Galerieräume der Goldsmiths University in London (GB)

Kunst im Waschhaus

Vorbildlich achteten die Architekten des Büros ASSEMBLE beim Umbau eines Badehauses für eine Kunstschule darauf, dass Eingriffe in die historische Bausubstanz erkennbar bleiben. Doch eignen sich die Räume auch für Ausstellungen?

Auf den ersten Blick präsentiert sich das  Center for Contemporary Art (CCA) der Goldsmiths University, das im September 2018 eröffnete, als eine ziemlich wilde Collage in Form und Stil. Im Kern handelt es sich um ein viktorianisches Bade- und Waschhaus aus dem Jahr 1898. Knapp hundert Jahre später geschlossen, wird das ehemalige Schwimmbecken bereits seit einigen Jahren für Ateliers genutzt. Nun haben die Planer des Londoner Studios ASSEMBLE, die sich selbst als ein multidisziplinär arbeitendes Kollektiv zwischen Architektur, Kunst und Design beschreiben, die alte Wäscherei und die Wassertanks umgebaut. Dabei sind vier Ausstellungsräume für die Kunstschule entstanden, gleich neben ihrem Hauptgebäude, das der jüngst verstorbene Will Alsop entworfen hatte (2010).

Das Programm, mit dem ASSEMBLE das alte Haus interpretieren, ist durch einen doppelten Ansatz gekennzeichnet, der nicht einer gewissen Widersprüchlichkeit entbehrt. Einerseits wurde im Haus vieles belassen, wie es vorgefunden wurde: Das betrifft nicht nur die denkmalgeschützten, alten, eisernen »Wäscheständer« oder das alte Rohrsystem, das in einem markanten Blaugrüngrau farblich neu gefasst wurde. Auch die historischen Wände zeigen Spuren ihrer Nutzungen und allfälliger Umbauten, von unerklärlichen Betonschichten über Ziegelausbesserungen bis zu Holzergänzungen beim Fenster oder zufälligen Farbspuren an den Wänden. Das Ergebnis ist eine reizvolle Ästhetik des »as found«, in der sich die Geschichte des Hauses selbst erzählt. Das ergibt v. a. in einem der ehemaligen eisernen Wassertanks, der jetzt als Ausstellungsraum dient, eine sehr spannungsvolle Atmosphäre. Andererseits läuft eine solche Raumästhetik auch Gefahr, sich selbst zu wichtig zu nehmen. Der größte Ausstellungsraum im UG etwa erweist sich aufgrund seiner dominanten rohen Ziegelwände als eine ziemliche kuratorische Herausforderung.

In krassem Gegensatz zu dem behutsamen »as found« steht das überraschend brachiale, geschossübergreifende Aufbrechen des Hauses im Zentrum. Der so entstandene mehrgeschossige Multifunktionsraum wird durch die neu geschaffenen Sicht- und Hörverbindungen mit den anderen Galerieräumen »vernetzt«. Ergänzt wird der Umbau durch einen kleinen Neubautrakt. Dessen Verkleidung mit farbigem Wellbeton schreibt den industriellen Charakter des Ortes fort, während die geriffelten, zauberhaft zartrosafarbenen Fliesen des Tresens im künftigen Café des CCA an der Goldsmiths University Motive des alten Bades aufgreifen.

~Jürgen Tietz

Öffnungszeiten finden Sie auf der CCA-Website der Goldsmiths University

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