Wohn- und Therapiegebäude in Dielsdorf (CH)

Kleiner Aufwand, große Wirkung

Wie L3P Architekten die Gebäude der Vivendra Stiftung veränderten, ist beeindruckend. Vergleicht man das Ensemble vor und nach dem Umbau, sieht man, dass die Eingriffe gar nicht so groß sind, die gestalterischen Verbesserungen umso mehr.

Die Vivendra Stiftung wurde in der Schweizer Ortschaft Dielsdorf von einer Elterninitiative gegründet und bietet cerebral gelähmten Menschen Platz zum Lernen, Arbeiten und Wohnen. Um 1965 entstand ein Ensemble aus vier Gebäuden in einer parkähnlichen Umgebung, die von Bewohnern und Gästen für entspannende Spaziergänge genutzt wird.

Die Fassaden der containerartig anmutenden Bauten mit den markant ausgebildeten Fensterbändern und den zurückspringenden Sockeln waren bereits in den 80er Jahren provisorisch saniert worden. Jedoch entsprach die nur 5 cm dicke Dämmschicht nicht mehr den aktuellen energetischen Möglichkeiten; ebensowenig genügte die Verkleidung mit Faserzementplatten den heutigen gestalterischen Ansprüchen der Stiftung.

Die Planungen für die erneute, grundlegende Sanierung begannen bereits 2013. Es galt einige Herausforderungen zu bewältigen. So konnten die Außenwände aufgrund ihrer Konstruktion – Stahlskelett mit Mauerwerksausfachung – keine zusätzlichen Lasten aufnehmen. Daher sollte der Lastabtrag der neuen Gebäudehülle mittels Konsolen über die Geschossdecken erfolgen. Diese Konsolen, die es durch verstellbare Haltewinkel auch erlauben, unterschiedliche Fassadentiefen auszugleichen, bilden die Grundlage der hinterlüfteten, nun energetisch ausgewogen gedämmten Fassadenkonstruktion. An ihnen sind Putzträgerplatten befestigt, die eine keramische Bekleidung tragen. Die Fliesen in den beiden Formaten 6 x 30 cm und 10 x 30 cm sind in wechselnden Konstellationen angeordnet, sodass eine feine Rhythmik entsteht. Sie wurden von Agrob Buchtal eigens für dieses Projekt angefertigt.

Ziel der Architekten war es, einen monoton-uniformen Eindruck der Fassaden zu vermeiden und stattdessen eine Anmutung zu finden, die – dem Handicap der Bewohner entsprechend – leise Reize erzeugt, ohne schrill zu wirken. Dies wird durch die Fassadenkeramik in ihrer plastisch-dreidimensionalen Form, ihrer glänzenden Oberfläche und der subtil changierenden Farbgebung unterstützt. Je nach Lichteinfall und Standort vermittelt die Gebäudehülle beim Schlendern durch den Park wechselnde Effekte, Eindrücke und sanfte Reflexionen. Die beiden unterschiedlich schattierten Schwarzgrün-Töne der Keramik korrespondieren mit der Umgebung und lassen die Baukörper weniger voluminös und eher filigran wirken. Wesentlich dafür ist auch die Quer-Verlegung der Fliesen, die sogar um die Außenecken der Gebäude und Balkone schnüren, ohne durch Fremdmaterial wie Metallschienen o. ä. unterbrochen zu werden. Möglich gemacht wurde dies durch exakte Gehrungsschnitte.

Gleiches gilt für die markant eingefassten Fenster, die sich als Band über die Längsseiten der Gebäude ziehen. Um den Effekt zu akzentuieren und auch hier die dritte Dimension gezielt einzusetzen, ließen die Planer die Tiefe der Fensterlaibungen durch die nun weiter vorspringende Konstruktion bewusst auf 50 cm anwachsen. Je nach Tageszeit und Sonnenstand projiziert dies weitere Licht-Schatten-Spiele auf die Fassade. Ähnlich wie bei den Außenecken des Gebäudes legte man auch hier Wert auf Sorgfalt im Detail: Spezielle Zargen mit rund 5 cm Aufkantung betonen die Fensterreihen, fassen die abgeschnittenen Kanten der Fliesen sauber ein und verdecken zudem die ca. 25 x 30 mm großen Auslässe für die Hinterlüftung, ohne deren Funktion zu beeinträchtigen.