Fugenabdichtung bei Fertigteilbauten

Koloss mit neuen Fugen

Eine defekte oder falsch sanierte Fugenabdichtung setzt Fertigteilbauten besonders zu. Was die Außenhülle an Sonneneinstrahlung, Frost und Regen abbekommt, kann durch undichte Ritzen in die Wandkonstruktion dringen und sogar in den Innenräumen Schaden anrichten. Das Beispiel eines Berliner Geschosswohnungsbaus zeigt, wie sich eine Instandsetzung der Fugen verhältnismäßig preiswert bewerkstelligen lässt.

Um Schimmelbildung zu vermeiden, gilt für den Fugenbereich eines Fertigteilgebäudes dieselbe Regel wie für den Wandaufbau im Allgemeinen: Er sollte luftdicht ausgeführt werden, aber nach außen auch diffusionsoffen sein, um den Austritt der in der Konstruktion anfallenden Feuchtigkeit zu ermöglichen.
Daran hielt man sich jedoch nicht schon immer: Bei den sogenannten Plattenbauten der DDR etwa verzichtete man weitgehend auf die luftdichte Schicht. Dadurch pfiff der Wind durch die Ritzen, aber gleichzeitig konnte die im Inneren aufgestaute Feuchtigkeit leicht trocknen. Im Westen spielte die Energieeffizienz der Bauten ab der ersten Wärmeschutzverordnung eine – noch bescheidene – Rolle. Wie in der DDR wurden für die Bekleidung von Plattenbauten in Westdeutschland meist Sandwichelemente mit Kerndämmung verwendet, deren Fugen bei Instandsetzungen in den Achtzigerjahren häufig mit ungeeigneten Dichtstoffen verschlossen wurden: Etwa bei dem Geschosswohnungsbau am Saatwinkler-Damm 143-153 in Berlin-Spandau.

Neue Fuge oder neue Hülle?

Wie viele Siedlungen aus den Siebzigerjahren versprüht der Wohnblock – eine mit verputzten Platten bekleidete Großstruktur, die aber durch Vor- und Rücksprünge sowie Erschließungstürme gegliedert wird – eher spröden Charme. Bei der früheren Instandsetzung war in die Fugen eine Dichtmasse, ähnlich einem PU-Dichtstoff, eingebracht worden. Diese dichtete zwar gegen den Regen ab, war aber nicht in der Lage, Kondenswasser aus der Fuge hinaus diffundieren zu lassen. Im Lauf der Zeit wurde sie spröde und riss in vielen Fugen wegen mangelnder Elastizität an den Flanken ab. Durch die defekte Außenabdichtung drang massiv Feuchtigkeit in den Wandaufbau ein. Diese kann durch die Anschlussfugen zwischen den Fertigteilen zum einen bis in den Innenraum wandern, zum anderen aber ist auch der Rohbau gefährdet: Sobald die alkalische Wirkung des Betons verloren geht, kann es zur Korrosion kommen. Darüber hinaus gefriert im Winter das in den Wandaufbau eingedrungene Wasser; die Konstruktion kann dadurch regelrecht aufgesprengt werden.
Vor der aktuellen Instandsetzung ließ die Eigentümerin, die Berliner Immobiliengesellschaft GSW, eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellen. Da das Gebäude an einem zentralen Autobahnzubringer unweit des Flughafens Tegel und damit wenig attraktiv liegt, sollten die Kosten für die Instandsetzung gering gehalten werden. Daher entschied man sich für eine Sanierung der Fassaden- und Fensteranschlussfugen. Die Alternative wäre gewesen, das gesamte Gebäude mit einem Wärmedämm-Verbundsystem einzupacken – technisch die sauberste Lösung, allerdings deutlich teurer.

Band statt Masse

Bei der Fugenabdichtung wurden Bewuchs und maroder Putz entfernt, die verbleibenden Putzflächen gesäubert und abgestrahlt und die Fassadenplatten mit einer elastischen und rissüberbrückenden Beschichtung versehen. Aus den Plattenfugen entfernten die Handwerker die Überreste der spröden Dichtungsmasse der früheren Instandsetzung. Anschließend wurde das Innere der Fugen mit mineralischem Dämmstoff ausgefüllt und eine Dichtstofffuge des Unternehmens Tremco Illbruck eingesetzt. Das Band ist vorkomprimiert und schlagregendicht, jedoch gleichzeitig diffusionsoffen, sodass das baubedingt entstehende Kondenswasser nach außen entweichen kann. Da Dichtungsbänder beständiger und weniger wartungsintensiv sind als Dichtungsmassen, werden Flankenabrisse vermieden und das Eindringen von Wasser wird verhindert. Insgesamt wurden 16.500 Meter der Fugenabdichtung verbaut. Neben der geringeren Kondensatmenge ergeben sich bei der technisch korrekten Ausführung der Sanierung von Betonfugen mit Kompressionsbändern laut einer Studie der Hochschule Bochum weitere Vorteile. So soll die Vorbereitung der Bestandsfuge weniger aufwendig sein als bei der Verwendung von Dichtungsmassen, zudem kann das Band unabhängig von der Witterung eingesetzt werden. Dadurch lasse sich Zeit einsparen, was wiederum zu niedrigeren Lohnkosten führe.

Autorin: Claudia Hildner