Gründerzentrum »Halle Girard« in Lyon (F)

Neuer Dampf in alten Hallen

Auf Grundlage eines Masterplans von Herzog & de Meuron wandelt sich die Industriebrache La Confluence zu einem neuen Stadtteil. Vurpas Architectes bauten dort eine alte Dampfkesselfabrik um und fügten Büros aus Holz in das historische Stahltragwerk.

Am Zusammenfluss von Rhône und Saône liegt das Quartier »La Confluence«. In diesem Stadtteil werden seit der Jahrtausendwende 150 ha brachliegende Industrie- und Gleisflächen schrittweise zu einem Wohn- und Geschäftsviertel umgestaltet – mit Platz für 30 000 neue Bewohner und für Unternehmen v. a. aus der Kreativ- und Digitalbranche. Als Grundlage dient ein Masterplan von Herzog & de Meuron.

Ein zentrales Element ist die Transversale, die die Halbinsel mit den beiden anderen Flussufern im Osten und Westen verbinden wird. Just an dieser Querverbindung liegt eine imposante ehemalige Dampfkesselfabrik aus dem Jahr 1857 mit einer repräsentativen Art-déco-Fassade und einem schlanken Stahltragwerk im Innern. Die Anlage besteht aus einer großen Haupthalle, ähnlich einem Kirchenschiff, und flankierenden Werkstätten mit Sheddächern auf der Nord- und Südseite. Nach einem der letzten Betreiber »Halle Girard« genannt, zeugt der Komplex als einer der wenigen erhaltenen Bauten von der industriellen Vergangenheit des Quartiers. Daher wollte die Stadt ihn bewahren, obwohl er nicht unter Denkmalschutz steht. Für die behutsame Instandsetzung zeichnet das ortsansässige Büro Vurpas Architectes verantwortlich. Der Verband French Tech One stellt die umgebauten Räumlichkeiten nun als »H7« Startups zur Verfügung.

Da der nordwestliche Teil des Industriebaus der geplanten Transversale im Weg stand, wurden die nördlichen Werkstätten fast zur Hälfte abgebrochen. Um den kathedralenartigen Charakter der ebenfalls betroffenen großen Halle nicht zu zerstören, ist diese nun im hinteren Bereich als überdachter, nach zwei Seiten hin offener Raum gestaltet und wird in Verbindung mit einer zentralen Bar hauptsächlich für gastronomische Zwecke genutzt. Der geschlossene Teil der Halle dient als vielfältig bespielbare Eventfläche. Ihr Stahltragwerk ließen die Architekten nur leicht reinigen und v. a. im neuen Außenbereich mit einer Rostschutzgrundierung versehen.

Der große Komplex der südlichen Werkstätten nimmt nun zweigeschossige Büro- und Kommunikationsbereiche auf, die sich um zwei zentrale Lufträume gruppieren. Dazu zogen die Architekten eine vom originalen Stahltragwerk unabhängige Holzkonstruktion aus unbehandelter Douglasie ein. Auch die alte Dachkonstruktion der Werkstätten konnten die Planer bewahren, lediglich einige beschädigte Sparren mussten durch neue ersetzt werden – leicht gefärbt, damit sie zu den rußgeschwärzten alten passen. Akustisch wirksame Holzfaserplatten, eine Dämmschicht und Solarkollektoren komplettieren die Instandsetzung der Dachhaut.

Während die repräsentative Art-déco-Fassade mit einem mineralischen Anstrich nebst Graffitischutz wieder ihre alte Pracht zurückerhielt, überzog man die übrigen steinernen Außenwände nur mit einer weißen Kalkschlämme, um dort die Spuren der Geschichte nicht komplett zu verdecken. Neue Stahlelemente im Außenbereich sind voroxidiert, damit sie farblich den rostbraunen Originalen näherkommen.

~Tanja Feil


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