Umnutzung einer Klinik zur KiTa in Stuttgart

Kindergarten auf Zeit

Was tun, wenn Familien ein Recht auf einen Kinderbetreuungsplatz und die Kommunen zu wenig dieser Plätze haben? Die Stadt Stuttgart beauftrage hammeskrause architekten, eine ehemalige psychiatrische Klinik zur Zwischennutzung umzubauen.

Weil noch nicht geklärt ist, was mit dem Gelände des Stuttgarter Bürgerhospitals künftig geschehen soll, bekam die KiTa, die in einem der Gebäude untergebracht ist, einen Nutzungszeitraum von nur fünf Jahren. Für die Planer galt es also, mit finanziell begrenzten Mitteln ein dennoch gut funktionierendes Provisorium für Kinder von drei Monaten bis zum Schulalter zu erschaffen. Gleichzeitig wollten sie im äußeren Erscheinungsbild ein starkes Zeichen des Neuanfangs setzen. Denn in der psychiatrischen Klinik waren zuvor Depressive und Drogensüchtige behandelt worden – diese Vergangenheit des Gebäudes, die vielen Stuttgartern noch in Erinnerung ist, sollte die KiTa nicht belasten. Farbe war daher ein probates, preiswertes Mittel, bei dem typischen 70er-Jahre-Bau mit seinen Holzbrett-konturierten Sichtbetonwänden und dunkelbraunen Fensterbändern die Tristesse zu verscheuchen.

Für ihr Konzept der Umgestaltung arbeiteten die Architekten mit der Stuttgarter Künstlerin Judith Brucklacher zusammen. Sie entwarf das Bild eines ausgedehnten Rosenbuschs, der den Bau überzieht und mit kraftvollen Farben zum Leuchten bringt. In seinen Blättern verbergen sich einzelne Vögel. Im Innern wird das Thema weiter fortgeführt: Die Garderoben der Kinder sind kleine Nistkästen, die Sitzbereiche erscheinen als Pilze, Bäume oder Baumstümpfe.

Bauliche Eingriffe gab es wenige: Die Sanitärräume wurden für die Kinder angepasst, die abgehängten Decken durch akustisch wirksame Holzwolleleichtbauplatten ersetzt, zusätzliche Türen sorgen für den Brandschutz. Weil die Freiflächen teilweise deutlich unter Straßenniveau liegen, wurde die ehemalige Patientendachterrasse in einen großen Außenspielplatz verwandelt. Und um einen barrierefreien Zugang zum Gebäude zu ermöglichen, war es leichter, von der Straße aus einen Steg ins OG als eine Rampe ins EG zu bauen. Über den vorhandenen internen Aufzug sind nun alle sieben Gruppen erreichbar.

~Petra Bohnenberger