Kreativwirtschaftszentrum in Mannheim

Ideenschmiede mit Ortsbezug

In Nachbarschaft zur bekannten Popakademie haben Hartwig Schneider Architekten nun weitere Räume für die Kreativen der Stadt geschaffen. Mit präzise eingesetzten Gestaltungsmitteln überführen sie das Formenrepertoire der Umgebung in die Moderne.

Seit einigen Jahren wertet Mannheim den Stadtteil Jungbusch auf, der lange vernachlässigt worden war. Durch eine Umgestaltung des öffentlichen Raums, aber auch durch das Ansiedeln geeigneter Nutzungen soll das Image des ehemaligen Rotlichtviertels verbessert werden. Direkt am Hafenkanal wurde nun das Kreativwirtschaftszentrum gebaut, in dem neben Künstlern und Agenturen auch StartUps arbeiten können.

Die Stadt gönnte sich dafür einen Wettbewerb, den Hartwig Schneider Architekten gewonnen haben. Ihr Entwurf greift die Formensprache der umgebenden Speicher- und Lagerhallen auf und setzt sie schnörkellos für das neu errichtete Bürogebäude um. Durchgefärbter ziegelroter Ortbeton mit horizontaler Schalung korrespondiert mit dem Backsteinmauerwerk der Nachbarschaft und schafft so eine harmonische Verbindung zwischen Alt und Neu. Auch im oberen Gebäudeabschluss zeigt sich die Anlehnung an den Bestand: Der Neubau endet nicht wie erwartet mit einem flachen Abschluss, sondern zeichnet die minimale Dachneigung der Lagerhäuser nach und bildet wie diese einen leichten Giebel aus. Das Gebäude namens »C-HUB« bietet Platz für über 50 Unternehmen aus den Bereichen Design, Fotografie, Mode, Film und Kulturwirtschaft. Sie finden dort neben Büro-, Besprechungs- und Tagungsräumen auch Lagerflächen. Das Konzept geht auf: Inzwischen ist bereits das gesamte Gebäude vermietet.

Die benachbarte zweigeschossige Lagerhalle mit ihren denkmalgeschützten Ziegelfassaden ist Teil des Ensembles und wird nun als Galerie mit Gastronomie genutzt. Dafür wurde das Gebäude entkernt, die neue Stahlbetonkonstruktion basiert auf den strukturellen Vorgaben der Fassade. Mächtige Träger überspannen nun den gesamten Raum, sodass 590 m² stützenfreie Ausstellungsfläche im OG bespielt werden können. Das EG lässt sich für unterschiedliche Nutzungen, mal als Foyer, mal als »Schaufenster« oder Veranstaltungsraum zuschalten. Die gemauerten Außenwände erhielten eine Zwischendämmung und eine Betoninnenschale sowie großzügige Öffnungen im EG. Dadurch wird die Nutzung auch von außen wahrnehmbar.

Der Hof zwischen beiden Gebäuden bietet sich als Kommunikationsbereich an. Die direkt vorgelagerte, weit in den Kanal reichende Terrasse sorgt für eine zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeit direkt am Wasser.

Das Ensemble erhielt am 2. Februar 2016 den Staatspreis Baden-Württemberg in der Sparte Gewerbe/Industriebau.

~Petra Bohnenberger