein löbliches Qualitätskriterium. In der DEGA-Empfehlung 103 [3] vom März 2009 beschreibt Tabelle 10 die subjektive Wahrnehmbarkeit von üblichen Geräuschen aus benachbarten Wohneinheiten. Eingeteilt von A bis F werden dort in steigender Intensität Empfindungen für Lärm aufgeführt. Demnach entspricht der Mindestschallschutz nach DIN 4109 ungefähr Klasse D: Laute Sprache ist einwandfrei zu verstehen und deutlich hörbar. Selbst normale Musik ist noch sehr deutlich hörbar, Gehgeräusche sind noch deutlich hörbar. Wer mag in Wohnungen mit einem solch zweifelhaften Schallschutz heute leben?

Ausschlaggebend ist der Trittschallschutz

Insofern ist man gut beraten, sich des Themas bei einer Modernisierung mit Bedacht anzunehmen, zumal es die speziellen akustischen Eigenschaften von Holzbalkendecken nahezu unmöglich machen, den vorliegenden Schallschutz auf Anhieb richtig einzuschätzen. In der Regel wird er eher unterhalb der normativ geforderten Werte liegen.

Wie aber lässt sich dieser insgesamt „hörbar“ verbessern? Den Maßstab gibt der Trittschallschutz vor, der sich jedoch bei einer Holzbalkendecke konstruktionsbedingt viel schwieriger auf ein höheres Niveau bringen lässt als bei einer Massivdecke. Eine Holzbalkendecke mit gutem Trittschallschutz genügt automatisch auch den Anforderungen an den Luftschall. Daher wird man in den meisten Fällen den anzustrebenden Schallschutz der Decke nach der Trittschalldämmung bemessen und von diesem errechneten Wert die Luftschalldämmung ableiten.

Holzbalkendecken auf dem Prüfstand

Der schlechte Trittschallschutz einer Holzbalkendecke lässt sich prinzipiell auf dreierlei Arten beheben:

a) Man begegnet dem Problem von der Oberseite her, indem man nachträglich einen schwimmenden Estrich in Trocken oder Nassbauweise einbaut.
b) Man löst das Problem von der Unterseite her, indem man eine abgehängte oder freitragende Unterdecke einzieht.

c) Man kombiniert die beiden Maßnahmen zum Trittschallschutz.

Da es bislang noch kein genormtes Rechenverfahren zur Berechnung der Trittschalldämmung von Holzbalkendecken gibt, lassen sich die Auswirkungen, die diese drei Modernisierungsvarianten auf den Schallschutz haben, nur über umfangreiche Messungen ermitteln. Die Firma Knauf hat dazu an einem Prüfstand mit „unterdrückten Nebenwegen“ zwei typische, baugleiche Holzbalkendecken aufgebaut, die sich durch einen schweren (Z1a) und leichten Deckeneinschub (Z1b) voneinander unterscheiden. Die schwere Decke mit Sandfüllung entspricht einer teilentkernten Holzbalkendecke (Abriss der alten Putzschicht an der Deckenunterseite, Entfernen der Holzdielen und Ersatz durch eine Spanplatte), die leichtere Decke simuliert den kompletten Ausbau des alten Deckeneinschubs mit schwerer Lehm-, Sand- oder Schlackenfüllung und dessen Ersatz durch eine Mineralwolledämmung. Beide Deckenkonstruktionen wurden anschließend mit verschiedenen Fußbodenaufbauten und Unterdeckenlösungen versehen, um einerseits herauszufinden, wie sich die jeweiligen Maßnahmen auf den Schallschutz auswirken und um anderseits aus den gewonnen Erkenntnissen ein Rechenverfahren zu entwickeln, das es ermöglicht, Prognosewerte für die Trittschalldämmung von Holzbalkendecken im Einbauzustand zu ermitteln.

Schwimmende Estriche, Deckenbeplankungen und Unterdecken

Eine wichtige Voraussetzung, um den Schallschutz von Holzbalkendecken zu verbessern, ist das Entfernen der alten Putzdecke. Würde man nun unterseitig direkt auf den Balken eine herkömmliche Unterdecke aus Holzlatten und 12,5 mm GK-Platten befestigen (Z4), wäre quasi der vorherige Zustand wieder hergestellt und kein besserer Schallschutz erreicht. Verwendet man aber anstatt der Holzlattung entkoppelte CD-Profile (Z3), verschiebt sich die Resonanzfrequenz bereits deutlich in den tieferen Bereich (von ca. 125 Hz auf 63 bis 80 Hz). Wählt man stattdessen CD-Profile (60/27) mit sogenannten Direktschwing-Abhängern (Z5, Z6), lassen sich Trittschallverbesserungen bis 15 dB erzielen. Legt man außerdem zusätzlich Mineralwolledämmplatten auf die abgehängte Unterdecken (Z6), bewirkt dies zumindest bei Holzbalkendecken mit „schwerem Einschub“ (Bauart A) eine zusätzliche Verbesserung von 5 dB. Nutzt man für die Abhängung Federschienen (entkoppelte Montage), lassen sich nochmals rund 1 bis 2 dB herausschlagen.

Aber auch die Plattendicke sowie die Plattenart beeinflussen den Schallschutz einer Decke. Die möglichen Verbesserungen gegenüber Standardbekleidungen mit GKB-Platten bewegen sich dabei zwischen 2 bis 3 dB (12,5 mm Knauf Diamant) und 5 bis 6 dB (25 mm Knauf GKF). Eine doppelte Beplankung (18 + 25 mm Knauf GKF) kann sogar eine Verbesserung von 10 bis 11 dB bewirken.

Prinzipiell ist für den Einbau von Unterdecken eine schallentkoppelte Montage zu empfehlen. Mit üblichen dünnwandigen Metallprofilen lässt sich dabei der Schallschutz um rund 10 dB verbessern, spezielle Schallschutzprofile schaffen sogar bis 13 dB.

Besonders effizient ist der Einbau einer freitragenden Unterdecke (Abb. 03, 04) mit Verbesserungen von 20 bis 25 dB. Allerdings bedarf es hierzu ausreichender Raumhöhe – bei dem geprüften Konstruktionsaufbau wurde die freitragende Konstruktion zehn Zentimeter unterhalb der teilentkernten Holzbalkendecke montiert (Z7, Deckeneinschub und/oder alte Putzschale wurden entfernt). Zudem wurden auf die Beplankung aus 12,5 mm GKB-Platten 50 mm dicke Mineralwolleplatten aufgelegt. Der bewertete Normtrittschallpegel Ln, w (B) der Testdecke (Bauart B) lag bei 55 dB und konnte mit 25 mm dicken GFK-Platten noch auf 49 dB gesenkt werden.

Positiv wirkt sich auch der Einbau eines schwimmenden Estrichs aus – sei es als Trockenestrich oder als Fließestrich (Anhydritestrich). So lässt sich der Trittschall bei einer teilentkernten und unterseitig nicht verbesserten Holzbalkendecke bereits mit einem einfachen Trockenestrich (18 bis 20 mm dicke Gipsfaserplatten, verlegt auf 10 bis 20 mm dicken Trittschalldämmplatten) um 8 bis 12 dB verbessern. Allerdings beschränkt sich die erzielbare Dämpfung bei Trockenestrichsystemen aufgrund der dynamischen Steifigkeit der Platten vornehmlich auf mittlere und hohe Frequenzbereiche, tiefere Frequenzen lassen sich damit kaum bändigen. Ein Fließestrich, vergossen auf 20/2 mm Mineralwolle-Trittschalldämmplatten, verbessert bei gleicher Situation den Trittschallschutz um 13 bis 15 dB. Inwieweit sich der Normtrittschallpegel bei der Bauart A durch einen schwimmenden Estrich tatsächlich verbessert, hängt maßgeblich davon ab, was unterhalb der Holzbalkendecke passiert. Der mehrschichtige Aufbau kann leicht zu störenden Resonanzen im tiefen Frequenzbereich führen, was am Ende nicht unbedingt den erhofften Erfolg bringt.

Daher ist grundsätzlich zu empfehlen, die Holzbalkendecke zusätzlich auch unterseitig schallschutztechnisch zu verbessern. Bei einer Rohdecke der Bauart B (leichter Deckeneinschub) addieren sich demnach zusätzlich zu den 8 bis 9 dB, die hier allein der schwimmende Estrich bewirkt, je nach gewählter Unterdeckenkonstruktion folgende Trittschallschutz-Verbesserungswerte:

  • 4 bis 6 dB bei Systemen mit CD 60/27, montiert an Schwingabhängern;
  • rund 6 dB bei Systemen mit abgehängten Unterdecken;
  • 8 bis 10 dB bei Systemen mit freitragenden Unterdecken.

Was für ein Schallschutz sich am Ende tatsächlich einstellt, hängt neben der Entkoppelung der Schalen auch von der Flächenmasse der Decke ab. Bei der Versuchsdecke der Bauart A (schwerer Deckeneinschub) ergab die Kombination aus schwimmendem Estrich (Fließestrich) und Unterdecke auf Federschienen eine Verbesserung zwischen 10 und 12 dB.

Die richtige Kombination macht ́s

Ein hinreichender Trittschallschutz zwischen getrennten Wohneinheiten ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für den Wohnkomfort. Weder die normativen und gesellschaftlichen Anforderungen noch die Tücken in der Ausführung dürfen unterschätzt werden. Drei Prinzipien sind von besonderer Relevanz, um einen zeitgemäßen Trittschallschutz bei Holzbalkendecken zu erwirken:

  • Alte, starr befestigte Putzschichten unter der Balkenlage sind unbedingt zu entfernen, um die Gefahr störender Resonanzen zu reduzieren.
  • Biegeweiche Unterdecken in Trockenbauweise sind unbedingt schallentkoppelt zu montieren und sollten möglichst schwer sein; die besten Werte lassen sich mit freitragenden Konstruktionen erzielen.
  • Schwimmende Estriche sind eine ideale Kombination; alleine bewirken sie im tiefen Frequenzbereich aufgrund von Resonanzen nur mäßige Verbesserungen.

Autor: Klaus Siegele


Literatur und Quellen:

[1] Schallschutz im Hochbau, Anforderungen und Nachweise, DIN 4109:1989–11
[2] VDI Richtlinie 4100 „Schallschutz von Wohnungen – Wohnungen – Beurteilung und Vorschläge für erhöhten Schallschutz“ (Richtlinien-Entwurf, Ausgabe- datum 2011–06, Einsprüche bis 30.9.2011)
[3] DEGA-Empfehlung 103, Deutsche Gesellschaft für Akustik e. V., März 2009, Berlin, www.dega-akustik.de
[4] Georg Krämer, Jochen Pfau, Karsten Tichelmann: Sanierung mit Trockenbau, 2. Auflage 2010, Knauf Gips KG Iphofen (Hrsg.)


Speziell mit dem Trittschallschutz bei der Sanierung von Bestandsdecken beschäftig sich der Artikel »Wohnen auf alten Böden«.

Wie historische Holzbalkendecken konstruiert sind, erfahren Sie im Beitrag »Bis sich die Balken biegen«.

Und wenn es um die statische Ertüchtigung von Holzbalkendecken geht, ist der Holz-Beton-Verbund interessant.