Feriendomizil Mosogno di Sotto (CH)

Minimalismus und Historie

Extrem sparsame, doch sehr bewusste Eingriffe und eine Einteilung in ein Sommer- und ein Winterhaus: Damit haben Buchner Bründler Architekten die ziemlich verfallene Substanz eines Tessiner Bauernhofs gerettet und als Feriendomizil nutzbar gemacht.

Der Verfall war unübersehbar: Im Tessiner Onsernonetal hatte ein Ensemble aus rustikalen, schlichten Steinhäusern seit gut 300 Jahren dem Bergklima getrotzt, doch zuletzt unter langem Leerstand stark gelitten. Buchner Bründler Architekten aus Basel entwickelten für ihre Bauherren ein Konzept, das Eingriffe darauf beschränkte, den Verfall aufzuhalten und ein einfaches Feriendomizil einrichten zu können.

Die Gebäude stehen in L-Form zueinander und bilden einen Zweiseithof. Im besonders maroden Hauptbau wurde die kleinteilige Kammerstruktur zugunsten einer großen, zweigeschossigen Sommerhalle rückgebaut. An den umlaufenden Wänden lassen sich jedoch die ursprünglichen Nutzungen und Lebensorte ablesen: oben der Putz und die Strukturen der Wohnräume, unten der nackte Naturstein des Weinkellers, in der Raummitte das Fragment einer Querwand mit Kamin. Ein Rahmen aus Stahlträgern unterfängt es und steift das Gebäude aus. Statt von dem alten morschen Holzdachstuhl mit Steindeckung wird das »Sommerhaus« jetzt von einem scheinbar lose auf das neue filigrane Stahlfachwerk gelegten, ungedämmten Blechdach geschützt. Wind und Wetter bleiben über die teilweise offene Giebelfassade innen spürbar, doch es regnet nicht mehr herein. Das Metalldach steht im Kontrast zur historischen Bausubstanz, ein neues Steindach einzubauen wurde aus ökonomischen und gestalterischen Gründen nicht weiter verfolgt. Da die Baustelle nur über einen kleinen Waldweg zu Fuß erreichbar war, mussten Bauteile und Materialien mit dem Hubschrauber angeliefert werden. Das ehemalige Nebengebäude samt Steindach war besser erhalten und avancierte nun zum »Winterhaus«. Der kleine Raum wurde von innen gedämmt und ein dunkel lasierter Wohnkubus eingestellt. Schnell heizt an kalten Tagen der Küchenofen diese Stube auf, in der gekocht, gegessen, geschlafen und überwintert wird.

Am Knickpunkt, wo sich Sommer- und Winterhaus treffen, liegt das Bad in einem kleinen, alten Anbau auf quadratischem Grundriss. Sein ebenfalls marodes Dach machte Platz für eine betonierte Kuppel, die sich deutlich als neues Bauteil zu erkennen gibt – und ein wenig an orientalische Badehäuser erinnert. Eine hofartige Terrasse mit Talblick fasst diese drei Gebäude zu einer Einheit zusammen; der ursprünglich ziemlich schmale Außenraum wurde mit einer neuen Stützwand erweitert und dabei das Abbruchmaterial der Wände vom Haupthaus zum Auffüllen verwendet. Alles in allem ein meisterhafter Spagat: Einerseits wurde hier am Steilhang ein Stück Tessiner Baukultur konserviert, andererseits mit beherzten Eingriffen neue Räume geschaffen.

~Carmen Nagel Eschrich