Fassadenputz auffrischen und sanieren

Putzdienst

Hitze, UV-Strahlung, Regen, Frost, Stöße: Der Fassadenputz steht bei vielen Gebäuden unter Dauerbeschuss. Die Beanspruchungen hinterlassen ihre Spuren. Die können harmlos sein, aber auch in echte, bauphysikalisch problematische Schäden münden, die eine rasche Instandsetzung verlangen. Welche Methode empfiehlt sich für welche Schäden?

Die Fassade eines Gebäudes dient rein funktionell dem Schutz der Bausubstanz vor den Unbilden der Witterung. Und die wirken in unseren Breiten durchaus zerstörerisch – vor allem dann, wenn Schwachstellen dazu führen, dass Regen über einen lecken Anschluss den Putz unterwandert. Dann kann sich die Standzeit der gesamten Putzfassade dramatisch verringern, während man sonst durchaus von bis zu drei Jahrzehnten bauphysikalisch einwandfreier Funktion ausgeht. Wohlbemerkt: Bauphysikalisch, optische Veränderungen sind ein anderes Thema.

Fassadenputz mit organischem Kern

Nun ist Putz nicht gleich Putz, weshalb es auch falsch ist, von „dem Putz“ zu sprechen. Als zentrales Differenzierungsmerkmal dient das Bindemittel des Putzes, da es direkten Einfluss auf dessen Eigenschaften nimmt. Zu den mineralischen Putzen, also solchen mit Kalk- und Kalkzement-Bindemitteln, haben sich seit Anfang der Fünfzigerjahre die sogenannten organischen Putze gesellt. Dabei handelt es sich um verarbeitungsfertige, wässrige Systeme mit einer Polymerdispersion als Bindemittel – prinzipell sind sie also mit Dispersionsfarben verwandt. Die Trockung erfolgt physikalisch, mit dem Verdunsten des Wassers verschmelzen die Bindemittelteilchen zu einem Film, der die Füllstoffe (Gesteinskörnungen) und Pigmente fest umschließt.
Jährlich werden allein in Deutschland über 300.000 Tonnen dieser einst „Kunstharzputz“ genannten Materialien verarbeitet – schließlich sind sie leicht zu applizieren, bieten ganz besondere bauphysikalische Eigenschaften wie geringe Wasseraufnahme und hohe Wasserdampfdurchlässigkeit. Sie ermöglichen dank der Einfärbung mit organischen Pigmenten die Realisierung intensiver Farbtöne, auch aus dem Gelb-, Rot- und Blaubereich. Und sie sind wegen ihrer Elastizität und dünnschichtigen Applikation kompatibel zu Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) – rund 90 Prozent der organisch gebundenen Fassadenputze finden sich in der Rolle des WDVS-Oberputzes wieder. Übrigens gehören auch Silikatputze mit Dispersionsvergütung und Silikonharzputze in die Familie der organisch gebundenen Fassadenputze.

Algen und Schwindrisse

Bei den Alterungserscheinungen unterscheidet man rein optische Veränderungen wie den Bewuchs mit Algen, die Veränderung der Farbigkeit (insbesondere bei intensiven Tönen) oder Schwindrisse. All diese Punkte stellen nach heutigen Erkenntnissen keine Beeinträchtigung der Funktionalität des Putzes dar. Abhilfe bringt in diesen Fällen ein Neuanstrich mit ebenfalls organisch gebundenen Beschichtungen. Vor dem Neuanstrich steht in jedem Fall eine Reinigung der Fläche und die Ausbesserung eventuell vorhandener Fehlstellen im Fassadenputz.
Algenbewuchs ist derzeit ein viel und kontrovers diskutiertes Thema, die Empfehlungen für die Sanierung sieht nach dem momentanen Stand so aus: Entfernung aller Mikroorganismen per Hochdruckreiniger, Auftrag einer algizid eingestellten Grundierung und dann die zweifache Beschichtung mit einer „filmkonservierenden“ Silikonharzfarbe.

Die Rissfrage

Risse mit Breiten unter 0,2 Millimeter gelten nach DIN 18550–2 als Haarrisse und damit als nicht zu bemängelndes Phänomen. Sie lassen sich in der Regel wie oben beschrieben anstrichtechnisch beseitigen. Für breitere Risse reichen die überbrückenden Eigenschaften normaler Beschichtungen nicht mehr aus, hier bedarf es mindestens spezieller plasto-elastischer Anstrichsysteme. Diese mehrschichtig zu applizierenden Materialien bleiben auch bei tiefen Temperaturen – wenn sich die Risse vergrößern – ausreichend dehnfähig. Allerdings erkauft man sich diese Eigenschaft mit einer stark füllenden Beschichtung, die insbesondere feine Putzstrukturen ihres Charakters beraubt. Großflächige Rissbildungen legen eine komplette Neuverputzung nahe, mit der auch Schäden wie Blasen, Ablösungen, Abplatzungen oder Folgen von mechanischen Stößen beseitigt werden.

Keine Feuchtgebiete

Regen bedeutet im Grunde kein Problem für den Fassadenputz – vorausgesetzt, er zeigt keine Risse, Abplatzungen oder andere Fehlstellen, durch die Wasser hinter den Putz gelangen kann und im schlimmsten Fall das Mauerwerk oder die Dämmschicht durchfeuchtet. Letztere verliert dadurch ihre dämmende Wirkung, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kommt es durch die Volumenvergrößerung des Wassers unweigerlich zu Frostschäden mit Ablösungen oder Abplatzungen. Das Problem dabei ist, dass sich diese Schäden gegenseitig aufschaukeln und die Gesamtsituation rasant verschlechtern.
Ein ebenfalls häufig anzutreffendes Einfallstor für Wasser sind undichte Anschlüsse zu Fenstern, offene Dehnfugen oder defekte Verblechungen. Bei Feuchteschäden an der Fassade muss also vor deren Sanierung zunächst die Ursache des Feuchteeintrages geortet und abgestellt werden – eigentlich bekannte Verfahrensweisen.
Zu eher lokalen Problemen kommt es etwa an Fensterbänken, wo der Fassadenputz unmittelbar an die stehende Feuchtigkeit anschließt – dann entstehen Ausblühungen durch die Rücktrocknung in der Nachbarzone. Auch hier lohnt sich zunächst der Blick auf die Auslegung der Details.
Aufsteigende Feuchtigkeit in größerem Maßstab begegnet man eher in Sockelbereichen – hier helfen meist spezielle Sanierputze, die sehr diffusionsoffen ausgelegt sind und Bausalze intern einlagern. Damit findet an der Putzoberfläche keine weißliche Auskristallisation statt.
Ablösungen wiederum entstehen durch mechanische Stöße – etwa im Sockelbereich durch Fahrzeuge oder Bälle, oder aber durch Hagelschlag. Wobei sich die organischen Putze durch die ihnen eigene Flexibilität als besonders resistent erweisen. Fehlstellen können aber auch durch Frostschäden oder mangelnden Haftverbund zwischen Untergrund und Fassadenputz entstehen. In all diesen Fällen sollte möglichst rasch auf Abhilfe gesonnen werden – entweder durch partielle Überarbeitung der betroffenen Bereiche oder durch einen kompletten Neuverputz.

Putztypen unterscheiden

Die Materialwahl für den Neuanstrich wie für den Neuverputz orientiert sich primär an der Art des Untergrundes. Bei organischen Altuntergründen kommt nur die Sanierung mit artgleichen Farben oder Putzen in Frage. Allerdings ist es selbst für den Experten nicht einfach, ohne Analytiklabor vor Ort den Typ des Altputzes zu klären. Optisch und auch haptisch lassen sich keine signifikanten Merkmale ermitteln, allenfalls bei stark gesättigten Farbtönen kann man von einem durchgefärbten organischen Putz oder einer Dispersionsbeschichtung ausgehen.
Hilfreiche Hinweise bringt der Einsatz von Testbenzin oder Aceton aus der Tropfflasche an einer wenig prominenten Stelle. Organische Materialien quellen nach kurzer Einwirkzeit auf und erweichen spürbar. Um auszuschließen, dass diese Erweichung von einer organisch gebundenen Farbe herrührt, darunter jedoch ein mineralischer Putz liegt, wird per Kratzprobe geklärt, ob ein durchgefärbter Putz vorliegt. In jedem Fall aber empfiehlt es sich, bei derlei Ermittlungen einen erfahrenen Verarbeiter oder Berater hinzuzuziehen.

Neuer Putz – neues Glück

Das Auftragen eines neuen Putzes auf dem alten ist nur dann möglich, wenn der Untergrund eben, tragfähig und trocken ist. Nur in diesen Fällen ist ein ausreichender Haftverbund zum Altputz gewährleistet. Schäden in der Dämmschicht eines eventuell vorhandenen WDVS müssen zuvor beseitigt werden, gleiches gilt für Schmutz oder Bewuchs. Durch den neuen organischen Putz erhält die Fassade ihr Funktionsspektrum als Wetterschutz zurück, bei Rissen im Grund ist vor dem Auftrag des Putzes eine Armierungsschicht mit Glasfasergewebe vonnöten. Meist ist der neue organische Oberputz durchgefärbt, sodass – ausgenommen bei extrem gesättigten Tönen – keine Farbbeschichtung notwendig ist. Die Wasserdampfdiffusion wird übrigens durch die zusätzliche Putzschicht kaum beeinflusst, allerdings auch die energetische Situation nicht verbessert. Dafür bedürfte es einer sogenannten Aufdoppelung mit einem zweiten Dämmsystem.
Erweist sich der vorhandene Fassadenputz als nicht tragfähig oder ist extrem geschädigt, so stehen im Grunde nur zwei Wege offen: Die komplette Entfernung oder die Überarbeitung mit mechanisch befestigten Putzträgerplatten. Die werden mit dem Mauerwerk kraftschlüssig verdübelt, erhalten dann eine Armierungsschicht mit Glasfasergewebe und schließlich den organisch gebundenen Oberputz. So entsteht eine völlig neue Wetterschale über der vorhandenen.
Die Entfernung des Altputzes hingegen erweist sich als mühsames Unterfangen, das durch Abschlagen, Abfräsen oder bei Putzen auf WDVS durch „Abstrippen“ ganzer Putzbahnen erledigt wird. Weil hier der Entsorgungsaspekt hinzukommt, ist die Überarbeitung – wenn machbar – stets zu bevorzugen.


Autor: Hans Klein. Er ist Vorsitzender der Fachgruppe Putz und Dekor im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (www.putz-dekor.org).


Literatur:

Christian Holl, Armin Scharf: Putz. München 2008
Fachgruppe Putz & Dekor (Hrgs): Fachlexikon Putze und Beschichtungen. Frankfurt, 2. Auflage 2007
Helmut Künzel: Außenputz. Stuttgart 2003
Hartmut Ross, Friedemann Stahl: Praxis-Handbuch Putz. Köln 2003


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