Schlössli in Wohlen (CH)

Brandruine wird Kulturtreff

Was kann man erhalten, wenn ein Bau durch zwei Brände nahezu zerstört wurde? Die steinerne Hülle. Nun umschließt sie einen Raum für lokale Kulturveranstaltungen. Gerade weil die dafür vorgenommenen Änderungen unaufdringlich sind, wirken sie wertig.

Das »Schlössli« im schweizerischen Wohlen gilt als ältestes Gebäude der Gemeinde; archäologischen Indizien zufolge soll es bereits im 12. Jahrhundert erbaut worden sein. Nun haben Furter Eppler Partner Architekten das in seiner jetzigen Form aus dem Jahr 1546 stammende Haus vor dem Abbruch gerettet und in eine vielfältig nutzbare Begegnungsstätte für das Dorf umgewandelt.

Nicht erst die zwei Brände von 2005 und 2007 hatten der Bausubstanz schwer zugesetzt: Auch davor war das seit den 1930er Jahren kontinuierlich bewohnte Gebäude mangels Unterhalt zusehends verfallen. Feuer und Löschwasser zerstörten schließlich die komplette innere Struktur und auch den Dachstuhl, lediglich die Außenmauern blieben einigermaßen intakt. Im Zuge des Umbaus entstand daher aus einem dreigeschossigen Bauwerk mit zahlreichen Zimmern ein Einraumhaus als offene Halle mit einer kleinen Galerie.

Die Architekten legten besonderen Wert darauf, das alte Bruchsteinmauerwerk zu erhalten und in seiner unregelmäßigen Struktur wieder sichtbar zu machen. Dazu ließen sie an den 55 bis 75 cm dicken Außenwänden den bestehenden Verputz innen wie außen großzügig entfernen und die Steine mit einem speziellen Zementmörtel mit längerer Abbindezeit beidseits bis zu einer Tiefe von etwa 5 cm neu verfugen.

Mangels erhaltener Bausubstanz konnten im Dach- und Innenbereich radikalere Maßnahmen durchgeführt werden. Sie alle dienen jedoch in erster Linie der Stabilisierung des entkernten Gebäudes. So wurden auf Höhe der ehemaligen Decke über dem 1. OG umlaufend Stahlträger an der Wandinnenseite verankert; Gleiches gilt für die beiden Giebelseiten auf Höhe der Decke über dem 2. OG. An den Traufseiten übernimmt diese Ringankerfunktion ein massiver Dachkranz aus Beton, der sich auch an beiden Giebeln hochzieht. Das neue Dach wurde komplett in vorfabrizierter Tafelbauweise ausgeführt und mit flachen Photovoltaikmodulen gedeckt. Im Innern verleihen neue Fenstergewände aus Ortbeton den Wänden zusätzliche Stabilität, außen blieben die Natursteingewände erhalten. Die neuen Holzfensterrahmen sind bis auf das große Fensterband nach Norden von innen aufgesetzt, um die außergewöhnliche Tiefe der Außenmauern zu unterstreichen. Der neue Boden des Raums besteht aus einem fugenlosen, eingefärbten, geschliffenen und gedämmten Hartbeton.

Ein möbelartiger, frei stehender Holzeinbau nimmt nicht nur Toiletten und eine Küchenzeile auf, sondern auch sämtliche Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallationen. Seine Oberseite dient als begehbare Plattform, die als Galerie oder Bühne nutzbar ist.

~Tanja Feil