Wohnhaus in Feldberg

Leben im Amtsgericht

Die Zutaten sind wenige: ein altes Haus und authentische, unbeschichtete Materialien wie Beton, Stahl und schwarzes MDF. Damit schufen Wespi de Meuron Romeo Architekten und schluttundschuldt architekten einen Ort von hoher atmosphärischer Dichte.

Idyllisch in einer Seenlandschaft gelegen, stand das ehemalige Amtsgericht von Feldberg lange leer. Dass es nun behutsam saniert wurde und zu neuem Leben erwacht, ist Bauherren zu verdanken, die aus der Schweiz nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen sind.

Von außen hat sich an dem Gebäude kaum etwas verändert, lediglich die Fensterrahmen und Türen wurden grau gestrichen und erhielten damit annähernd ihren ursprünglichen Farbton zurück – statt dem grellen Weiß aus der DDR-Zeit.

Der Zugang zum Haus kann wegen der Hanglage über zwei unterschiedliche Ebenen erfolgen. Die Vorderseite mit der großen Tür zum Amtsplatz ist ein eher öffentlicher Raum. Im Gegensatz dazu befindet sich auf der Nordseite der weitaus privatere Eingang zum Tiefparterre. Ein neuer Stahlkubus – er dient als Fahrradgarage – riegelt den öffentlichen Raum vor dem Haus gegen den privaten Zugang zum See ab. Geometrisch angelegte anthrazitfarbene Naturkiesflächen auf der Rückseite des Gebäudes dienen als Terrassen.

Im Innern hatte der Vorbesitzer die Wände schon vor fast 30 Jahren vom Putz befreit. Die Architekten beließen es dabei, weil sie möchten, dass sämtliche Eingriffe ins Haus sichtbar sind. Bauteile, die sie neu einfügten, wie Türstürze, Treppen und Böden, ließen sie daher in Sichtbeton ausführen, der im Kontrast zu dem hellen Mauerwerk steht. Mit diesen rohen Oberflächen korrespondieren die »ehrlichen« Materialien des weiteren Ausbaus: Massivholz, Glas, Stahl und durchgefärbtes schwarzes MDF.

Der Eingangsbereich im Hochparterre wird von einer großen neuen Pendeltür dominiert, die die Garderobe von der Korridorbibliothek trennt. Dieser Flur bildet die Längsachse des Gebäudes und bietet sowohl einen Einblick in den Essbereich im unteren Geschoss als auch einen Ausblick aus den großformatigen Fenstern in den Bestandsöffnungen der Giebelseiten. Zum Amtsplatz hin sind Musik-, Bade- und Gästezimmer angeordnet. Auf der Seeseite finden sich Arbeits- und Wohnräume. Die Türen der wenigen verschließbaren Räume sind in die Bücherregale aus schwarzem MDF integriert.

Im Tiefparterre bestechen auf der Seeseite der Essbereich mit dem zweigeschossigen Luftraum und die große Arbeitsküche mit Zugang zur Terrasse. Die beiden Räume betonen den Wunsch der Bewohner, ein für Freunde offenes Haus führen zu wollen. Das private Schlafzimmer und ein Bad schließen an das Esszimmer an. Straßenseitig, gegen das Erdreich, finden sich eine kleine Buchbinderwerkstatt, ein Wein- und Gemüsekeller sowie ein weiterer Teil der umfangreichen Bibliothek.

~Petra Bohnenberger