Umnutzung des ehemaligen Bahnwasserturms in Heidelberg

Kultur statt Wasser

Nach fast 30 Jahren Leerstand wurde das denkmalgeschützte Gebäude zu einem Kulturzentrum und für Büros umgebaut. Mit sensiblen Eingriffen in die Substanz gelang es den Planern, den Charme der ehemaligen industriellen Nutzung zu erhalten.

Der ehemalige Wasserturm des Bahnbetriebswerkes in Heidelberg wurde 1927 errichtet und diente zur Versorgung der Dampflokomotiven mit Wasser. In den Anbauten waren die Räumlichkeiten von Ausbildungswerkstätten für Schlosser und Elektriker untergebracht. Ende der 70 Jahre entfiel die Nutzung zur Wasserversorgung, auch die Werkstätten wurden in andere Gebäude verlegt und so stand das Ensemble seit 1989 leer.

Die Architekten des Büros AAg Loebner Schäfer Weber kauften das Gebäude und sanierten es grundlegend. Die Eingriffe in die Bausubstanz sind gut ablesbar, aber mit Feingefühl ausgeführt. Das Ziegelsichtmauerwerk und der Betonsteinsockel blieben erhalten, die historischen Fenster wurden jeweils von innen mit einem neuen Flügel zum Kastenfenster ergänzt. Die beiden Seitentrakte des Gebäudes wurden zu Büroflächen umgestaltet, im östlichen hat das Architekturbüro seinen neuen Standort gefunden, im westlichen befinden sich Probe- und Verwaltungsräume des sogenannten »KlangForums«. Bei der Sanierung des Daches wählten die Architekten ein schönes Detail: Während am Traufgesims mit einer Zwischensparrendämmung gearbeitet wurde, erhielt die restliche Dachfläche eine Aufsparrendämmung. Dazwischen entstand ein schmales, durchgehendes Fensterband zur Belichtung des DGs. In den Abendstunden gibt es den Flügelbauten einen gut sichtbaren oberen Abschluss.

Die Räume im Turm eignen sich für Veranstaltungen und werden von beiden Gebäudenutzern verwendet.  Eine zusätzliche Stahlplattform schafft im Innern eine neue Ebene. Die zentrale, fast skulptural anmutende Stahltreppe erschließt die Geschosse und bildet einen Kontrast zu den rohen Betonwänden. Die Veränderungen am Turm sind auch von außen nicht zu übersehen. Nun ragen aus dem Treppenhaus Fluchtbalkone heraus.

Die Ebenen der Bürobereiche im Ostflügel sind über Lufträume miteinander verbunden. Die Arbeitsplätze im DG liegen auf den alten Holzbalken der Zwischendecke auf. Im Westflügel wird dieses Spiel mit der Durchlässigkeit aufgenommen, eine Verglasung sorgt aber für die akustische Trennung der unterschiedlichen Nutzungen. So stehen Veranstaltungs- und Seminarräume für verschiedene Ausdrucksformen zeitgenössischer Kunst, Literatur, Musik und Theater zur Verfügung.

~Petra Bohnenberger