Umbau des Vogesenschulhauses in Basel (CH)

Raumlinien

Es gibt nicht viele Architekturprojekte, die fast ausschließlich darin bestehen, etwas zu entfernen. Genau das haben MET Architects bei einem prämierten Schulbau von Diener & Diener getan. Das Ergebnis ist verblüffend.

Von außen wirkt das Gebäude der Sekundarschule schlicht und großzügig. Überdimensionale Fenster lassen Licht bis tief in die Räume fließen. Diener & Diener Architekten hatten das Bauwerk in zwei Bauabschnitten 1994 und 1996 errichtet. Dass nach nur 20 Jahren schon ein Umbau notwendig wurde, ergab sich aus der schweizerischen Schulreform HarmoS, die in Basel schrittweise bis ins Jahr 2022 umgesetzt werden soll. Ziel ist ein weitgehend einheitliches Schulsystem für alle Schweizer Kantone.

Im neuen Schulkonzept ist nun auch vorgesehen, dass der Frontalunterricht zugunsten einer bedarfsgerechten Unterrichtsform aufgelöst wird. Dafür muss Raum geschaffen werden. Im konkreten Fall hieß dies, sechs Regelklassenzimmer im 3. OG des Vogesenschulhauses in zwei große Lernateliers zu verwandeln.

Die Herausforderung bestand hauptsächlich darin, dass die Architekten das sehr fein differenzierte Farbkonzept der ursprünglichen Klassenzimmer erhalten wollten – der Künstler Peter Suter hatte mit Pastelltönen jedem Raum eine etwas andere Stimmung gegeben. Die Umsetzung ist gelungen. Mit knappem Budget und noch engerem Zeitrahmen in den Sommerferien entfernten MET Architects die 15cm dicken Raumtrennwände und schlossen damit die Regelklassenzimmer zusammen. Die Nahtstellen an Decke, Wand und Boden, dort wo die herausgetrennten Wände standen, betonten sie mit schwarzer Farbe – am Boden als Linoleumbelag. Angeschnittene Stahlstützen werden dabei genauso geschwärzt wie Unterzüge und Schnittkanten an den Fensterbänken, so dass sich eine dunkle Raumlinie durchs Atelier zieht. Damit bleiben die alten Räume weiter spürbar, das Farbkonzept ist noch unmittelbarer ablesbar.

~Petra Bohnenberger