Altneue Türen in der Markthalle Stuttgart

Elsaesser in Farbe

Sie gilt als eine der schönsten in Deutschland: die Stuttgarter Markthalle von Martin Elsaesser. Nun wurden die Türen instandgesetzt. Wo keine Originale mehr vorhanden waren, entwickelten Manderscheid Architekten die Formensprache Elsaessers weiter.

Ein paar Türen bei einem alten Gebäude zu reparieren oder auszuwechseln ist eigentlich keine nennenswerte Bauaufgabe – es sei denn, man hat es mit einem Baudenkmal zu tun, noch dazu von Martin Elsaesser. Bei der Stuttgarter Markthalle entpuppte sich diese Aufgabe als durchaus anspruchsvoll.

Das Gebäude blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. 1914 wurde es eröffnet und bot über 400 Verkaufsständen Platz. Während die Halle von einer hochmodernen sichtbaren Konstruktion aus Betonbögen überspannt wird, kommen die Fassaden in einer eher traditionellen Spielart des Jugendstils daher. Im Zweiten Weltkrieg teilweise beschädigt und anschließend wieder aufgebaut, drohte der Markthalle in den 70er Jahren beinahe die Schließung wegen Unrentabilität. Inzwischen gilt sie als ein Ort, an dem man aus einem größtenteils hochpreisigen Angebot wählen kann. Neben Händlern für Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch sowie Blumen und Wohnaccessoires gehören auch drei Gastronomen zu den Mietern.

Eine Brandschutzschau war nun der Anlass, die Türen genauer in Augenschein zu nehmen. Manche ließen sich nicht ausreichend öffnen, um das Gebäude schnell genug entfluchten zu können, andere waren so marode, dass dringend etwas geschehen musste. Auch die Gestaltung war nicht mehr befriedigend: Als buntes Sammelsurium aus unterschiedlichen Epochen bildeten die Türen keine Einheit mehr; besonders die in den 60er Jahren im Duktus jener Zeit hinzugekommen Exemplare wollten weder zu den Jugendstil-Fassaden passen, noch zu Elsaessers Originalportalen. Er hatte genietete Stahlblechtüren entworfen, deren auffälliges Element kreuzförmig übereinandergelegte Stahlbänder sind, die eine kassettenartige Gliederung erzeugen.

Detektivarbeit bei der Restaurierung

Als ersten Schritt setzten Manderscheid Architekten die noch erhaltenen Türen von Martin Elsaesser instand. In Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde und einem Metallspezialisten wurden verbogene Teile wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht, Nieten erneuert und Fugen, in denen sich Wasser ansammeln konnte, überarbeitet. Außerdem war vor Jahren auf der Innenseite eine grobe Verstärkungskonstruktion aus Rechteckrohren angebracht worden. Sie wurde jetzt behutsam entfernt und durch eine Trägerstruktur aus Flachstählen ersetzt, die zu einem schlanken L-Profil zusammengeschweißt sind.

Stuttgarter markthalle von martin Elsaesser

Bild: Johannes-Maria Schlorke, Saarbrücken

Anhand historischer Fotos konnten die Planer nachweisen, dass die Originaltüren zweifarbig gestaltet waren, jedoch ließen sich die genauen Töne nicht mehr ermitteln. Für die Kassetten wurde nun ein gebrochenes Weiß gewählt, die Stahlbänder und Nieten dagegen erhielten ein kräftiges Englischrot, eine freie Interpretation eines rötlichbraunen Tons, der bei der restauratorischen Untersuchung zutage trat, der sich aber nicht als eindeutiger Befund feststellen ließ. Auf jeden Fall harmoniert der neue Anstrich in Englischrot mit den eher erdigen Tönen des Bestands, etwa mit den cremefarben verputzen Arkaden. Durch die beiden unterschiedlichen Farben wirken die Portale insgesamt wieder feingliedriger.

Entwurfliche Freiheit bei den neuen Türen

In einem zweiten Schritt beschäftigte sich das Planerteam mit jenen vier kleineren Eingangstüren, die seit den 60er Jahren als einfache Stahlrahmentüren mit Glasfüllung ihre Vorgänger ersetzten und das Gesamtbild beeinträchtigten. Sie sollten ausgetauscht werden. Da es keine gesicherten Unterlagen gibt, wie die ursprünglichen Türen an dieser Stelle im Detail ausgesehen hatten, bestand die Möglichkeit, neue zu entwerfen. Auf Wunsch des Bauherrn sollten sie wieder einen hohen Glasanteil bekommen.

Die Planer orientierten sich an den instandgesetzten Originalen von Elsaesser und nahmen die kassettierte Gliederung auf, allerdings neu interpretiert: Jetzt sind es miteinander verwobene flache Stahlbänder, die das Gitter erzeugen, und statt Nieten befestigen Schrauben die Bänder auf dem Flügelrahmen. Hinter ihnen liegt eine Glasscheibe, die für die gewünschte Transparenz sorgt. Diese neuen Stahltüren wurden in die noch aus der Entstehungszeit vorhandenen Zargen eingesetzt und passen bestens zu den ebenfalls noch erhaltenen Oberlichtern und ihren Sprossen. Weder auffälliger Fremdkörper, noch simple Elsaesser-Kopie, fügen sich die Manderscheid-Türen dezent in das Baudenkmal ein und geben sich doch als eigenständige Zutat unserer Tage zu erkennen.

In den kommenden Monaten werden noch einige Innentüren nach ähnlichen Prinzipien instandgesetzt, sodass die Markthalle zum Jahreswechsel wieder ein stimmiges, harmonisches Gesamtbild abgeben wird.

~Petra Ralle, Christian Schönwetter


Markthalle in Stuttgart von Martin Elsaesser

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