Wohnhaus Hans Demarmels, Zürich

Im Geiste Le Corbusiers

Kaufmann Widrig Architekten sanierten mit behutsamen Eingriffen das ehemalige Wohnhaus eines Corbusier-Anhängers. Unangetastet blieben der Sichtbeton und die roten Klinkerfliesen, ergänzt wurden schwarz durchgefärbte Einbauten aus Holzwerkstoffplatten.

Wie viele Architekten stand auch der als Bauzeichner, Schreiner und Maurer ausgebildete Hans Demarmels (1931-2010) in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ganz im Banne Le Corbusiers. 1953 brach er nach Paris auf, um beim Meister zu arbeiten; dieser weilte allerdings gerade in Indien. Demarmels wollte ihm folgen, doch seine Reise führte ihn über Südeuropa lediglich nach Beirut, wo er für einige Jahre ein Büro unterhielt.
Zurück in Zürich, errichtete er zwischen 1963 und 1965 in steiler Hanglage im Stadtteil Höngg eine Gruppe aus drei Häusern, die zu seinem Hauptwerk avancieren sollte. Es handelt sich um expressive Bauskulpturen aus Beton, die ganz den Geist des späten Corbusier atmen, wobei es Demarmels gelang, die Volumina noch plastischer durchzubilden als der Meister. Auf Basis einer 2012 veröffentlichten Ergänzung des Denkmalinventars um Bauten aus den Jahren 1960-80 steht das Ensemble inzwischen unter Denkmalschutz.
Das mittlere der drei Häuser, das Demarmels einst selbst bewohnte, wurde nun vom Zürcher Architekturbüro Kaufmann Widrig modernisiert. Nach dem Split-Level-Prinzip setzt sich das Innere aus sieben Ebenen zusammen, die sich um eine zentrale Treppenskulptur gruppieren. Innen und außen sind miteinander verschmolzen, Fenster unterschiedlicher Größe und Proportion bieten Ausblicke auf Stadt, See und Umgebung.
Ausgangspunkt für die Sanierung war die vollständige Erneuerung der Haustechnik, der Küche und der Nasszellen – mithin der klassischen Verschleißteile eines Hauses. Die Architekten beschränkten sich auf die nötigsten Eingriffe, machten diese aber durch neue Materialien sichtbar. Schwarz eingefärbte, geölte Holzwerkstoffplatten bestimmen die neuen Einbauten in der Ankleide, den Badezimmern und der Küche. Sie harmonieren gut mit dem Sichtbeton der Baustruktur und des Küchenkorpus’ sowie den roten Klinkerfliesen der Böden. Für die Auskleidung der Bäder nutzten die Architekten schwarze Mosaiksteine. Der raue Putz der weißen Wandflächen wurde aufgefrischt, auch bei der Farbfassung der Wände mit Le-Corbusier-Farben hielt man sich weitgehend an die Befunde und fügte nur ein Mattlila hinzu. Die Interventionen bleiben als Ergänzungen ablesbar, ohne jedoch den Gesamteindruck des Ursprungsbaus zu stören.
~Hubertus Adam