Kolumbarium in Marl

In Würde Abschied nehmen

Die Christuskirche in Marl haben DEEN Architects zum Kolumbarium umgebaut. Über der Kita im Souterrain ist ein Raum entstanden, der trotz seiner Nutzung für Urnengräber und Trauerfeiern in gewissem Maße eine hoffnungsvolle Stimmung verbreitet.

Freunde der 60er-Jahre-Architektur kennen das Ruhrgebiet-Städtchen Marl v.a. aus zwei Gründen: wegen der organisch geformten Grundschule von Hans Scharoun und dem Rathaus mit seinem prägnanten Hängetragwerk, entworfen von Johan Hendrik van den Broek und Jacob Bakema. Weniger bekannt war die Christuskirche, was sich nun aber ändern dürfte, denn sie wurde zum ersten Voll-Kolumbarium der Evangelischen Kirche Westfalen umgebaut. Hier können einmal bis zu 800 Urnen in 470 Kammern Platz finden.

Im Jahr 2016 war die Kirche entwidmet worden. Ein Abriss stand nicht zur Debatte, da sich im Souterrain eine Kita befindet, die erhalten werden sollte. So kam es zu einer ungewöhnlichen Nutzungskombination: Während unten die Kinder spielen, nimmt man oben Abschied von Verstorbenen. Für die Kinder wird der Tod so zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens, umgekehrt mag es manchen Trauernden ein bisschen Trost spenden, wenn sie sehen, wie sich unten das unbekümmerte Leben entfaltet.

Die Gestaltung des Kolumbariums übernahmen DEEN Architects aus Münster. Sie reagierten dabei auf die vorhandene Geometrie des Kirchenraums, dessen Gewölbe- und Flachdecken ein höheres Mittel- und zwei niedrigere Seitenschiffe andeuten. Im mittleren Teil schufen die Planer mit neu eingestellten, halbhohen Wandelementen einen Raum im Raum, der für Trauerfeiern mit bis zu 100 Personen genutzt werden kann. Die Wände bestehen aus recycelten Glaskeramikplatten, werden hinterleuchtet und erzeugen ein warmes Licht. An ihrer Rückseite, die sich zu einem umlaufenden Gang in den »Seitenschiffen« orientiert, nehmen die eingestellten Wandelemente die Urnenkammern auf. Ein unregelmäßiger Wechsel von Einzel- und Doppelkammern rhythmisiert die Wände, hin und wieder unterbrochen von Sitznischen, die eine Rückzugsmöglichkeit bieten. Mit weißer Glaskeramik greifen die Verschlussplatten der Kammern den Farbton der bestehenden Kirchenwände auf, während die Grundstruktur und der Sockel aus Nussbaumholz sich auf den vorhandenen braunen Fliesenboden beziehen. Das Zusammenspiel aus hellen Platten und dunklen linearen Holzelementen wiederum passt hervorragend zum Raster der bleiverglasten Fenster mit ihrem hohen Anteil an Weißglas.

Die Fenster hatte Hans Gottfried von Stockhausen im Jahr 1965 geschaffen. Er gehörte zu den gefragtesten Glaskünstlern seiner Zeit und entwarf über 500 Kirchenfenster in ganz Deutschland, in Großbritannien und den USA. Die farblich zurückhaltende Gestaltung des Kolumbariums von Marl lässt seine Glaskunst voll zur Geltung kommen. Die bunten Fensterpartien werfen bei Sonnenschein farbige Lichtpunkte in den Raum und tragen auf subtile Weise ebenfalls zu einer etwas helleren Stimmung bei.

~Christian Schönwetter


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